Jelena Ostapenko hat in Paris eine aussergewöhnliche Bilanz: Bei fünf Teilnahmen scheiterte sie vier Mal in der Startrunde. Doch 2017 gewann sie als 19-Jährige alle sieben Spiele und krönte sich damit zur French-Open-Siegerin.

Ihr Beispiel zeigt: Das Frauen-Tennis hat derzeit keine feste Hierarchie. Ein Jahr bevor Ostapenko den Titel gewann, stand eine gewisse Amanda Anisimova im Final der Juniorinnen, den sie gegen die Schweizerin Rebeka Masarova verlor, die inzwischen für Spanien spielt und den Durchbruch noch nicht geschafft hat.

Anisimova (WTA 53) steht indes bereits in den Viertelfinals, wo sie am Donnerstag auf Titelverteidigerin Simona Halep trifft. Ihr Name verrät es: Anisimova hat russische Wurzeln. Ihre Eltern Konstantin und Olga emigrierten vor ihrer Geburt nach New Jersey und zogen später nach Florida, wo Anisimovas ältere Schwester Maria von besseren Trainingsbedingungen profitieren sollte.

Nun ist es aber Amanda, die als erste in diesem Jahrtausend geborene Spielerin in einem Grand-Slam-Viertelfinal steht. «Hätte man mir das vor zwei Jahren gesagt, ich hätte es nicht geglaubt. Ich wäre schon mit einem Sieg der glücklichste Mensch auf Erden gewesen», sagt die 17-Jährige, die im April in Bogota ihren ersten WTA-Titel gewann.

Auf den Spuren Scharapowas

Anisimova denkt, wie sie spielt: furchtlos. «Ich lebe im Moment. Ich denke nicht an mein Alter.» Es kümmere sie nicht, wer was in welchem Alter erreicht habe. «Nach einer Sekunde habe ich es wieder vergessen.» Wer wie die 1,80 Meter grosse Anisimova Wurzeln in Russland hat aber in den USA aufwuchs, wird schnell mit Maria Scharapowa verglichen.

Sie war die letzte Teenagerin, die ein Grand-Slam-Turnier gewinnen konnte. «Ich möchte die nächste sein», sagt Anisimova. Neben ihr kommt in Roland Garros aber auch noch die Tschechin Marketa Vondrousova (WTA 38) dafür infrage.

Die Tschechin trifft in den Halbfinals auf die Britin Johanna Konta (WTA 26), die derzeit vom Franzosen Dimitri Zavialoff betreut wird, der zuvor Stan Wawrinka und Timea Bacsinszky in die Weltspitze geführt hatte.

Vondrousova gewann vor zwei Jahren in Biel ihr erstes Turnier und schaltete in Roland Garros mit Carla Suarez-Navarro, Anastasija Sevastova und Petra Martic drei Gesetzte aus. Wie Ostapenko bei ihrem Sieg 2017 ist Vondrousova erst 19 Jahre alt. Es ist wahrlich das Jahr der Teenagerinnen.