Ski nordisch

Dario Cologna zieht seine Lehren aus dem missratenen Winter

Dario Cologna möchte nicht zwingend mehr trainieren. Der Münstertaler sagt: «Ich versuche lieber, die Trainingsqualität zu steigern.»

Dario Cologna möchte nicht zwingend mehr trainieren. Der Münstertaler sagt: «Ich versuche lieber, die Trainingsqualität zu steigern.»

Der 30-jährige Bündner hat die von Verletzungen geprägte, enttäuschende Saison abgehakt – und arbeitet bereits für die nächste.

Noch ist der Winter für Dario Cologna nicht zu Ende. Der dreifache Olympiasieger nutzt derzeit die guten Loipenverhältnisse in Davos, um noch so viele Trainingskilometer wie möglich auf Schnee zu absolvieren. Das letzte Rennen steht sogar erst Ende April auf dem Programm, wenn Cologna voraussichtlich beim Skarverennet zum traditionellen Abschluss der norwegischen Langlauf-Saison an den Start geht.

Dabei ist Colognas Fokus längst auf den nächsten Winter gerichtet. Die Saison 2015/16 ist für ihn bereits abgehakt – diese Saison, die so anders verlaufen ist, als er sich dies vorgestellt hatte. Unbefriedigend. Schliesslich hatten die Ambitionen des dreifachen Gesamtweltcupsiegers nicht Pause gemacht, nur weil es sich um ein Zwischenjahr ohne Weltmeisterschaften und ohne Olympische Spiele handelte.

Kleine Verletzung zog sich weiter

Nach einem harzigen Beginn mit grossen, auch materialbedingten Leistungsschwankungen lief er just beim ersten Saisonhöhepunkt, der Tour de Ski, zur Bestform auf, als ihn eine Wadenzerrung abrupt stoppte. «Es war nur eine kleine Verletzung, aber sie hat mich praktisch die halbe Weltcupsaison gekostet», bilanziert Cologna, der bei seinem Comeback auch das 50-km-Rennen in Oslo abbrechen musste. «Es war eine enttäuschende Saison, aber ich muss das so akzeptieren und meine Lehren daraus ziehen.»

Ein Ansatzpunkt betrifft dabei die verletzte Wade. Diese hatte Cologna in den letzten Jahren im Sommertraining immer wieder Probleme bereitet und erwies sich nun erstmals auch im Winter als Schwachpunkt. Der 30-Jährige legt deshalb nun besonderen Wert auf die Stärkung der Bein- und Wadenmuskulatur. Zugunsten eines sauberen Aufbaus verzichtete Cologna zum Weltcupabschluss auf die intensive Tour in Kanada und bestritt stattdessen den Wasalauf. Die Vorbereitung auf den Volkslauf-Klassiker in Schweden hatte zudem den Nebeneffekt, dass er zahlreiche Trainingsstunden in die Doppelstocktechnik investierte, die auch im Weltcup immer stärker gefragt ist.

«Die Norweger sind uns einen Schritt voraus»

Unabhängig von Colognas Verletzung hat man in diesem Winter im Schweizer Team Defizite in den Bereichen Kraft und Technik ausgemacht. «Die Norweger arbeiten da innovativer und sind uns mindestens einen Schritt voraus», sagt Hippolyt Kempf. Der Langlauf-Chef bei Swiss Ski sucht nach Möglichkeiten, das Trainerteam mit entsprechenden Spezialisten zu ergänzen. Davon würde auch Cologna profitieren: «Lange hat mein Trainingsprogramm sehr gut funktioniert», sagt er. «Um mich weiter steigern zu können, sind aber einige neue Inputs nötig.»

Den Massstab an der Weltspitze setzt derzeit der Norweger Martin Johnsrud Sundby, der in der vergangenen Saison beeindruckend dominant aufgetreten ist. Von ihm lässt sich auch Cologna inspirieren, beispielsweise indem er öfter auf dem Laufband trainiert. «Es ist immer wichtig, sich an den Besten zu orientieren», sagt er. Gleichzeitig versucht der dreifache Olympiasieger nicht, Sundby zu kopieren. «Jeder muss für sich selber den besten Weg finden.» Vom hohen Trainingsumfang des Norwegers, der gegen 1200 Stunden pro Jahr betragen soll, lässt sich der Bündner nicht beeindrucken. Mit rund 1000 Jahresstunden trainiert Cologna selber so viel wie noch nie. «Immer mehr ist nicht automatisch besser», sagt er. «Ich versuche lieber, die Trainingsqualität zu steigern.»

Sportlicher Horizont bis zur WM 2019

Bereits in diesem Winter hat Cologna einen Versuch mit Höhentraining unternommen. Darauf reagierte er grundsätzlich positiv, auch wenn der ultimative Test wegen der Verletzung ausbleiben musste. «Den Lohn dieser Arbeit werden wir nächstes Jahr erhalten», ist Langlauf-Chef Kempf überzeugt. Bei den Weltmeisterschaften in Lahti wird es dann wieder Medaillen zu gewinnen geben – ebenso wie 2018 (Olympia) und 2019 (WM in Seefeld). Bis dorthin reicht vorläufig Colognas sportlicher Horizont. «Es kommen drei spannende Jahre», sagt er, und fügt an: «Ich denke noch überhaupt nicht ans Aufhören und kann mir gut vorstellen, dass meine Karriere noch länger dauern wird.»

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Autor

Simon Steiner

Simon Steiner

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