Leichtathletik

Bubka oder Coe: Ein ehemaliger Sport-Star als Retter in der Not

Sebastian Coe (links) und Sergej Bubka waren als Sportler Weltrekordler und Olympiasieger

Sebastian Coe (links) und Sergej Bubka waren als Sportler Weltrekordler und Olympiasieger

Mit Sebastian Coe und Sergej Bubka stehen heute zwei Sportikonen zur Wahl als Präsident des Weltverbandes IAAF. Dieser steckt in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise und dass Inhalte die Wahl entscheiden werden, ist zu bezweifeln.

Mit der Kür eines neuen Präsidenten beendet der Kongress des Weltverbands IAAF heute in Peking einen monatelangen, intensiv geführten Wahlkampf. Im Rennen um die mächtigste Position in der internationalen Leichtathletik duellieren sich zwei Ikonen der Sportart, die sich als Olympiasieger und Weltrekordler bereits höchsten sportlichen Ruhm erworben haben. Der Brite Sebastian Coe (58), ehemaliger Topathlet als Mittelstreckenläufer, trifft auf die ukrainische Stabhochsprung-Legende Sergej Bubka (51).

Auf den Sieger wartet eine Herkulesaufgabe. Er wird die Führung eines Verbandes übernehmen, der in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise steckt. Die jüngste Kritik an die Adresse der IAAF, in der Dopingbekämpfung zu wenig konsequent vorzugehen, markiert nur das letzte Kapitel in der 16-jährigen Präsidentschaft des abtretenden Senegalesen Lamine Diack. Die Amtszeit des 82-Jährigen war begleitet vom Vorwurf der Korruption und des Wegschauens beim Doping. Dass es vorzugsweise die Agentur von Diacks Sohn war, der für den Verband gegen Provision die grossen Sponsoren akquirierte, ist symptomatisch.

Unterschiedliche Dopingstrategien

Weder Coe noch Bubka lassen sich von dieser Ausgangslage abschrecken. Im Gegenteil: Die beiden erfolgreichen Geschäftsleute, die über scheinbar grenzenlose Wahlkampfbudgets verfügen, sind seit Monaten mit einem stattlichen Katalog von Reformversprechen um die Welt gereist, um für sich zu werben.

Die Modernisierung der Leichtathletik, die lange im Zentrum des Wahlkampfs stand, ist zuletzt allerdings etwas in den Hintergrund gerückt. Die Dopingthematik beherrscht den Diskurs. In diesem Punkt unterscheiden sich die Programme der Kandidaten: Während Bubka die Zusammenarbeit mit der Welt-Antidoping-Agentur (Wada) verstärken will, plädiert Coe für die Leichtathletik für eine unabhängige Anti-Doping-Agentur.

Coe scheint die Nase vorn zu haben

Ob inhaltliche Gründe die Präsidentenwahl entscheiden werden, ist indes zu bezweifeln. Die begnadeten Netzwerker Coe und Bubka sind clever genug, um zu wissen, dass es den Wahlchancen nicht zuträglich ist, sich auf allzu klare Positionen festzulegen. Eine Prognose ist denn auch schwierig: Zwar scheint Coe im Rennen der beiden bisherigen Vizepräsidenten die Nase vorne zu haben – haben sich doch mehr nationale Verbände öffentlich für den charismatischen Briten ausgesprochen, so auch Swiss Athletics. Dennoch sollte sein Gegenspieler nicht unterschätzt werden: Erst das Wahlergebnis wird zeigen, welcher Kandidat die Mehrheit der 214 IAAF-Mitgliedsverbände für sich mobilisieren konnte.

Sein taktisches Geschick und seinen Geschäftssinn hatte Bubka bereits als Athlet unter Beweis gestellt. Während seiner Aktivzeit verbesserte der Stabhochspringer den Weltrekord in der Halle und im Stadion insgesamt 35-mal. Dabei achtete er darauf, die Bestmarke immer nur um einen Zentimeter zu steigern – schliesslich gab es jedes Mal Prämien. Heute sagt Bubka, das meiste Geld habe er damals an den sowjetischen Verband abliefern müssen.

Bubka kandidiert doppelt

In der unabhängigen Ukraine zog Bubka im Dunstkreis des ehemaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch ins Parlament ein, übernahm das Präsidium des Nationalen Olympischen Komitees. Gleichzeitig soll Bubka, der als Vertrauter des Oligarchen Rinat Achmetow gilt, in der freien Wirtschaft zu einem Millionenvermögen gekommen sein.

Den kriegerisch-politischen Konflikt in seiner Heimat scheint der aus der Separatistenhochburg Donezk stammende Bubka bisher ohne Imageschaden überstanden zu haben. Allzu siegessicher scheint der Ukrainer, der 2013 erfolglos für das IOC-Präsidium kandidierte, trotz allem nicht: Bubka kandidiert nicht für nur für den IAAF-Chefposten, sondern gleichzeitig auch als Vizepräsident.

Coe und Olympia 2012

Wie sein Konkurrent sass auch Sebastian Coe im Parlament, wo er die Konservativen vertrat. Inzwischen gehört er – zum Ritter des britischen Empires geschlagen – dem Oberhaus an. Endgültig zum Nationalheiligen stieg Coe in Grossbritannien als Cheforganisator der erfolgreichen Olympischen Spiele 2012 auf.

Als geschäftstüchtig gilt auch er, wobei sich angesichts seiner Rolle beim Marketingunternehmen CSM möglicherweise ein Interessenskonflikt anbahnt. CSM war unter anderem bei der Vergabe der umstrittenen Europaspiele sowie der Begegnungen der Fussball-EM 2020 an Baku beratend tätig. Als IAAF-Präsident wäre Coe auch Mitglied im IOC – und würde bei der Vergabe Olympischer Spiele mit abstimmen. Das liesse sich mit einer weiteren Beteiligung an CSM kaum mehr vereinbaren.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1