Eishockey-Nati

Damien Brunner soll die Schweizer Nati zum Erfolg schiessen – darf aber nicht über seinen Klub reden

Grinsen im Nati-Dress: Das Selbstvertrauen und die gute Laune hat sich Damien Brunner trotz enttäuschender Saison bewahrt.

Grinsen im Nati-Dress: Das Selbstvertrauen und die gute Laune hat sich Damien Brunner trotz enttäuschender Saison bewahrt.

Luganos Stürmer Damien Brunner hat eine heikle WM-Mission. Er soll der Schweiz als Torschütze dienen, hat aber von seinem Klub, dem HC Lugano, einen Maulkorb erhalten.

Stell Dir vor, es ist ein Tag vor einem Länderspiel gegen Russland und niemand interessiert sich für Damien Brunner (31). Schon erstaunlich. Noch vor zwei Jahren wäre das Medieninteresse so gross gewesen, dass Verbands-Medienfeldweibel Kick Janos den Nachrichten-Zug zu einem sogenannten «Scrum» hätte antreten lassen. Wenn es bei reger Nachfrage nicht mehr möglich ist, Einzelgespräche zu führen, stehen die Chronistinnen und Chronisten in einem Haufen («Scrum») um den Spieler herum.

Das ist wahrlich nicht nötig. Kick Janos läuft herum und fragt, wo der Brunner sei. Schliesslich stöbert er ihn auf. Der Stürmer hat sich im weitverzweigten Fuchsbau des Bieler Eisstadions verkrochen. Um in aller Ruhe mit Zugs Verteidiger Raphael Diaz zu telefonieren, den er als «Cam» (für Cameron Diaz) im Handy gespeichert hat.

«Cameron» Raphael Diaz verlor mit dem EV Zug erst kürzlich den Playoff-Final.

«Cameron» Raphael Diaz verlor mit dem EV Zug erst kürzlich den Playoff-Final.

Die Zuger sind bei den zwei Länderspielen gegen Russland noch nicht dabei. Die Finalisten rücken erst am Mittwoch ein und mit den Zugern hat Damien Brunner immer wieder mal was zu besprechen. Er wohnt im Sommer im Zugerland (wo er eine Wohnung hat und woher seine Freundin kommt) und absolviert das Sommertraining in Zug. Er präzisiert: «Ja, in Zug, aber nicht mit dem EV Zug.»

Damien Brunner ist in Zug zum NLA-Topskorer gereift. Mittlerweile spielt er auf der anderen Seite des Gotthards – beim HC Lugano.

Damien Brunner ist in Zug zum NLA-Topskorer gereift. Mittlerweile spielt er auf der anderen Seite des Gotthards – beim HC Lugano.

Das mediale Desinteresse zeigt uns die Dramatik seiner Karriere – dabei müsste die Offensive im Zentrum des Interesses stehen. Fehlende offensive Feuerkraft ist einer der wichtigsten Gründe für das Verglühen des silbernen WM-Ruhmes von 2013. Damals in Stockholm war zwar Damien Brunner auch nicht dabei. Er befand sich gerade auf dem Höhepunkt seiner Karriere und stürmte für die Detroit Red Wings in der NHL. In den Stanley-Cup-Playoffs markierte er in 14 Partien 9 Punkte.

Damien Brunner verwandelt Penalty

Damien Brunner verwandelte während seiner Zeit in der NHL einen Penalty, der ihn in die Schlagzeilen brachte.

Nun ist er mit einer mageren Statistik aus den heimischen Playoffs zur «Nati» eingerückt (2 Spiele/1 Assist). Aber Berns WM-Silberheld Simon Moser ist blessiert (Knochen im Fuss gebrochen), sein WM-Einsatz ist fraglich. Auch die NHL-Stürmer Sven Bärtschi (Vancouver, Kopf/Nackenverletzung) und Sven Andrighetto (Colorado/Leistenprobleme) sind nicht fit, ihr WM-Einsatz ist ebenfalls ungewiss. Wer soll dann die Tore schiessen?

Simon Moser hat sich einen Knochen im Fuss gebrochen.

Simon Moser hat sich einen Knochen im Fuss gebrochen.

Denis Malgin ist zwar da und vielleicht kommt auch Nico Hischier, das Jahrhunderttalent, das noch bei der U18-WM engagiert ist. Aber eine NHL-Schwalbe und ein Junior machen noch keinen offensiven WM-Sommer.

Die gute Laune hat er sich bewahrt

Die Tore von Damien Brunner werden wichtig sein wie noch nie. Kann er diese Tore erzielen? Seit er im November 2014 aus der NHL zurückgekehrt ist, haben wir nie mehr den wahren Damien Brunner, den Zuger Liga-Topskorer von 2012 gesehen. Und er hat sich für Lugano nicht als «Königstransfer» erwiesen, der die Meisterschaft entscheidet.

Er hat sein Selbstvertrauen und seine gute Laune bewahrt – die zwei wichtigsten «weichen Erfolgs-Faktoren» eines Topskorers. Er sagt: «So? Bin ich das nicht? Seit ich in Lugano bin, sind wir immerhin einmal in den Final und einmal in den Halbfinal gekommen …»

Und er ergänzt: «Seit meiner Rückkehr in die Schweiz habe ich nie viel mehr als zehn Partien hintereinander beschwerdefrei spielen können.» Tatsächlich hat er in der letzten und vorletzten Saison in Lugano mehr als 40 Spiele verpasst.

Damien Brunner war oft verletzt. Hier liegt er während dem 4. Playoff-Finalspiel von 2016 auf dem Eis. Simon Bodemann hat ihn zuvor umgefahren.

Damien Brunner war oft verletzt. Hier liegt er während dem 4. Playoff-Finalspiel von 2016 auf dem Eis. Simon Bodemann hat ihn zuvor umgefahren.

Gerne wären wir noch ein wenig beim Thema Lugano verweilt. Gibt es doch aus dieser Hockey-Welt unter Palmen immer wieder viel Kurzweiliges zu berichten. Aber er mag nicht. Hinterher wird der Chronist aufgeklärt, warum das so ist. Luganos umsichtiger Sportchef Roland Habisreutinger habe seinen Nationalspielern strengstens verboten, in nationalen Diensten über etwas anderes als die Nationalmannschaft zu plaudern. Wohlwissend, wie schnell sonst wieder irgendwo durch eine Indiskretion eine Polemik aufflackert. Und so ist Damien Brunners Mission skoren für die Schweiz und schweigen über Lugano.

Roland Habisreutinger (r.) hat Damien Brunner einen Maulkorb verpasst.

Roland Habisreutinger (r.) hat Damien Brunner einen Maulkorb verpasst.

Das Thema ist ja sowieso die Nationalmannschaft. Damien Brunner sagt, er sei fit. Er hofft auf WM-Ruhm, der in seiner Karriere noch fehlt. Bei vier WM-Teilnahmen hat es erst einmal für den Viertelfinal gereicht und noch nie darüber hinaus. Patrick Fischer probiert ihn in einer Linie mit Andres Ambühl und Fabrice Herzog, und Damien Brunner sagt, das habe gut funktioniert. Gut möglich, dass die WM auf eine Formel hinausläuft: Sag mir, ob Damien Brunner trifft, und ich sage Dir, ob die Schweizer die Viertelfinals erreichen.

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