Fussball
Ihre Ziele haben die FCB Frauen nicht erreicht, aber der Hunger nach einem Titel bleibt

Seit 2014 warten die Frauen des FC Basel auf einen Titel, auch nach dieser schwierigen Saison. Ein Pokalgewinn bleibt auch für die nächsten Jahre das Ziel und mit Danique Stein steht bald eine Ex-Spielerin an der Seitenlinie, die neue Qualitäten mitbringt, aber auf wichtige Leistungsträgerinnen verzichten muss.

Esteban Waid
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In dieser Konstellation werden die FCB Frauen in der nächsten Saison nicht mehr zu sehen sein.

In dieser Konstellation werden die FCB Frauen in der nächsten Saison nicht mehr zu sehen sein.

Bild: Klaus Brodhage

Am vergangenen Wochenende bestreiten die Frauen des FC Basel ihr letztes Heimspiel dieser Saison. 2:1 gewinnt der FCB gegen Lugano. Die Stimmung nach dem Spiel ist ausgelassen, aber es mischt sich auch eine Aufbruchsstimmung darunter. Viele Spielerinnen verabschieden sich vor den wenigen anwesenden Fans, weil sie ihr letztes Spiel im Dress des FCB vor heimischer Kulisse absolviert haben. Es ist ein Abschied nach einer Saison, in der man sich mehr erhofft hatte. Man wollte in der Liga auf jeden Fall oben mitspielen und auch im Cup war das Ziel höhergesteckt als ein Aus im Halbfinale. Der Wunsch nach dem zweiten Titel in der noch jungen Mannschaftshistorie war gross.

Vor dem jetzt noch anstehenden, allerletzten Saisonspiel am Samstag gegen Servette steht Rotblau auf dem vierten Rang. Trainer Sébastien Bader ist aber optimistisch:

Sébastien Bader, Assistenztrainer Adrien Friedrich und Torwarttrainer Marcel Haucke (v.l.n.r) verabschieden sich.

Sébastien Bader, Assistenztrainer Adrien Friedrich und Torwarttrainer Marcel Haucke (v.l.n.r) verabschieden sich.

Bild: Klaus Brodhage
«Wir sind Basel, wir wollen immer gewinnen und in zwei bis vier Jahren werden wir oben sein. Aber heute müssen wir dem Meister Servette gratulieren.»

Für diese Aufgabe in den kommenden Jahren werden einige Spielerinnen nicht mehr zur Verfügung stehen, auch Leistungsträgerinnen. Verteidigerin Jana Brunner verlängert ihren Vertrag nicht und kehrt stattdessen zurück in ihre Heimat zum FC St. Gallen-Staad. Elisabeth Mayr beendet ihre aktive Karriere und widmet sich ihrer Trainerlizenz. Gut möglich, dass sie dem Verein in einer anderen Funktion erhalten bleibt. Und auch das Schweizer Top-Talent Riola Xhemaili wird ihrem Herzensverein den Rücken kehren. Wohin, das darf sie noch nicht sagen, das will der Verein in der kommenden Woche kommunizieren. Sicher dürfte aber sein, dass es ins Ausland geht. Es wäre der nächste Schritt in ihrer noch jungen aber vielversprechenden Karriere.

Mir ihr verliert das Team nicht nur eine talentierte Spielerin. Weil Melanie Huber für längere Zeit nicht zur Verfügung stehen wird, ist Xhemaili im Februar übergangsmässig zur Kapitänin ernannt worden, zwei Jahre nachdem die heute 18-jährige als 15-jährige in der Nationalliga A debütierte. Für Xhemaili selbst war es nicht einfach, diese Rolle übernehmen zu dürfen:

«Ich habe es angenommen und versucht, das Beste daraus zu machen. Ich habe mich dadurch auf und neben dem Platz weiterentwickelt»,
Daria Jermann, Jana Brunner, Elisabeth Mayr, Riola Xhemaili und Alicia Burla (v.l.n.r.) werden Danique Stein nicht mehr zur Verfügung stehen.

Daria Jermann, Jana Brunner, Elisabeth Mayr, Riola Xhemaili und Alicia Burla (v.l.n.r.) werden Danique Stein nicht mehr zur Verfügung stehen.

Bild: Klaus Brodhage

sagt sie. Für Trainer Bader war aber klar, dass sie diese Rolle ausfüllen kann. «Riola hat diese Mentalität und Führungsqualität auf dem Platz. Das ist das Bild, das wir in Basel haben wollen», erklärt er. Reflektiert blickt die 18-jährige auch auf eine schwierige Saison zurück. Viele Verletzungen musste das Team verkraften, ob bei Huber, Camille Surdez oder Jana Brunner, um nur ein paar zu nennen. «Wir hatten unsere Höhepunkte, aber ganz klar auch Tiefpunkte. Servette ist Meister, weil sie konstant spielen. Ende Vorrunde und in der Rückrunde konnten wir das nicht», analysiert Xhemaili.

Der Umbruch hat bereits begonnen

Mit ihrer Mentalität und ihren Führungsqualitäten wird Riola Xhemaili dem Klub nicht mehr weiterhelfen können. Aber in den nächsten Jahren wünscht auch sie sich, dass der FCB ganz oben mitspielen kann: «Es gehen wichtige Spielerinnen. Ich hoffe, sie können das mit bestehenden und neuen Spielerinnen kompensieren.»

Verantwortlich für die Kaderplanung ist aber nicht mehr Sébastien Bader. Er hat sich entschieden, sich in Zukunft anderen Aufgaben innerhalb der Nachwuchsabteilung zu widmen. Seine Nachfolgerin wir Danique Stein, die bis 2017 noch selbst Spielerin beim FCB war und aktuell mit der Frauen-U19 in den Playoffs um den Titel kämpft.

Gleichzeitig steckt sie schon tief in der Kaderplanung, führt schon intensive Gespräche mit Spielerinnen. «Die Vorfreude ist riesig und ich will mit der U19 jetzt noch einen guten Abschluss schaffen», sagt die 30-jährige, die sich selbst als Ur-Baslerin bezeichnet. Auch bei ihr ist der Titelhunger gross, auch wenn sie sagt, dass es noch zu früh sei, um die genauen Ziele für die kommende Saison zu definieren.

Im April hat der FCB die Nachfolge bekanntgegeben:

Als ehemalige Spielerin bringt sie aber neue Qualitäten an die Seitenlinie, die dem FCB weiterhelfen sollen. «Ich habe die Abläufe noch präsent, habe selbst auf höchstem Niveau gespielt und kenne den Verein in- und auswendig. Ich kann mich gut in die Spielerinnen hineinversetzen», erklärt die ehemalige Nationalspielerin. Aber die abgewanderten Spielerinnen, – wie Riola Xhemaili – zu ersetzen, wird auch für sie eine grosse Aufgabe.

Aus ihrer Zeit als Spielerin hat Stein sich die Gewinnermentalität aber bewahren können. «Ich konnte schon als Spielerin nicht verlieren und das hat sich bis jetzt nicht geändert», sagt sie mit einem Lachen, meint dies aber ernst. Den letzten und bisher einzigen Titel der FCB Frauen hat sie 2014 noch auf dem Platz miterlebt, nun will sie das Gleiche auch an der Seitenlinie schaffen.