Langlauf

Der Berner Langläuferin Nathalie von Siebenthal wird ein Podestplatz im Weltcup zugetraut

Zum Dopingfall Therese Johaug hat von Siebenthal eine klare Meinung:  «Johaug ist unglaubwürdig.»

Zum Dopingfall Therese Johaug hat von Siebenthal eine klare Meinung: «Johaug ist unglaubwürdig.»

Zwei Wochen vor dem Langlauf-Weltcupstart in Kuusamo steht die junge Nathalie von Siebenthal im Schweizer Fokus. Denn die 23-Jährige hatte noch nie solche eine gute Saisonvorbereitung wie dieses Jahr. Gute Vorzeichen also, dass von Siebenthal diesen Winter den ersten Podestplatz im Weltcup anstrebt.

Was soll man von einer jungen Frau halten, die als Hobbys Landwirtschaft und Natur nennt? Was kann man von einer Sportlerin erwarten, die zurückhaltend, beinahe fragil wirkt und so leise über ihre Ziele spricht, als verriete sie ein Staatsgeheimnis? Was muss man von einer Langläuferin denken, die ihr Krafttraining im Kuhstall betreibt, ihre Kühe «einfach gern hat» und in der anstehenden Weltcupsaison primär die Leistungen vom vergangenen Winter bestätigen will?

Nathalie von Siebenthal kennt ihr fragendes Gegenüber nicht. Entsprechend unspektakulär sind ihre Aussagen, mit Bedacht gewählt ihre Worte. Quasi das zu Fleisch gewordene Sprichwort «Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht». Neben der 23-jährigen diplomierten Bergbäuerin aus Lauenen bei Gstaad sitzt Teamkollegin Heidi Widmer, eine kanadisch-schweizerische Doppelbürgerin.

Eine unorthodoxe Spitzensportlerin

Mit ihren grossen Augen, ihrem strahlenden Gesicht und der extrovertierten Art lässt sie die 1,58 m kleine und nur 50 Kilogramm schwere Berner Oberländerin noch schüchterner erscheinen. Von Siebenthal spricht darüber, dass sie im Sommer ab und zu an ihrer Form zweifelte, dass die Leistungstests Ende Oktober in Magglingen jedoch so gut wie noch nie ausfielen, und dass ihr trotzdem erst der Weltcupstart in zwei Wochen in Kuusamo Aufschluss über die Form geben wird.

Im verschneiten Davos holt sich Nathalie von Siebenthal mit dem Schweizer Langlauf-Nationalkader den letzten Schliff für die in zwei Wochen beginnende Saison.

Im verschneiten Davos holt sich Nathalie von Siebenthal mit dem Schweizer Langlauf-Nationalkader den letzten Schliff für die in zwei Wochen beginnende Saison.

Auskunftsfreudiger ist Trainer Albert Manhart. Nathalie habe durchaus eine andere als die verletzliche, distanzierte Art. «Sie kann auch mal eine Ansage machen und ich bin mir sicher, dass sie den Journalisten im Verlauf der Saison verkünden wird, den ersten Podestplatz im Weltcup anzustreben.» Manhart nimmt von Siebenthal als einen sehr positiven Menschen wahr, der mit extremer Freude Wettkämpfe bestreitet und diese Energie in der Loipe umsetzt. «Ihr gefällt es, so richtig zu leiden.»

Kommt man bei der Bergbäuerin auf die Arbeit im Stall und den Sommer auf der Alp Marnex zu sprechen, weicht die anfängliche Verschlossenheit. Selbst während der Wettkampfpausen im Winter hilft von Siebenthal oft und gerne zu Hause beim Melken der Kühe und Ausmisten des Stalls. Dort schaltet sie ab, dort tankt sie neue Motivation für kommende Herausforderungen. Die U23-Weltmeisterin von 2015 und derzeit grösste Schweizer Langlaufhoffnung bei den Frauen ist eine durch und durch unorthodoxe Spitzensportlerin.

«Ich glaube diese Geschichte nicht»

Bei einem Thema taut von Siebenthal so richtig auf. Wir sprechen den Dopingfall von Weltcup-Dominatorin Therese Johaug an, deren angebliches Pech mit der unerlaubten Substanz in einer Sonnencreme. Wir erwarten mitleidendes Bedauern. Nichts da. Die Bernerin legt los: «Johaug ist unglaubwürdig.» Sie kritisiert die vollkommen unterschiedliche Praxis bei den Dopingtests.

Die Norwegerin sei zwischen Mai und September genau einmal getestet worden, bei ihr selber hätten die Dopingfahnder beinahe 20-mal angeklopft. «Sogar auf die Alp sind sie gekommen, und einmal standen am gleichen Tag zwei verschiedene Tester vor der Tür.» Für sie sei dies alles kein Problem. Aber sie fordert mit Nachdruck die gleiche Ausgangslage für alle Spitzenläuferinnen. «Einmal getestet und ausgerechnet positiv – und dann soll es eine Sonnencreme gewesen sein. Nein, ich glaube diese Geschichte nicht.»

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