Eishockey
Bei den SCL Tiger beginnt eine neue Zeitrechnung

Nach der Niederlage gegen den SCB verpasst Langnau die Playoffs – der Abstiegskampf ist eröffnet.

Klaus Zaugg
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Verpasst mit seiner Mannschaft die Playoffs: Tigers-Trainer Heinz Ehlers.

Verpasst mit seiner Mannschaft die Playoffs: Tigers-Trainer Heinz Ehlers.

Keystone

Guten Abend, liebe Langnauer, nun beginnt der Ernst des Hockey-Lebens. So hat das nach dem 2:4 (0:2, 1:2, 1:0) gegen den SC Bern auch Trainer Heinz Ehlers gesehen: «Wir dürfen so nicht weiterspielen. Wir müssen uns wieder auf unsere Qualitäten besinnen, disziplinierter spielen und demütig werden.» Die Tage des unbeschwerten Hockeys sind im Emmental zu Ende gegangen.

Am 4. Oktober 2016 hatte Heinz Ehlers die taktisch vernachlässigte Mannschaft von seinem kanadischen Vorgänger Scott Beattie übernommen. Und nach dem Trainerwechsel begann am 4. Oktober eine neue Zeitrechnung. Die sportliche Depression (zum Auftakt neun Niederlagen in Serie) löste sich auf wie Morgennebel. Nun rockten die Tiger. Am 26. November standen sie gar punktgleich mit Servette auf dem 8. und letzten Playoff-Rang.

Höher kamen die Emmentaler in der Tabelle zwar nicht mehr. Die entscheidenden Partien unter maximalem Erwartungsdruck gingen im November und im Dezember verloren. Aber es waren trotzdem schöne Tage der Hoffnung, der Polemik und der Schmähungen von Scott Beattie.

Die Meinungen waren bald gemacht: Wäre Heinz Ehlers von allem Anfang an Trainer gewesen, es hätte zum zweiten Mal nach 2011 für die NLA-Playoffs gereicht. Allenthalben Hockey-Hollywood. Die Angst vor dem 12. und letzten Platz, vor dem Abstieg, in den Saisonprognosen allgegenwärtig, war verschwunden wie ein böser Spuk.

Wenig Disziplin und Intensität

Der Ernst der Saison am 137. Tag unter Heinz Ehlers doch noch begonnen. Mit der ernüchternden Niederlage gegen den SC Bern – nach fünf Derby-Siegen auf eigenem Eis – ist auch rechnerisch klar, dass die SCL Tigers die Playoffs nicht mehr erreichen können.

Telegramm

SCL Tigers - Bern 2:4 (0:2, 1:2, 1:0)

6000 Zuschauer (ausverkauft). - Fischer/Stricker, Castelli/Obwegeser. - Tore: 6. Gagnon (Lasch, Ebbett/Ausschluss Albrecht) 0:1. 17. Marco Müller (Ebbett) 0:2. 21. (20:09) Huguenin (Nils Berger/Ausschluss Untersander) 1:2. 28. Marco Müller (Ebbett, Genoni) 1:3. 32. Plüss (Scherwey) 1:4. 53. Moggi (Dostoinow) 2:4. - Strafen: 5mal 2 Minuten gegen die SCL Tigers, 4mal 2 Minuten gegen Bern. - PostFinance-Topskorer: DiDomenico; Arcobello.

SCL Tigers: Ciaccio; Zryd, Koistinen; Huguenin, Seydoux; Flurin Randegger, Weisskopf; Adrian Gerber; Elo, Macenauer, Nils Berger; DiDomenico, Albrecht, Nüssli; Roland Gerber, Pascal Berger, Lindemann; Dostoinow, Schirjajew, Moggi; Kuonen.

Bern: Genoni; Untersander, Blum; Jobin, Krueger; Andersson, Beat Gerber; Kamerzin; Rüfenacht, Arcobello, Moser; Lasch, Plüss, Scherwey; Ebbett, Gagnon, Marco Müller; Alain Berger, Reichert, Gian-Andrea Randegger; Hischier.

Bemerkungen: SCL Tigers ohne Blaser, Yves Müller, Stettler (alle verletzt), Haas und Lashoff (beide überzählig), Bern ohne Bodenmann, Noreau (beide verletzt) und Garnett (überzähliger Ausländer). Pfostenschüsse Gagnon (8.), Marco Müller (30.) und Untersander (47.). Timeout SCL Tigers (58:38). SCL Tigers ab 58:38 ohne Torhüter.

Die Langnauer hatten nie eine Chance auf den Sieg: zu wenig Disziplin, zu wenig Intensität.
Was schwerer wiegt als die verpassten Playoffs: Nach dem Abrutschen auf Rang 10 hinter Kloten ist die Reserve auf Fribourg-Gottéron, auf den zweitletzten Platz, auf die Playouts gegen Ambri auf acht Punkte geschmolzen.

Nach 137 Tagen Hoffnung und Hollywood hat wieder eine neue Zeitrechnung begonnen: der Kampf um den Liga-Erhalt. Die bange Frage an Heinz Ehlers: Reichen diese acht Punkte Vorsprung, um den Playouts zu entgehen? «Es wird sehr hart werden, das weiss ich» sagt der Däne. «Aber wir haben im Laufe dieser Saison die Qualitäten gezeigt, die es uns ermöglichen, den Playouts zu entgehen.

Ich bin stolz, dass wir es geschafft haben, so lange die Chancen auf die Playoffs offenzuhalten. In den letzten Tagen haben wir sehr gut trainiert und nun müssen wir diese guten Trainings in den nächsten Spielen umsetzen.»

Und sollte es trotz allem nicht reichen, um den Playouts zu entgehen, dann wird es wenigstens ein spektakuläres Saisonende: Heinz Ehlers hat die Saison mit einem 0:3 gegen Ambri begonnen – und er würde seine erste Saison im Emmental nach menschlichem Ermessen mit einer Partie gegen Ambri beschliessen. Siegreich natürlich.