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Das Schweizer Riesenslalom-Team sucht in Adelboden ein Erfolgserlebnis

Loïc Meillard: «Ich lerne auch an Tagen, an denen es nicht so gut läuft.»

Loïc Meillard: «Ich lerne auch an Tagen, an denen es nicht so gut läuft.»

Einen «Hammerwinter» hat ihr Trainer vorausgesagt. Doch die Schweizer Riesenslalom-Equipe wartet in diesem Winter noch auf den ersten Podestplatz.

Vor den Heimrennen von Adelboden schwingt in den Fragerunden traditionell ein Schuss Hysterie mit. Ein deutscher Reporter, der vor einem gewöhnlichen Rennen den Schweizer Medientermin umgehen würde, sagt zu Gino Caviezel im Teamhotel: «Ich bin mit dem Auto hergefahren. Seit ich in der Schweiz bin, höre ich im Radio nur Adelboden, Adelboden, Adelboden.» Caviezel schmunzelt und erzählt schliesslich von Druck und Erwartungen, die im Berner Oberland ein wenig höher seien als anderswo. Der Reporter: «Welchen Stellenwert hätte ein Sieg hier, im Vergleich zu einer Weltmeisterschaft?»

Der Riesenslalom von Adelboden ist auch in rezessiven Zeiten ein Hochamt des Wintersports. «Vielleicht nicht bedeutender als eine Olympiamedaille», sagt Caviezel. Aber eben doch genug wichtig, um ein Wochenende lang das Radioprogramm zu dominieren. Der ­Besucheransturm wird auch in diesem Jahr hoch sein. Über 40 000 Fans werden am Kuonisbergli erwartet. Wetterprognosen wie an Frühlingstagen. Ein Fest wird es ohnehin, dafür müssen nicht einmal die Schweizer Ergebnisse umwerfend sein.

Keine Nebengeräusche vor dem Rennen

Und dennoch steht die Frage nach dem nächsten Schweizer Podestplatz im Raum. Vor zwölf Jahren standen sie letztmals zuoberst, als Marc Berthod vor Daniel Albrecht den Riesenslalom gewann. Seither gab es keine Schweizer Erfolgsmeldungen vom Kuonisbergli. Die Durststrecke ist bereits auf 20 Rennen angewachsen, Riesenslaloms und Slaloms zusammengezählt.

Es gab Jahre, da hätte es im Riesenslalom, der Basisdisziplin, eine Fabelleistung für einen Schweizer Podestplatz benötigt. Mittlerweile ist das Team so gut, dass zwei gute Läufe eines Athleten für einen Podestplatz reichen – zumindest in der Theorie. Marco Odermatt, Loïc Meillard und Thomas Tumler schafften es letzte Saison in die Top 3. Mit Gino Caviezel und Rückkehrer Justin Murisier gibt es zwei weitere Fahrer, die Top-Ten-Plätze vorweisen können. Es ist eine Gruppe, die ihren Trainer Helmut Krug in der Vergangenheit zum Schwärmen animierte. Auf, aber auch neben der Piste sei das Klima besonders kompetitiv. Auch beim Jassen wird um jeden Punkt gekämpft, glaubt man den Erzählungen. Helmut Krug jedenfalls prophezeite gegenüber dem «Blick» vor der Saison einen «Hammerwinter».

Die Euphorie ist inzwischen ein wenig abgekühlt. In den ersten drei Riesenslaloms des Winters schoss kein Schweizer obenaus, Podestplätze blieben aus. Gino Caviezel, der momentan die konstantesten Ergebnisse abliefert, sagt: «Wir sind gut in die Saison gestartet. Aber wir hätten sicher noch besser starten können.» Dass eine latente Anspannung im Team vorhanden ist, zeigt auch der Fakt, dass die Athleten wünschten, den Medientermin um einen Tag nach vorne zu verschieben, damit die Vorbereitung auf das Rennen vom Samstag in aller Ruhe stattfinden könne. Thomas Tumler sagt, es sei intern keine Hektik spürbar, aber: «Es braucht einen Podestplatz. Das würde das ganze Team wieder motivieren.»

Odermatts Ausfall schmerzt

Wann er zurückkehrt, ist offen: Marco Odermatt verletzte sich beim Riesenslalom in Alta Badia am Knie.

Wann er zurückkehrt, ist offen: Marco Odermatt verletzte sich beim Riesenslalom in Alta Badia am Knie.

Tumler sagt auch, der Ausfall von Marco Odermatt schmerze. Odermatt sorgte kurz vor Weihnachten in Alta Badia für das beste Ergebnis. Der Nidwaldner wurde Fünfter, verletzte sich aber am Knie. Er soll in diesem Winter wieder einsatzbereit sein, in Adelboden wird er aber fehlen.

Odermatt wäre einer, der dem Team ein Erfolgserlebnis bescheren könnte. Wie auch Loïc Meillard. Noch im Vorjahr sah die Welt des Romands anders aus. Einen Tag vor dem Rennen am Kuonisbergli sagte er: «Ich bin noch nie mit so viel Selbstvertrauen nach Adelboden gereist.» In dieser Saison ist er einmal ausgeschieden (Sölden) und zweimal ausserhalb der Top 10 gelandet (Beaver Creek, Alta Badia). Er sagt: «Klar, es ist immer möglich, besser zu fahren. Aber ich lerne auch an Tagen, an denen es nicht so gut läuft.»

Meillard sagt auch, es spiele keine Rolle, wo ein Rennen stattfinde. «Es hat keinen Einfluss, ob wir in der Schweiz, in Österreich oder in Nordamerika fahren. Das Ziel ist anzugreifen, und nicht zu viel zu überlegen.» Ob genau dieser Ski-Klassiker mit seiner ganzen Aura der richtige Ort ist, um dem Riesenslalom-Team Schub zu verleihen, wird sich weisen.

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