Spritzensport

Der Kiffer, dieses Doping-Opfer

Diese Kolumne beschäftigt sich alle zwei Wochen mit Themen rund um Doping und den Kampf dagegen.

Diese Kolumne beschäftigt sich alle zwei Wochen mit Themen rund um Doping und den Kampf dagegen.

Die Statistik der Welt-Antidoping-Agentur Wada weist für das Jahr 2017 nicht weniger als 154 positive Fälle für Cannabis-Konsum am Wettkampf aus. Wie viele dieser letztlich gesperrten Sportler sich tatsächlich dopen wollten?

Zwei Experten sagen unabhängig voneinander: Mutmasslich keiner! Eigentlich ist allen klar: Cannabis gehört nicht auf die Dopingliste, eine leistungssteigernde Wirkung ist nicht gegeben. Und die Zeiten, in denen sich der Snowboarder mit einem Joint Mut für den nächsten Run in der Halfpipe inhalieren wollte, sind angesichts der Höchstanforderungen an die Athleten längst passé.

Die mit dem Konsum von Cannabis einhergehende Veränderung der Risikoeinschätzung dient den Wächtern der Dopingwelt als letztes Feigenblatt dafür, wieso der Joint am Wettkampf verboten bleibt und bei der regelmässigen Überarbeitung der Verbotsliste nicht einmal ernsthaft hinterfragt wird.

Dabei wissen alle in der Welt des Antidopings, dass es sich um eine rein politische Frage handelt. Der höchst unterschiedliche Umgang mit Suchtmitteln in den verschiedenen Ländern strahlt auch in den Sport aus. Die skandinavischen Nationen beispielsweise fahren einen NullToleranz-Kurs, in den USA erlebt man gerade eine fast beispiellose Liberalisierung des CannabisKonsums.

Zwar hat die Wada das Verbot für Cannabis nur für den Wettkampf festgesetzt, doch weil die Qualität des Dopes und damit auch die THC-Stärke der Joints laufend zunehmen, musste man jüngst den erlaubten Grenzwert um das Zehnfache erhöhen. Schliesslich will man weder Gelegenheits-Kiffer, noch Passivraucher für zwei Jahre aus
dem Sport ausschliessen.

Das Beispiel Cannabis steht für den seltsamen Umgang mit Suchtmitteln im Sport. Alkohol gilt erst seit 2018 im Schiesssport nicht mehr als Doping. Koffein wurde 2004 freigegeben, die Substanz befindet sich aber seither auf der sogenannten Monitoringliste der Wada. Man traut den kaffeetrinkenden Athleten nach wie vor nicht und überwacht, ob es sich wirklich um reinen Genuss handelt.

Nikotin ist ebenfalls seit rund zehn Jahren auf dieser Liste, was zu einem analytischen und administrativen Mehraufwand führt. Energien, die man im Kampf um fairen Sport besser einsetzen könnte. Beim Nikotin hat man durch das Überwachen immerhin einen systematischen Gebrauch im Eishockey feststellen können.

Nicht, dass alle Hockeyaner Kettenraucher wären. Das Zauberwort heisst Snus. Zum Glück ist der Nikotingehalt im Urin nicht präzise genug zu bestimmen. Sonst hätten wir vielleicht bald die nächste politische Entscheidung zu Suchtmitteln im Sport.

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