Langlauf-WM
Dario Colognas grosser Rivale bittet zum letzten Tango

Langläufer Martin Johnsrud Sundby wurde aus Norwegens Kader geworfen. Bei der WM ist er aber dennoch ein letztes Mal am Start. Er hat die Sportart mit seinen Eigenschaften mitgeprägt. Und sich tolle Duelle mit Dario Cologna geliefert.

Rainer Sommerhalder, Oberstdorf
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Der Norweger Martin Johnsrud Sundby (rechts) und der Schweizer Dario Cologna standen insgesamt zehnmal gemeinsam auf einem Weltcup-Podest.

Der Norweger Martin Johnsrud Sundby (rechts) und der Schweizer Dario Cologna standen insgesamt zehnmal gemeinsam auf einem Weltcup-Podest.

Bild: Peter Schneider/Keystone (Tschierv, 30. Dezember 2016)

Stellen Sie sich vor, man würde Dario Cologna aus der Schweizer Nationalmannschaft werfen. Einem grossen Gegenspieler in der Karriere Colognas ist genau dies im Sommer passiert. Für Martin Johnsrud Sundby war trotz insgesamt 47 Podestplätzen im Weltcup nach 13 Jahren kein Platz mehr im so dominierenden norwegischen Team. Der 36-Jährige kommentierte den Entscheid mit den Worten «das ist, als wenn deine Frau nach 30 Jahren Ehe plötzlich die Scheidung einreicht.»

Natürlich gab es sportlich nachvollziehbare Gründe für die Abservierung jenes Athleten, der die norwegischen Langläufer während Jahren als eigentlicher Captain angeführt hat. Im vergangenen Winter kam Sundby nicht mehr auf Touren. Chronische Rückenschmerzen waren der Hauptgrund. Gesundheitliche Einschränkungen, die ihn nach wie vor begleiten. In dieser Saison qualifizierte er sich innernorwegisch nie für einen Weltcupeinsatz.

Zehnmal mit Cologna auf dem Weltcup-Podest

Trotzdem wird die Weltmeisterschaft in Oberstdorf zur letzten grossen Bühne des Martin Johnsrud Sundby. Er hat als Titelverteidiger über 15 Kilometer im Rennen vom Mittwoch einen persönlichen Startplatz. Vor zwei Jahren in Seefeld holte der Vater von drei Söhnen in seinem elften Anlauf endlich den so ersehnten Weltmeistertitel im Einzel. 2013 im Skiathlon stand ihm ein gewisser Dario Cologna vor der Sonne, wie auch ein Jahr später über die gleiche Distanz bei den Olympischen Spielen.

Auch im Weltcup gehörte das Duell Cologna gegen Sundby zu den prägenden Zweikämpfen der jüngeren Langlauf-Geschichte. Zehnmal winkten sie gemeinsam von einem Podest, sieben Mal hatte der Schweizer dabei die Nase vorn. Doch Sundby forderte Cologna und die anderen Gegner mit neuer Taktik heraus.

Zuvor sorgte sein Landsmann Petter Northug dank seiner Endschnelligkeit oft für Spurtentscheidungen. «Sundby hat eine neue Komponente in den Langlauf hineingebracht», sagt Cologna, «er versuchte mit seiner grossen körperlichen Kapazität die Rennen von Anfang so hart wie möglich zu machen. Sie wurden dadurch schneller, wir mussten uns umstellen».

Die Dopingsperre als unschöne Erinnerung

Sundby hat im übertragenen Sinne einen Dieselmotor. Sein Trainingsfleiss und -umfang zwangen die Konkurrenz, ebenfalls mehr zu investieren. «Er war sicher nicht der Athlet mit dem grössten Talent. Hinter seinen Erfolgen steckt viel Arbeit. Aber mit seinem Weg hat er letztlich auch andere zu besseren Langläufern gemacht», zollt ihm Cologna Respekt. Einziger Tolggen in Sundbys Palmares ist die zweimonatige Dopingsperre 2016 wegen des nicht angemeldeten Einsatzes des Asthmamittels Salbutamol.

Weil der Rücken weiter schmerzt, ist sein WM-Start wohl so etwas wie der letzte Tango von Sundby. Die norwegische TV-Station NRK widmete seiner Vorbereitung eine Serie mit dem Titel «Sundby gegen die Welt». Die Vorgeschichte würde nicht für ihn sprechen, sagt der 36-Jährige, «aber der Traum von einer Medaille bleibt. Allerdings baut mein Selbstvertrauen einzig auf vergangenen Taten».

Diese waren jedoch derart prägend, dass auch Dario Cologna, dessen Beziehung zu Sundby «immer sehr angenehm gewesen ist», dem norwegischen Oldie einiges zutraut. «Es würde mich nicht überraschen, wenn er ein starkes Rennen zeigt».

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