Bobsport
Ohne Training direkt zur Medaille: Zwei Baselbieter jagen mit Tempo durch den Eiskanal

Die beiden Baselbieter Elia Wyssen und Mathieu Hersperger sind Bobfahrer. Gemeinsam holten sie Bronze – und kannten sich da erst einen Tag. Sie erzählen, wie sie zum Bobsport gefunden haben und erinnern sich an ihre erste Fahrt.

Esteban Waid
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Bobfahren ist nicht die typische Sportart, wenn man an die Region Basel denkt. Aber während die meisten an Fussball, Volleyball oder Handball denken, haben die beiden Baselbieter Elia Wyssen aus Rünenberg und Mathieu Herpserger aus Reinach den Bobsport für sich entdeckt. Mit bis zu über 150 Kilometer pro Stunde versuchen sie, im Eiskanal die besten Zeiten aus dem Bobschlitten herauszuholen. Zuletzt sogar ziemlich erfolgreich.

Bei der Schweizer Meisterschaft Ende Februar fuhren die beiden aufs Treppchen und holten bei den Junioren im Zweierbob die Bronzemedaille. Das Kuriose ist, dass sich die beiden erst einen Tag zuvor kennen gelernt haben. «Eigentlich wäre ich mit einem Anschieber vom Bobteam Lorenzoni gefahren. Der musste aber wegen einer Verletzung eines anderen Anschiebers nachrücken. Dann bin ich auf einmal allein dagestanden», erinnert sich Elia Wyssen.

Mathieu Hersperger (l.) und Elia Wyssen (r.) stehen bei der Schweizer Meisterschaft auf dem Treppchen.

Mathieu Hersperger (l.) und Elia Wyssen (r.) stehen bei der Schweizer Meisterschaft auf dem Treppchen.

zVg

Wyssen ist 17 Jahre und Pilot, der 22-jährige Mathieu Hersperger ist Anschieber und damit also genau das, was Wyssen in dem Moment fehlte. «Bei mir ist es nicht so einfach, weil ich unter Vertrag bin. Ich kann also nicht einfach mit einem anderen Piloten fahren», erklärt Hersperger. Er fährt normalerweise im Schweizer Nationalkader für das Team von Yann Moulinier. Im Bobsport ist der Pilot sozusagen der Arbeitgeber für seine Anschieber.

Die Schweizer Bestmarke in einem anderen Sport

Am Nachmittag gibt Moulinier aber sein Einverständnis. Am nächsten Morgen war es dann schon so weit. Ohne Trainingsfahrt steigen Wyssen und Hersperger das erste Mal zusammen in den Bob. «Wir haben das erste Mal angeschoben und haben direkt Bronze geholt mit der Zeit», erzählt Hersperger.

Die Wege, die die beiden bis zu diesem Moment geführt haben, sind unterschiedlich. Elia Wyssen hat mit 15 Jahren angefangen sich für das Bobfahren zu interessieren. Bis dahin war Nationalturnen seine Hauptsportart, die er bis heute immer noch ausübt. «Das Ziel ist auch, dass ich im Nationalturnen weiter trainieren kann», sagt Wyssen. Vor nicht einmal zwei Jahren stellte er dort in seiner Lieblingsdisziplin, dem Steinstossen, mit 13,51 Meter sogar eine neue Schweizer Bestmarke auf.

Mathieu Hersperger hingegen fand den Weg zum Bobsport erst vor ungefähr einem Jahr. Im Zuge seines Sportstudiums brachte ihn ein Kollege zum Bobfahren. Bis dahin war er sehr polysportiv unterwegs. So spielte er bis vor kurzem noch unter anderem Fussball in der dritten Liga beim FC Reinach. Dass beide noch andere Sportarten ausüben, ist unter Bobfahrern nicht unüblich. Viele kommen über Umwege zu diesem Sport und sind nebenher noch in anderen Disziplinen aktiv.

An den Moment, als sie das erste Mal in einen Bob gestiegen sind, erinnern sich beide aber noch genau. «Bei mir war es direkt von null auf 100. Ich war in Deutschland in Winterberg und bin direkt eine Bahn mit 150 Kilometern pro Stunde runtergefahren», erzählt Hersperger. Für Wyssen war es eine etwas andere Erfahrung. Er ist Pilot, hat also die Kontrolle über den Bob. Dass er bei seiner ersten Fahrt direkt die ganze Bahn in einem Einzelbob gefahren ist, überrascht sogar Hersperger. Auch er hört die Geschichte zum ersten Mal. Er war also direkt auf sich gestellt. «Ich war sicher nervös, aber Angst hatte ich keine», sagt Wyssen.

Stürze sind beim Bobfahren nämlich ein kalkuliertes Risiko und durch die Erfahrung wissen die beiden mittlerweile damit umzugehen. Adrenalin ist aber immer dabei, erklärt Hersperger:

«Es gibt Bahnen wie in Altenberg, wo man sich danach fragt: Wieso steige ich noch mal in den Bob ein? Schlussendlich hat man trotzdem den Adrenalinkick und die Teamleistung, die einen motivieren.»

Vor allem für Elia Wyssen ist die Verantwortung dann gross, denn wenn ein Sturz passiert, ist meistens der Pilot, also er, daran schuld. «Wenn du stürzt, stürzt das ganze Team wegen dir», erklärt Wyssen. Umgekehrt muss Hersperger seinem Piloten volles Vertrauen schenken. Denn eines ist klar: «Wenn du einmal im Bob sitzt, ist der einzige Endpunkt das Ziel», sagt Mathieu Hersperger und lacht.

Vorerst werden sie nicht mehr zusammen fahren

Ob die beiden in Zukunft mal wieder zusammen fahren werden, ist nicht klar. Elia Wyssen ist aktuell noch in seiner Lehre als Zimmermann. «Bis 26 ist man im Bobsport Junior. Ich habe also genug Zeit, um noch meine Lehre fertig zu machen», erklärt er. Bis dahin geht es darum, Erfahrungen zu sammeln und möglichst viel zu fahren.

Weil er Pilot ist, wird er später in die Rolle kommen, ein Team finanzieren zu müssen. Mathieu Hersperger hingegen hat mit Pilot Yann Moulinier schon ein Team, bei dem er neben seinem Studium fährt und trainiert. Mit seinem Team hat er das Ziel, nächstes Jahr beim Weltcup mitzufahren. Sein grösster Traum sagt er, seien aber die Olympischen Spiele 2026. Vielleicht ist es bis dahin ja sogar möglich, dass die beiden Baselbieter wieder mal gemeinsam um Medaillen kämpfen.

Dann müsste Wyssen aber sein eigenes Team auf die Beine stellen und Hersperger in sein Team holen. Dazu bräuchte er vor allem Sponsoren, damit er ein solches Unterfangen finanzieren könnte. Das ist zwar noch Spekulation und Zukunftsmusik. Was aber schon mal ohne Training zum Erfolg geführt hat, könnte mit ja nur noch erfolgreicher werden.