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Ciriaco Sforzas erster Auftritt als FCB-Trainer: «Ich sehe nichts Negatives»

Ciriaco Sforza redet auch im Anzug laut und gestenreich wie vor einem Match in der Kabine.

Ciriaco Sforza redet auch im Anzug laut und gestenreich wie vor einem Match in der Kabine.

Der neue FCB-Trainer Ciriaco Sforza appelliert bei seiner Vorstellung in Basel an den Zusammenhalt und erklärt, warum ausgerechnet er mit dem angeschlagenen Verein Erfolg haben wird.

Ciriaco Sforza schreit fast. Er fuchtelt mit den Händen und touchiert gelegentlich die vor ihm aufgebauten Mikrofone. Seine Worte wirken oft zurecht gelegt. Doch sein Auftritt macht den Eindruck, als wolle er das gesamte FCB-Umfeld aufwecken. Sforza spricht zu den Journalisten wie zu seiner eigenen Mannschaft: laut, emotional und mit dem ganzen Körper:

Herr Sforza, Warum übernehmen den wohl schwierigsten Job im Schweizer Fussball?

Ciriaco Sforza: Es ist ein Traditionsverein und in den letzten Jahren immer noch der beste Verein der Schweiz. Ich durfte bei Bayern, Inter und Kaiserslautern spielen. Dazu kommt die gute Infrastruktur und die tolle Fanunterstützung in Basel. Ich bin stolz, dass ich hier bin und überzeugt, dass wir eine erfolgreiche Zeit haben werden.

Wie lief das zwischen Kontaktaufnahme und Unterschrift ab?

Das muss ich nicht gross erklären. Die professionelle FCB-Führung hat mich kontaktiert, wir haben uns zusammen gesetzt und ausgetauscht. Dann hat sich der Verein entschieden. Das freut mich und jetzt greifen wir an.

Was haben Sie bei den Gesprächen für einen Verein angetroffen?

Einen ruhigen und klaren. In der Sitzung habe ich gespürt, dass die Leute gegenüber etwas Neues starten wollen. Mit Herz, vielen Talenten und einer Philosophie, die zu mir passt. Ich kann den Verein voranbringen.

Der FCB hat aktuell keinen Sportchef hat. Wie ist das für Sie als Trainer?

Ganz einfach. Ich habe für mich die Mannschaft analysiert und komme zum Schluss, dass sie sehr gut ist. Sie hat das Viertelfinale der Europa League erreicht und steht im Cupfinal. Das ist grossartig. Die Mannschaft und die Talente, die da sind, haben Qualität.

Hat man Ihnen zugesichert, dass der Kader in etwa so bleibt? Es könnte sein, dass Sie in drei Wochen wegen Abgängen eine ganz andere Mannschaft trainieren.

Wir haben viele Talente, die in Lauerstellung sind. Es ist mein Auftrag, auch mit allfälligen Abgängen das Beste aus dem Team zu kitzeln. Ich bin sicher, dass das gelingen wird.

Welche der FCB-Talente sind Ihnen schon aufgefallen?

Viele. Julian von Moos durfte ich in Wil selber trainieren. Aber wir haben auch andere interessante Spieler. Die wollen wir mit einer guten Mischung in der 1. Mannschaft weiterbringen.

Sie haben den selben Berater wie Marcel Koller. Haben Sie sich bei ihm informiert, wie es ist, hier Trainer zu sein?

Ich habe mir das Bild selber gemacht. Ich verfolge den FC Basel sehr genau und will das selber analysieren. Ich habe ja auch die Verantwortung. Mit Marcel habe ich noch nicht telefoniert, weil ich ihn nicht stören will. Das ist eine Frage des Respekts. Ich sehe nichts Negatives, weil ich ein positiver Mensch bin.

Beunruhigen Sie die vielen Negativschlagzeilen nicht?

Darum geht es nicht. Ich habe in den Gesprächen nichts Negatives gespürt sondern positive neue Energie. Das passt zu mir und dann greife ich an. Mir geht es nicht darum, was in der Öffentlichkeit geredet wird, ich will das von Innen erleben. Und ich erlebe eine Mannschaft, die sportlich erfolgreich war. Das sind für mich positive Schlagzeilen.

Welchen Erinnerungen haben Sie an Basel?

Basel ist Fasnacht. Die Stadt ist eine tolle Stadt. Das Joggeli. Dort habe ich ein paar sensationelle Spiele mit der Nati erlebt. Hier lebt der Fussball. Das müssen wir doch im positiven Sinn wieder nutzen. Wenn das Joggeli nach der Coronasituation wieder voll ist, müssen wir alle positiv voran gehen. Die Unterstützung haben wir und wir werden auf dem Platz alles geben, jedes Spiel zu gewinnen.

Sie haben zuletzt 2015 in Thun Super League trainiert. Wie haben Sie sich als Trainer seitdem entwickelt?

Ich habe mit mir selber eine Analyse gemacht. Dann habe ich in Wil die Chance bekommen und dort gut mit jungen Spielen gearbeitet. Jetzt freue ich mich auf den nächsten Schritt.

Was hat der FCB mit Ihnen in den kommenden zwei Jahren für Ziele definiert?

Das Ziel muss sein, Erfolg zu haben und die Jungen weiterzuentwickeln. Denen musst du eine Chance geben. Ich durfte auch mit 16 Profi werden und bin dann mit 23 ins Ausland gewechselt. Meine Mannschaft soll eine Winnermentalität entwickeln. Schon im Training musst du weiterkommen wollen.

Bernhard Burgener (rechts) gehörte von den knapp 60 Minuten Pressekonferenz eindeutig am meisten Redezeit.

Bernhard Burgener (rechts) gehörte von den knapp 60 Minuten Pressekonferenz eindeutig am meisten Redezeit.

Wie ist das für Sie, dass bei Ihrer eigenen Präsentation mehr Fragen abseits des Themas an FCB-Präsident Bernhard Burgener gerichtet werden, der neben Ihnen sitzt?

Wir sind alle Menschen und jeder macht mal Fehler. Aber man muss positiv sein. Denn nur positiv erreicht man seine Ziele. Das wünsche ich mir von Herzen.

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