Auch wenn er ein FCB-Poloshirt trägt. Es kann nicht darüber hinweg täuschen, dass Bernhard Burgener zwei Jahre nach seinem Einstieg in der Welt des Fussballs branchenfremd wirkt. «Leider wurden uns Spieler weggekauft, die wir nicht abgeben wollten.» Huch! «Es ist eine neue Erfahrung, dass vertrauliche Gespräche den Weg in die Öffentlichkeit finden.» Huch! «Der Tsunami in den Medien hat mich überrascht.» Huch! «Stellen Sie sich vor, Marcel Koller geht zu Juventus Turin.» Huch!

Nein, Herr Burgener: Ausländische Klubs kaufen Ihnen nicht für viel Geld, das der FCB zweifellos benötigt, die Ersatzspieler weg. Nein, Herr Burgener: Das Fussballgeschäft ist nicht hermetisch abgeriegelt. Oder ist Ihr Name im Zusammenhang mit der Übernahme beim FC Basel nicht auch schon frühzeitig durchgesickert?

Ja, Herr Burgener: Fussball hat vielleicht eine übersteigerte Bedeutung. Aber wenn mit Marco Streller eine Klubikone geht, kann das durchaus auf öffentliches Interesse stossen. Nein, Herr Burgener: Sie müssen sich keine Sorgen machen, dass Marcel Koller zu Juventus oder sonst wohin wechselt. Warum? Weil er im deutschsprachigen Raum kaum einen Arbeitgeber findet, der ihm gleich viel bezahlt wie der FC Basel.

Der FCB ist  zum Erfolg verdammt

Die Trainer-Posse um die Nicht-Entlassung von Koller und die Nicht-Verpflichtung von Patrick Rahmen vom FC Aarau, die in der Demission von Sportchef Marco Streller gipfelte, war so unnötig wie imageschädigend. Aber Burgener hat grössere Probleme als Streller, Rahmen oder Koller. Sein FCB ist auf Kurs ins Nirgendwo. Die Ausgaben sind weiterhin hoch, die Einnahmen indes sinken rapide. Burgener braucht Geld. Aber woher? Und weshalb überhaupt? War der FCB nicht über Jahre eine Geldmaschine?

Burgeners Vorgänger Bernhard Heusler machte nie einen Hehl daraus, dass der FCB zum Erfolg verdammt ist. Erfolg gleich Champions-League-Teilnahme gleich explodierende Spieler-Marktwerte. Das Resultat: Der Umsatz stieg in der Ära Heusler um mehr als das Doppelte. 2016 gar bis auf 132 Millionen.

Nur: Schafft es der FC Basel nicht an die Europacup-Honigtöpfe und generiert er keine hohen Transfererlöse, tut sich ein tiefes Loch auf. Ohne ausserordentliche Erträge spielt der FC Basel maximal 50 Millionen Franken pro Jahr ein – bei Ausgaben von mehr als 90 Millionen. Zur Veranschaulichung: Sportlich war das Geschäftsjahr 2018 debakulös.

Das 60-Millionenpolster schrumpft

Doch dem FCB gelang es, 51,7 Millionen für Spieltransfers einzunehmen. Trotz dieser für Schweizer Verhältnisse exorbitanten Summe mussten Rückstellung von 13 Millionen Franken aufgelöst werden. Kurz: Für den FCB sind sowohl fette Transfereinnahmen wie auch Europacup-Prämien existenziell.

Weil schon 2017 Rückstellungen von 9 Millionen aufgelöst werden mussten, schrumpft das 60-Millionen-Polster, welches die alte Führung um Heusler erwirtschaftet hatte. Ausser: Der FC Basel qualifiziert sich für die Champions League und erzielt mit Transfers einen Reingewinn von 20 oder mehr Millionen. Nur: Der Weg in die Champions League ist beschwerlich (3 Qualifikationsrunden). Ausserdem hat der FCB kaum noch Spieler, die hohe Transfersummen versprechen. Ausnahmen sind vielleicht Albian Ajeti und Noah Okafor, weil Spieler, die Tore schiessen, per se Fantasien wecken. Aber es braucht auch sehr viel Fantasie, um heute für Ajeti und Okafor Käufer zu finden, die mehr als 20 Millionen bezahlen.

Thomas Borer und das Angebot

Burgener wurde erst vor sechs Monaten ein Rettungsseil zugeworfen. Thomas Borer, der frühere Schweizer Botschafter in Berlin, sagt auf Anfrage: «Ich kann bestätigen, dass ein Klient von mir Interesse an einem Investment beim FC Basel gehabt hat.» Wer dieser Klient ist, warum es nicht zum Deal kam, darüber schweigt Borer. Und Burgener sagt zu dieser Causa lediglich: «Da wissen Sie mehr als ich. Wer soll das sein?»

Gemäss einer anderen Quelle soll der Borer-Klient für Burgeners Aktienpaket mindestens so viel geboten haben, wie dieser seinerzeit bezahlt hatte. Heusler (44,2 Prozent), Ex-Sportdirektor Georg Heitz (25 Prozent) und die restlichen Verwaltungsräte (20 Prozent) sollen sich insgesamt mit weniger als 20 Millionen Franken begnügt haben. Anfragen aus dem Ausland für das Vier- oder Fünffache haben sie abgelehnt, weil es nie ihre Absicht war, sich auf Kosten des Unternehmens zu bereichern.

«Ich kann bestätigen, dass ein Klient von mir Interesse an einem Investment beim FCB gehabt hat.»

«Ich kann bestätigen, dass ein Klient von mir Interesse an einem Investment beim FCB gehabt hat.»

Vielleicht dachte sich Burgener, mit dem FCB Geld verdienen zu können. Es wäre ein Trugschluss. Denn der Return on Investment auf Fussballaktien ist nicht monetärer Art. Dafür zahlt sich das Investment punkto Popularität und Reputation aus. Man kommt ins Rampenlicht, ironischerweise der Ort, wo sich Burgener sichtlich unwohl fühlt.

Sparen will der FCB-Präsident nun. Bis Ende Jahr insgesamt 21 Millionen. Aber wie? Die richtig teuren Spieler kriegt er nicht los, weil sie a) Vertrag haben, b) zu wenig gut performen und c) auf Grund ihres Alters nicht begehrt sind. Und mit ein paar Einsparungen auf der Geschäftsstelle ist auch kein Staat zu machen. «Ab 2020 haben wir mehr Spielraum, um die Personalkosten zu senken», sagte Burgener. Das sind schlechte Nachrichten für die Spieler Balanta, Kuzmanovic, Bua, Serey Die und van Wolfswinkel, aber auch für Trainer Koller. Ihre hoch dotierten Verträge laufen 2020 aus. Selbst wenn sie alle ersatzlos gestrichen werden, spart Burgener keine 21 Millionen. «Wenn man sparen will, wieso verlängert man mit Serey Die, lässt ihn aber bei Xamax spielen und bezahlt auch noch seinen Lohn?», fragt ein Berater.

Wertloser FC Basel

Sparen geht auf Kosten der Qualität. Doch mit weniger Qualität sind Auftritte auf der internationalen Bühne sowie hohe Transfererlöse noch schwieriger zu realisieren als bisher. Ein Teufelskreis. Den Burgener wohl nur mit externen Kapitalspritzen durchbrechen könnte. Deshalb wundert es nicht, wenn Gerüchte über die Suche nach Investoren oder Käufern in der Szene kursieren. Jüngst hiess es, Burgener soll deutsche Anwälte damit beauftragt haben. «Das würde ja bedeuten, dass ich oder jene Leute, mit denen ich angeblich spreche, diese Gerüchte gestreut hätten. Da hätte ich mir ja gerade die richtigen Personen ausgesucht.

Aber ernsthaft: Ich plane nicht, die Kontrolle über den Klub abzugeben.» Oder ist Burgener gar bereit, eigenes Geld einzuschiessen? «Bei einer ausgeglichenen Rechnung braucht man nicht zu alimentieren. Unsere Aufgabe ist es, die Kostenstruktur auf ein Niveau zu senken, damit auch in den kommenden Jahren weiterhin eine ausgeglichene Rechnung präsentiert werden kann. Als eine von diversen Massnahmen wird eine nachhaltige Optimierung des Spielerkaders angestrebt.»

Burgeners Unternehmen braucht Geld

Ist vielleicht schwierig, die Sache mit dem eigenen Geld. Denn seinem Firmenkonstrukt Highlight Communication ging es schon mal besser. Das Unternehmen weist für das vergangene Jahr höhere Verbindlichkeiten und prozentual weniger Eigenkapital aus als im Vorjahr. Ausserdem ist der Kurs der in Deutschland gehandelten Aktie in den vergangenen zwölf Monaten um 21 Prozent gesunken, was angesichts des positiven Marktumfelds ein schlechtes Resultat ist. Und: Burgeners Unternehmen braucht Geld, weil es die deutsche Tochter Constantin Medien (mit dem TV-Sender Sport 1) komplett übernehmen will.

Bleibt die Frage: Welchen Wert hätte Burgeners FCB-Aktienpaket zum jetzigen Zeitpunkt? Ein Branchenkenner meint quasi Null. «Ein Unternehmen, das Verlust schreibt und keine Trendwende erkennen lässt, hat kaum einen Wert. Ausser, es gelingt Burgener, die Kosten massiv zu senken. Aber dann zieht sich der FCB ins schweizerische Mittelmass zurück. Und das ist dann definitiv nichts mehr wert.»