Briefe für Tokio
Christian Kirchmayr über das Swiss Open: «Es bleibt das Gefühl einer Parallelwelt»

Drei Basler Sportler berichten von ihrem Weg an die Olympischen Spiele 2021. Lesen Sie den Brief von Badmintonspieler Christian Kirchmayr, der darüber schreibt, warum sich das Swiss Open in diesem Jahr fremd anfühlte.

Christian Kirchmayr
Merken
Drucken
Teilen
Christian Kirchmayr verlor sein Spiel in Basel zwar, überaschte sich aber dennoch selbst.

Christian Kirchmayr verlor sein Spiel in Basel zwar, überaschte sich aber dennoch selbst.

Fresh

In früheren Jahren war es selbstverständlich, dass einmal im Jahr das Swiss Open in Basel stattfindet. Das ist nicht mehr der Fall. In dieser Woche schätzte ich es umso mehr, nach einem Jahr voller Unterbrechungen mal wieder ein grosses Turnier zu bestreiten. Was von einem Heimturnier in Zeiten der Pandemie bleibt, ist das Gefühl einer Parallelwelt. Ich fuhr mit dem offiziellen Transport vom Hotel in die Halle – die zwei einzigen Orte, an denen ich mich aufhalten durfte. Auf dem Weg sah ich draussen Leute, von denen mich eine unsichtbare Barriere trennte.

Teilweise war sie auch sichtbar. Vor unserem Hotel hatten wir einen mit Gittern abgesperrten Korridor, in dem wir Luft schnappen durften. Dafür bin ich dankbar, aber es war auch surreal - wie in einem Gefängnis, in dem man eine Stunde am Tag im Innenhof seine Runden drehen darf. Normalerweise schlafe ich während des Swiss Open bei meinen Eltern. Jetzt kam mir das Turnier wie eines im Ausland vor. Es fühlte sich fremd an.

Mit meiner Leistung bin ich trotz der Erstrundenniederlage zufrieden. Ich komme von einer Bänderverletzung zurück und betrachtete das Swiss Open ohne grosse Erwartungen als Formtest. Es überraschte mich, dass mein Spiel gegen einen Topgegner so eng war. Ich wünsche mir, dass ich bei ein oder zwei Punkten etwas anders gemacht hätte – solche Gedanken gehören dazu. Momentan stehe ich bei der Olympia-Qualifikation auf Position 43 von 40 Qualifikationsplätzen. Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis Tokio.