Analyse

Der FC Zürich ist nicht erst seit Hyypiä in der Negativspirale

Der finnische Hüne Sami Hyypiä konnte bis jetzt als Trainer noch keine Akzente setzen.

Der finnische Hüne Sami Hyypiä konnte bis jetzt als Trainer noch keine Akzente setzen.

Des FC Zürich ist das Schlusslicht in der Super League. Die Zürcher sind in einer wahnsinnig schlechten Verfassung. Und das nicht erst seit gestern. Auch der neue Trainer Hyypiä konnte die Situation bis jetzt nicht ändern.

Mit dem 5:1 gegen den FC Zürich hat der neue Trainer Jeff Saibene beim FC Thun einen Traumeinstand gehabt und in einem einzigen Spiel so viele Punkte geholt wie Sami Hyypiä, der neue Mann beim FCZ, in fünf Partien. Natürlich, nicht jeder Trainerwechsel fruchtet sofort wie in Thun oder bei den Young Boys mit Adi Hütter. Das hatte damals in Zürich auch Lucien Favre erlebt, als er 2003 nach sechs Runden lediglich mit einem Punkt dastand, später aber aus ihm doch noch der grosse Erfolgstrainer des FCZ wurde.

Kennenlernen durch Experimente 

Es ist gewiss zu früh, um über Hyypiä den Stab zu brechen. Gut Ding will schliesslich Weile haben. Und doch: Erschliessen will sich einem noch nicht, was der Finne will. Klar, er möchte sein Kader sichten, die Spieler richtig einschätzen und beurteilen. Deshalb wirbelt er sein Team wild durcheinander.

Allerdings: Es ist zu bezweifeln, dass die Super League das richtige Feld für Experimente zum Kennenlernen darstellt. Als Tabellenletzter ist die Lage zu bedrohlich. Dass Hyypiä vor ein paar Wochen seinen Amtsantritt wegen des Umzugs der Familie hinausschob, lässt annehmen, dass der frühe Spitzenfussballer die Schweizer Liga unterschätzt und glaubt, dem grossen FCZ könne eh nicht viel passieren. Wenn er sich da mal nur nicht täuscht.

Schon länger in der Krise

Aber Hyypiä ist, bei allem Vorbehalt, nicht die Ursache der FCZ-Krise. Als Präsident Ancillo Canepa nach drei Spielen Trainer Urs Meier freistellte, begründete er dies damit, er wolle verhindern, dass der FCZ in eine Negativspirale gerate. Doch in einer solchen drin ist der zwölffache Meister schon lange.

Genau genommen, seit einem Jahr. Nach einem 1:1 gegen St. Gallen am 26. Oktober 2014 waren die Zürcher nach dem 13. Spieltag Leader der Super League. Auf dem Platz standen Spieler wie Nef, Koch, Yapi, Buff, Chiumiento, Etoundi, Chermiti und Djimsiti. Akteure, die alle auch heute noch dem Team angehören. Es lässt sich also nicht sagen, der Niedergang habe mit einem Aderlass zu tun.

Aber mit einem dramatischen Abschwung einer einst erfolgreichen Mannschaft. Gewiss war der langfristige Ausfall von Yapi nach der am 9. November 2014 erlittenen Verletzung fatal, doch dieser allein kann keine Erklärung sein für die nachfolgende Bilanz seit dem 1:2 gegen Basel am 30. November 2014. Mit nur sechs Siegen in 32 Partien, mit einem einzigen Sieg in 17 Ligaheimspielen.

Dem FC Zürich fehlen die Leaderfiguren

Beim FCZ stimmt zu vieles nicht. Es sind ihm vor allem Leaderfiguren weggebrochen: Da Costa wurde abgesägt, Yapi kann noch nicht der Alte sein und Nef hat zu viel mit seiner eigenen Form zu tun, um Anführer zu sein und für Disziplin auf dem Platz zu sorgen. So lässt sich Chermiti in Thun zu einer Tätlichkeit hinreissen, sein zweiter Platzverweis in dieser Saison, und so ging Cabral in einem Cupspiel in Tramelan dem jungen Mitspieler Simonyan auf dem Platz an den Kragen.

Es gibt keine Hierarchie mehr in der Mannschaft und es kommen Charakterschwächen zum Vorschein. Offensichtlich wird bei Spielerkäufen, siehe Cabral, zu wenig darauf geachtet. Dazu ist das Kader zu aufgebläht, um seriös trainieren zu können, und seit den letzten Transferperioden schlicht nicht mehr ausgewogen zusammengestellt.

Es gibt zu viele zentrale Mittelfeldspieler, zu viele Stürmer, zu wenige Akteure, welche die Flügelpositionen gut ausfüllen könnten. Und dass zuletzt viele Junge aus dem eigenen Nachwuchs den Verein verlassen haben, wirft auch kein gutes Licht auf das Management.

Der Verzicht auf einen Sportchef

Der FCB, YB, GC, Luzern, Thun, St. Gallen und Vaduz leisten sich einen Sportchef, Sion, Lugano und der FCZ nicht; dort machen die Präsidenten die Transfers. Canepa sieht kein Problem darin, dass alle Fäden bei ihm zusammenlaufen; die Entscheidungswege sind kurz. Dem FC Basel dagegen steht mit Georg Heitz, Bernhard Heusler, Adrian Knup und Ruedi Zbinden ein hochkarätiges Kompetenzzentrum zur Verfügung; auch hier sind die Wege kurz. Der Verdacht liegt nah: Der FCZ hat ein Strukturproblem.

Kurzfristig muss Hyypiä jetzt schauen, aus den vorhandenen Möglichkeiten das Beste zu machen. Das ist ihm bisher nicht gelungen. Er muss schleunigst einen Stamm finden, auf den er bauen will. Den seriösen Spielern das Vertrauen schenken, die anderen ausmustern. Er muss erkennen, dass es fünf vor zwölf ist für den FCZ – und gezielter arbeiten. Als einstigem Weltklasseverteidiger müsste es ihm wenigstens gelingen, die schlechteste Abwehr der Liga (12 Spiele/28 Gegentore) zu stabilisieren.

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