Kommentar

Das letzte grosse Abenteuer in Katar

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Wer in Doha auf den Strassen unterwegs ist, braucht gute Nerven. Offensichtlich haben kenianische Busfahrer diese.

Ich hatte mir allen Ernstes überlegt, für die Dauer der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha ein Mietauto zu gönnen. Anstatt zu Fuss bis zur nächsten Bushaltestelle bereits ein verschwitztes Shirt riskieren, auf Kosten der Öko-Bilanz mit maximal aufgedrehter Klimaanlage vors Stadion cruisen. Als Tribut an den Zeitgeist hätte es ja durchaus auch ein Hybrid sein dürfen.

Nach fünf Minuten im Taxi durch die Stadt habe ich dem Herrgott da oben – aus aktuellem Anlass wohl eher Allah – gedankt, dass ich es nicht getan habe. Die Strasse ist in einem Staat, in dem ansonsten an jeder Ecke eine Überwachungskamera hängt, der einzige rechtsfreie Raum. Eine Fahrt auf den oft vierspurigen, aber zumeist hoffnungslos verstopften Strassen, das letzte grosse Abenteuer.

Handy zum Simsen konsequent ein, Blinker aus taktischen Gründen stets aus, Hupe auf Serienfeuer programmiert – der Stärkere ist der Schnellere auf Dohas Strassen. Kein Wunder, dass sich die Scheichs mit SUV‘s überbieten, die auch als Schützenpanzer durchgehen würden.

Und gestern lüftete sich auch das Rätsel, wieso praktisch alle Busfahrer im Auftrag des WM-Fahrdienstes aus Kenia stammen. Hier gehe es ja fast zu und her wie in Nairobi, sagt mir der afrikanische Journalistenkollege auf dem Nebensitz, nachdem wieder einmal drei Fahrzeuge gleichzeitig auf der mittleren Fahrbahn Platz finden wollen. Unser Busfahrer hat den Wettkampf gewonnen.

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