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Borussia Dortmund: Diesmal nicht mit vollen Hosen gegen den FC Bayern?

Coacht nun aktiver: Lucien Favre (hinten in der Mitte).

Coacht nun aktiver: Lucien Favre (hinten in der Mitte).

Nach so manchen mutlosen Auftritten gegen die Münchner fühlen sich der BVB und sein Schweizer Trainer Lucien Favre nun bereit, dem Gegner Paroli zu bieten. Anstoss ist am Samstag um 18.30 Uhr im Signal Iduna Park.

Kann der Torjäger spielen? Nach seinen drei Treffern gegen Schalke und Bielefeld ist noch offen, ob der am Oberschenkel verletzte Mats Hummels am Samstag in die Mannschaft von Borussia Dortmund zurückkehrt. Doch die Hoffnung ist da, denn Trainer Lucien Favre ist am Mittwoch in der Champions League kein Risiko eingegangen und hat gegen Brügge (3:0) auf den 31-Jährigen verzichtet.

Gegen die Bayern ist der BVB jedoch auf die Präsenz von Hummels angewiesen. Der erfahrene Innenverteidiger verkörpert wie kein anderer die neue Dortmunder Defensivmentalität. In acht der elf Pflichtspiele in dieser Saison ist Gelbschwarz ohne Gegentor geblieben, zuletzt vier Mal hintereinander und immer mit Roman Bürki im Tor. Was darauf hindeutet, dass die Hierarchie zwischen den Dortmunder Pfosten – Bürki die Nummer 1, Marwin Hitz die 2 – wieder hergestellt und die damit verbundene Unruhe vertrieben ist.

BVB hat nur eine von sieben Ligapartien gewonnen

Erstmals seit elf Jahren treffen Dortmunder und Münchner im Direktduell punktgleich aufeinander. Weil es das Spiel Vizemeister gegen Meister und Zweiter gegen Erster ist, schaut die Fussballwelt besonders gespannt in den Signal Iduna Park. Zwar fällt am 7. Spieltag noch keine Vorentscheidung im Meisterrennen, doch es wird Indizien dafür geben, ob es dem BVB nach acht Münchner Titelgewinnen in Serie gelingen kann, den Krösus bis am Ende herauszufordern und sogar erstmals seit 2012 die Schale wieder in den Pott zu holen. Von den letzten sieben Bundesligaspielen hat die Borussia nur eines gewinnen können, jedoch bei 5:25 Toren sechs Mal aufs Dach bekommen; darunter 0:6, 0:5 und 0:4.

Nachdem die talentierten Dortmunder aufgrund ihrer fahrigen Defensivarbeit immer wieder in der Kritik gestanden sind, hat Favre reagiert. Seine Mannschaft spielt mit mehr Geduld und dem Effekt, dass die Organisation bei Gegenstössen nicht mehr so schnell verloren geht. «Alle Spieler sind nun auch bereit zu verteidigen», fühlt sich Favre parat für den Knaller gegen den Favoriten. «Wenn wir eine gute Abwehr haben wollen, ist das defensive Verhalten der Mittelfeldspieler und Stürmer von zentraler Bedeutung.»

Aufgefallen ist Beobachtern auch, dass der Romand aktiver coacht. «Lucien hat gespürt, dass die Mannschaft eine klare Ansprache braucht», sagt BVB-Boss Hans-Joachim Watzke. Aber ist Favre auch mutiger geworden? Gegen die Münchner ist sein Team etliche Male mit vollen Hosen auf den Platz gelaufen. Das Spiel gegen die Bayern wird zum perfekten Stresstest für die «neue» Borussia.

Die sagenhafte Bilanz von Bayern-Trainer Flick

Mit den Münchnern fühlt ihr ein Gegner auf den Zahn, der seit einem Jahr von Hansi Flick trainiert wird, unter diesem 26 von 30 Bundesligapartien und gar sämtliche elf Champions-League-Spiele gewonnen hat. Zwar haben die Süddeutschen in der Liga bereits neun Tore kassiert und die Dortmunder nur zwei, dafür aber mit 24 fast doppelt so viele geschossen wie die Borussia mit 13. Die Frage: Hält die BVB-Deckung einer Tormaschinerie mit Robert Lewandowski (16 Treffer in 12 Spielen gegen Dortmund), Thomas Müller, Serge Gnabry oder sonstigen Hochkarätern wie Leroy Sané und Kingsley Coman stand?

Kann Manuel Akanji (BVB, rechts) den Topstürmer Robert Lewandowski vom FC Bayern stoppen?

Kann Manuel Akanji (BVB, rechts) den Topstürmer Robert Lewandowski vom FC Bayern stoppen?

In der Abwehr aber offenbarten die Münchner zuletzt einige Defizite. Das anhaltende Theater um die im Raum stehende Vertragsverlängerung von David Alaba hat Flick verärgert. Eine heisse Frage ist daher, ob es dem Dortmunder Offensivstar Erling Haaland gelingt, die aktuellen Schwächen des Meisters auszunützen. Der 20-Jährige hat in der Champions League in 11 Spielen sagenhafte 14 Tore auf dem Konto und in der Bundesliga in 20 Partien 18 Treffer. Gegen Bayern hat der Norweger aber noch nicht reüssiert.

Offenbar ist Haaland Ende 2019 auch bei den Münchnern ein Thema gewesen, Spieleragent Mino Raiola soll aber auf einen Transfer von Salzburg zum BVB gedrängt haben. Er befürchtete nicht zu Unrecht, dass sein Schützling bei den Bayern nicht an Lewandowski vorbeigekommen wäre und zu wenig Spielzeit bekommen hätte.

Autor

Markus Brütsch

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