Fussballer aus Japan verirren sich nur selten in die Schweiz – momentan sind es in der Super League gerade mal zwei: Basels Nummer 14 Yoichiro Kakitani und YBs Nummer 31 Yuya Kubo. Ihre Situationen vor dem Aufeinandertreffen heute Sonntag könnten unterschiedlicher nicht sein: Während Kakitani froh sein kann, überhaupt aufgeboten zu werden, ist Kubo unbestrittener Stammspieler. Eine Situation, die vor einem Jahr so nicht zu erwarten war: Kakitani wurde präsentiert als das neue Sternchen der Liga, Kubo fristete bei YB ein Schattendasein. Was ist passiert?

Integration

Yuya Kubo ist nach zwei Jahren in der Schweiz heimisch geworden: In Bremgarten bei Bern lebt er in einer 2½-Zimmer-Wohnung – allein. Interessant: Als YB ihm bei seiner Ankunft in Bern die Dienste eines Dolmetschers und einer Haushaltshilfe anbot, lehnte der damals 19-jährige Kubo energisch ab. «Ich wollte mich allein zurechtfinden», sagt er.

Und siehe da: Nach gut zwei Jahren in der Schweiz kann man sich mit Kubo gut auf Deutsch unterhalten. Oft anzutreffen ist er mit Teamkollegen in der Postfinance-Arena. Nicht wegen des SC Bern, sondern: «Im Eishockey-Stadion kann ich Japanisch essen, so richtig mit Stäbchen», sagt er und strahlt. «Anfangs wusste ich nicht, wozu Messer und Gabel gut sind.»

Kakitanis Lieblingsort neben dem grünen Rasen ist seine Wohnung in Oberwil, in der er zusammen mit einem Mitarbeiter seines Managements lebt. Ein vom FCB angestellter Dolmetscher hilft ihm beim Einkaufen und anderen Alltagsdingen. Die Folge: Kakitani ist nach über einem Jahr in der Schweiz weit weg davon, ein selbstständiges Leben zu führen.

FCB-Sportdirektor Georg Heitz: «Vielleicht wäre Yoichiro besser integriert, wenn wir ihn zu Beginn mehr sich selber überlassen hätten.» Seine Freizeit verbringt Kakitani so: «Wenn ich mittags vom Training heimkomme, telefoniere ich mit Freunden und Familie in Japan. Danach gehe ich schlafen.» Den Kontakt zu den vielen Japanern im Raum Basel sucht er bewusst nicht – «das ist nicht meine Art, ich bin am liebsten allein.»

Popularität

Vor seinem Wechsel zum FCB war Kakitani in Japan ein Superstar, hatte eine eigene TV-Show. Mit viel Brimborium wurde er vorgestellt – der FCB liebäugelte, mit Kakitani marketingtechnisch Fuss zu fassen in Japan. Doch je tiefer Kakitani in der Kaderhierarchie sank, desto mehr nahm das Interesse an ihm ab: Kamen zu Beginn noch etliche japanische Journalisten an die FCB-Spiele, sucht man diese mittlerweile vergeblich.

Kakitani: «Die Journalisten, die jetzt nicht mehr kommen, waren gar nicht an mir als Mensch interessiert.» Als er im Sommer in Japan war, konnte er nicht herausspüren, ob der Hype nachgelassen habe: «Aber es gibt Orte, wo es entspannter ist als vorher.» Was sagt sein Management, das Kakitani in Europa gross herausbringen wollte, zum Sinkflug? «Ich spüre keinen Druck, sie sind meine Freunde, nicht meine Bosse. Der Sport steht an erster Stelle, dann kommt das Marketing.»

Kubo nüchtern: «Welche Popularität meinen Sie? Mich kennt in Japan kaum jemand, ich spielte vor dem Wechsel zu YB in der zweiten Liga.»

Entwicklung und Perspektive

Nach zwei Jahren Auf und Ab hat sich Kubo einen Stammplatz gesichert. Als hängende Spitze ist er eine zentrale Figur im YB-Offensivspektakel. «Früher war ich auf dem Flügel. Es ist eine Ehre, in der Mitte zu spielen.»

Da er in Bern Fuss gefasst habe, sei er bereit für den nächsten Schritt: «Ich möchte zu einem italienischen Klub, die Serie A ist meine Lieblingsliga.» Kubos Vertrag bei YB läuft bis 2017. Sportchef Bickel: «Im Frühling setzen wir uns zusammen. Entweder wir verlängern oder wir verkaufen ihn im Sommer.» Zuvor soll sich noch ein anderer Traum erfüllen: Im Dezember reist Kubo nach Japan und spielt mit der U23-Auswahl um die Olympia-Qualifikation für Rio 2016.

Nach verheissungsvollem Beginn geriet Kakitani beim FCB ins Abseits. Er sagt: «Ich kam nach Basel, um zu spielen. Jetzt muss ich mich nicht primär in den Matches anstrengen, sondern muss mich sputen, um überhaupt zum Einsatz zu kommen. Ich bin enttäuscht, wie es gelaufen ist. Der Meistertitel war schön – aber ich denke nicht, etwas dazu beigetragen zu haben.»

Über sein Verhältnis zu Ex-Trainer Paulo Sousa sagt er: «Dass es nicht funktioniert hat, lag an mir. Sousa hatte seine Art: Er hat uns spüren lassen, dass er der alleinige Chef ist. Urs Fischer ist da ganz anders, er ist mehr Teil unserer Gruppe.»

Wegen Fischer hat Kakitani im Sommer von einem Abgang abgesehen, muss nun aber einsehen, dass seine Aktien nicht gestiegen sind. Über seine Zukunft sagt er: «Ich hoffe, noch lange mit diesen wunderbaren Teamkollegen zu spielen. Wenn ich zurück nach Japan gehen sollte, dann nur zu meinem Stammklub Cerezo Osaka.» FCB-Sportdirektor Heitz vielsagend: «Im Winter sitzen wir zusammen und besprechen Kakitanis Zukunft. Es ist nicht in seinem und nicht in unserem Sinne, dass es bis Vertragsende (2018; d. Red.) so weitergeht.»