Europa League

Dem FC Basel gelingt in Frankfurt eine Sensation, doch die Aussichten sind trüb

Drei Torschützen unter sich: Samuele Campo, Kevin Bua und Fabian Frei jubeln über den Sieg in Frankfurt.

Drei Torschützen unter sich: Samuele Campo, Kevin Bua und Fabian Frei jubeln über den Sieg in Frankfurt.

Der FC Basel gewinnt das Hinspiel im Achtelfinale der Europa League mit 3:0 bei Eintracht Frankfurt. Eine Sensation, die am Ende völlig wertlos sein könnte.

Es wird tatsächlich gespielt. Um 18.55 Uhr pfeift der schwedische Schiedsrichter Andreas Ekberg das Europa-League-Hinspiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Basel an. Zuvor wurde die Eintracht-Hymne gespielt, auch Adler Attila war da und flog seine Runde. Nur sah das keiner, weil die Fans draussen bleiben mussten.

Corona regiert den Fussball. Nachdem die Zuschauer in Frankfurt erst am Mittwochabend nach langem Hin und Her doch auch ausgeschlossen wurden, kursierten am Donnerstag Gerüchte, die Uefa würde noch vor dem Anpfiff die Saison abbrechen. Doch die stellten sich als falsch heraus. Die Uefa wird erst am kommenden Dienstag tagen und dann eine Entscheidung treffen, wie es weiter geht.

«Allez, allez», schreit Taulant Xhaka, kurz bevor es losgeht. Die Rufe der Spieler sind in diesem Geisterspiel gut zu hören. Ein Hauch von Amateurliga liegt in der Commerzbank-Arena, die eigentlich mit 47000 Menschen ausverkauft gewesen wäre. Beim FCB sind Jonas Omlin und Xhaka die Wortführer. Frankfurt ist in der ersten Halbzeit vor allem dann zu hören, wenn die Spieler mit einer Schiri-Entscheidung nicht zufrieden sind.

Richtig laut wird es ein erstes Mal in der 27. Minute. Nach einem Foul von Martin Hinteregger an Valentin Stocker zimmert Samuele Campo den fälligen Freistoss aus rund 20 Metern über die Mauer in den Winkel. «Ich wusste, das ist meine Spezialität, den muss ich reinhauen. Es hat perfekt geklappt», wird Campo nach dem Spiel sagen. Was folgt, widerspricht jeglichen Corona-Vorsichtsmassnahmen. Fabian Frei springt auf den Rücken des Torschützen und setzt sogar zum Nackenkuss an. Sekunden später sind die beiden im Zentrum der Jubeltraube. Nur FCB-Trainer Marcel Koller wahrt noch die Contenance und klatscht coronakonform mit der Faust ab.

Zweikampfstark und effektiv

Die Führung ist nicht unverdient. Basel steht defensiv gut, Frankfurt hat zwar 60 Prozent Ballbesitz, aber der FCB gewinnt 60 Prozent Zweikämpfe. Das ist an diesem Abend mehr wert, deutlich mehr.

Nach dem Seitenwechsel verpasst erst Frei eine grosse Chance auf das 2:0, dann kommt Frankfurt in zehn Minuten zu sieben Abschlüssen. Dreimal wird es richtig gefährlich, doch die Latte und Jonas Omlin verhindern das 1:1.

Neben der Zweikampfstärke ist die Effektivität in diesem Geisterspiel der zweite Basler Trumpf. Der FCB schiesst nur viermal aufs Tor, jubelt aber dreimal. In der 73. Minute schliesst Kevin Bua einen Konter per Chip-Ball zum 2:0 ab. In der 84. Minute legt Frei nach einem schönen Doppelpass mit Bua das 3:0 nach. Jetzt klatscht auch Marcel Koller mit seinen Co-Trainern ab. Kurz darauf ertönt der Schlusspfiff-Jubelschrei von FCB Ersatz-Goalie Djordje Nikolic, der stets lauter jubelt als der Rest. Der FC Basel gewinnt damit zum ersten Mal seit 1999 in Hamburg wieder in Deutschland.

Die Uefa tagt am Dienstag, wie es weiter gehen soll

Wie schon im Sechzehntelfinal in Nikosia gewinnt der FCB das Hinspiel auswärts mit 3:0. Doch anders als gegen die Zyprioten, könnte dieser Sieg am Ende nichts wert sein. Nämlich dann, wenn die Uefa am Dienstag die Fussballsaison abbricht. «Aktuell freuen wir uns, aber alles andere steht in den Sternen», sagt FCB-Trainer Marcel Koller und fügt an: «Wenn man aber 3:0 gewonnen hat, würde man natürlich gerne weiter spielen.» Angesichts der steigenden Ansteckungszahlen in ganz Europa und der vielen drastischen Massnahmen, erscheint dies aktuell aber keine Lösung.

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