Titelverteidiger! Schweizer Ruderer sind bei Olympia regelmässige Medaillengaranten. Die Sportart erfreut sich hierzulande grosser Tradition. Viele Klubs haben ihr 100-Jahr-Jubiläum bereits hinter sich. Einen Kater erlebten sie nicht, dank Mario Gyr, Simon Niepmann, Simon Schürch und Lucas Tramèr gingen die Feierlichkeiten bei den Sommerspielen 2016 in Rio weiter.

Erfolg verpflichtet, auch wenn es mit der Titelverteidigung nächstes Jahr in Japan schwierig wird. Erstens sind die vier Olympia-Helden aus Brasilien allesamt nicht mehr aktiv. Zweitens hat das IOC den Leichtgewichts-Vierer zugunsten einer Frauenkategorie aus dem Programm gekippt. Als Novum gibt es in Tokio für beide Geschlechter gleich viele Medaillen zu gewinnen. An der WM in Österreich geht es Ende August um die Olympia-Startplätze.

Doppelzweier meldet Ambitionen an

Wer könnte die Schweizer Edelmetall-Sammlung in Tokio vergrössern? Neben der amtierenden Europameisterin Jeannine Gmelin im Skiff sticht ein Boot als Hoffnungsträger hervor: Der Doppelzweier mit dem Luzerner Roman Röösli und dem Waadtländer Barnabé Delarze. Im Vorjahr meldete das Duo seine Ambitionen mit WM-Silber an. Der 25-jährige Röösli hat die olympische Medaille zum persönlichen Karriereziel erklärt. In seinen Träumen kennt er auch bereits deren Farbe, «nur will ich das nicht lauthals in die Öffentlichkeit hinausposaunen».

Den Olympiasieg der Leichtgewichte 2016 hat der 25-Jährige als Mitglied des schweren Vierers hautnah miterlebt. Für ihn persönlich endete der Brasilien-Trip mit einer Enttäuschung, selbst wenn sein Boot im Final als Sieger ins Ziel kam. Aber eben, es war nur der B-Final. «Direkt nach dem Rennen habe ich Rio abgehakt und den Blick nach vorne gerichtet». Den Olympiatraum lässt er sich nicht nehmen.

2018 war Rööslis bisher beste Saison. In drei verschiedenen Booten stand der Betriebswirtschafts- und Geografie-Student bei sämtlichen Starts auf dem Podest. Im Verlauf der Saison kristallisierte sich die Kombination mit dem neun Monate jüngeren Delarze als erfolgsversprechendste Kombination hinaus.

Erstmals mit Athletiktrainer 

Solche Entscheidungen trifft im Rudersport der Trainer. Der Athlet fügt sich dem, selbst wenn die Chemie auf persönlicher Ebene nicht stimmen sollte. «Längst nicht in allen erfolgreichen Schweizer Booten sassen lauter Freunde», verrät Röösli, «persönliche Befindlichkeiten gehören nicht in unseren Sport».

Mit Barnabé Delarze versteht sich der Innerschweizer aber gut. Erfolg hilft mit. Um den olympischen Traum mit aller Konsequenz zu leben, setzt Roman Röösli seit Februar zu 100 Prozent auf den Sport. Dreimal täglich wird auf dem Sarnersee trainiert. Ein Aufwand, den auch der Athlet als «Gratwanderung» bezeichnet. Doch genau diese Konstanz sieht er als wichtigsten Punkt für den Sprung an die Weltspitze. Denn im Rudersport geschieht nichts zufällig.

Dass dies auch für Tokio gilt, dafür sorgt Verbandsdirektor Christian Stofer. Nach Rio hat er mit dem Briten James Goodwin erstmals einen Athletiktrainer angestellt. Und für die Sommerspiele 2020 wird man einen Vorbereitungsaufwand wie noch nie betreiben. Damit einer wie Roman Röösli die Farbe seiner Medaille nicht mehr nur im Traum vor Augen hat.