Der Mann hat Selbstvertrauen. Da taucht der 22-jährige Beda Klee in der Schlussphase des 15-km-Rennens im klassischen Stil inmitten der weltbesten Langläufer auf. Und was sagt er dazu? «Im letzten Anstieg kochen alle nur mit Wasser. Da ist jeder blau.»

Von wegen Angst vor grossen Namen. In seinem allerersten Massenstartrennen im Weltcup läuft der Wattwiler sensationell auf Platz 11, nur neun Sekunden hinter Sieger Emil Iversen. Erstmals in seiner Karriere bezwingt Klee den vierfachen Olympiasieger Dario Cologna, der sich solcherlei von Schweizer Teamkollegen seit Jahren nicht gewohnt ist.

Cologna nur Rang 23

Aufgehalten durch einen Sturz des Norwegers Sundby, beendet Cologna die 15 km klassisch nur auf Rang 23. Klee wäre es lieber gewesen, wenn er das Ziel hinter seinem ungleich renommierteren Landsmann erreicht hätte. «Zum Beispiel Dario als Sieger und ich als Zweiter», wie er spitzbübisch ausführt.

Klee mit Mut zum Risiko

Der Leistungssprung von Beda Klee ist bemerkenswert. Erst zehnmal ist der Athlet aus dem B-Kader im Weltcup gestartet. Vor diesem Winter schaffte es der St. Galler dabei nie in die erste Ranglistenhälfte. Nach seinem überraschenden Top-30Resultat beim Heimrennen in Davos (27.) Mitte Dezember war der Auftritt in Oberstdorf nun bereits das dritte Distanzrennen in Folge in den Punkterängen.

Als Kommentar zu seinem 26. Platz beim Tour-Start in Toblach schrieb Klee auf Facebook: «Irgend so einem Schweden nachgelaufen und dann plötzlich wieder in den Punkten.» Er sei noch jung, habe nichts zu verlieren und dürfe deshalb durchaus etwas riskieren. Zum Beispiel beim 30 Sekunden nach ihm gestarteten Calle Halfvarsson anhängen.

Vielversprechende Ausgeglichenheit

Seit sieben Jahren trainiert Beda Klee in Davos. Seit diesem Frühjahr unter den Fittichen von Reto Burgermeister, dem früheren Schweizer Olympiateilnehmer und späteren Trainer der Russen. Vielversprechend ist seine Ausgeglichenheit. Im vergangenen Winter wurde er Vierter im Sprint der U23-WM.

In Davos und Toblach holte er Weltcuppunkte über die Distanz in Freistil-Rennen, gestern in Oberstdorf in der klassischen Technik.

Beda Klee kann offensichtlich alles. «Rennen mit Massenstart liegen mir am besten. Im Kampf Mann gegen Mann die Ellbogen ausfahren und im letzten Aufstieg nochmals alles aus sich herauspressen.»

Fokus auf U23-WM

Die Entwicklung der vergangenen Wochen erklärt Beda Klee mit dem kontinuierlich gesteigerten Training. «Ich bin seit Jahren von Verletzungen verschont geblieben.» Nach dem heutigen Verfolgungsrennen steigt das Talent trotz tollem 22. Gesamtrang aus der Tour de Ski aus.

Sein Fokus liegt bei der U23-WM Mitte Januar in Lahti. Kann er die Form konservieren, darf Klee mit einer Medaille liebäugeln.

Colognas Realismus

Nach missglückten Rennen kann Dario Cologna durchaus knurrig sein. Erst recht, wenn er auf unverhoffte Widrigkeiten stösst wie gestern den Sturz von Sundby direkt vor seiner Nase, just als an der Spitze die Post abging. Diesmal zeigte sich der beste Schweizer Langläufer der Geschichte aber duldsam und selbstkritisch. Der Zug gegen vorne sei wohl abgefahren, selbst wenn in einem Etappenrennen immer noch viel passieren kann.

Dario Cologna.

Dario Cologna.

«Ich werde weiterhin versuchen, in jedem Einsatz mein Bestes zu geben. Ich hoffe darauf, im Verfolgungsrennen eine starke Gruppe zu erwischen und so Zeit gutzumachen.» Damit dies einigermassen gelingt, dürfe es aber keine ungeplanten Zwischenfälle mehr geben. Diese hätten in seinem Fall nicht nur mit Glück oder Zufall zu tun. «Mit der Form des vergangenen Jahres wäre ich im Gesamtklassement sicherlich weiter vorne als nur auf Rang 16», sagt Cologna. «Wenn man ganz stark ist, kann man solche Dinge besser kontrollieren.»

Von Siebenthal mit erneutem Rückschlag

Die Rolle des grantigen Interviewpartners blieb so der Schweizer Hoffnung bei den Frauen vorbehalten, der Berner Oberländerin Nathalie von Siebenthal. Die 25-Jährige kommt in dieser Saison einfach nicht so richtig in die Gänge.

Nach zwei Lichtblicken in Toblach und im Val Müstair bedeutete der 40. Rang gestern einen erneuten Rückschlag. Und Grund genug für eine eigenwillige Analyse: «Heute war nicht die Form entscheidend, sondern Glück oder Pech. Entweder man hatte das richtige Material oder man hatte es nicht.»