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Der Löwe hat noch Hunger – wie Zlatan Ibrahimovic mit 39 Jahren den AC Milan an die Spitze führt

Der König des Strafraums. Zlatan Ibrahimovic hat auch mit 39 Jahren nichts von seiner Gefährlichkeit eingebüsst.

Der König des Strafraums. Zlatan Ibrahimovic hat auch mit 39 Jahren nichts von seiner Gefährlichkeit eingebüsst.

Vier Spiele, vier Siege, die AC Milan ist Tabellenführer in der Serie A, hat seit dem Lockdown kein einziges Spiel verloren. Das hat viel mit Zlatan Ibrahimovic zu tun. Nach dem Abenteuer in Los Angeles ist der Schwede in Mailand auf seiner wohl letzten Mission.

Das Bild zeigt einen blutverschmierten Löwen. Zurück von der Jagd, grimmiger Blick, die Beute erlegt. Zlatan Ibrahimovic entsandte es letztes Wochen­ende in die Welt der sozialen Medien, «FAME» schrieb er darunter, «Hunger» also, es ist seine typische Art, um Italien zu sagen: «Passt auf, auch mit 39 Jahren habe ich jede Menge Lust auf Erfolge!»

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Es war ein Wochenende ganz nach Ibrahimovics Geschmack. Zwei Tore erzielte er im Derby gegen Inter, und führte damit seine AC Milan zum Sieg in diesem prestigeträchtigen Duell, mehr noch: an die Spitze der Serie A. Zum besten Saisonstart seit einer gefühlten Ewigkeit. Ja, Milan hat sich dank ihm gerade zu einem der auf­regendsten Teams Europas entwickelt.

Der perfekte Saisonstart der AC Milan.

Der perfekte Saisonstart der AC Milan.

Die Zweifel vor der Verpflichtung

Als Ibrahimovic im vergangenen Januar aus Los Angeles zu Milan zurückkehrte, waren die Zweifel gross. Ist er tatsächlich gut ­genug für ein letztes Hurra, nach zwei Jahren in der eher mittelmässigen Major League Soccer? Die Erkenntnis war bald: Ja, er ist es. Seine Verpflichtung hat Milan nicht aus irgendwelchen PR-Gründen getätigt, sondern in der Überzeugung, in ihm ein wichtiges Puzzle-Teilchen auf dem Weg zurück an die Spitze zu finden. Manch einer glaubt gar, dass Ibrahimovics Wechsel in die USA gar nie bedeuten sollte, er wolle die Karriere ausklingen lassen. Sondern einzig einem kühnen Plan folgte: Nämlich, sich nach seinem in Manchester erlittenen Kreuzbandriss langsam wieder ans Spitzenniveau zu gewöhnen.

In Mailand ist rasch aufgefallen: Ibrahimovic mag zwar 38 Jahre alt sein (mittlerweile 39), doch er ist topfit. Und sofort dazu ­fähig, eine junge Mannschaft, die schnell verunsichert ist, besser zu machen. Seit seiner Ankunft hat sich beispielsweise Hakan Calhanoglu zum wohl besten Spieler der Serie A entwickelt. Auch der frühere Frankfurter Ante Rebic spielt plötzlich viel besser.

Einer, der gerne Verantwortung schultert und seine Teamkollegen besser macht: Zlatan Ibrahimovic.

Einer, der gerne Verantwortung schultert und seine Teamkollegen besser macht: Zlatan Ibrahimovic.

Ungefährdete Siege gegen die «Kleinen» sind für Milan mit Ibrahimovic plötzlich Routine geworden. Zlatans Präsenz und Charisma sind für Mitspieler und Gegner zu spüren. Seit dem Lockdown noch mehr. Von 12 Spielen seither gewann Milan deren neun, bei drei Remis. Ibrahimovics Bilanz: elf Tore. Und natürlich schultert er gerne die Verantwortung für alle.

Doch Zlatan wäre nicht ­Zlatan, wenn über er über den Sommer nicht für ordentlich Unterhaltung gesorgt hätte. Ob er bei Milan bleibt, war lange ­unsicher. Zu sehr störten ihn die Revolutionsgelüste im Verein. Ralf Rangnick war lange ein Thema. Doch dann merkten die Verantwortlichen: Es läuft ja gar nicht so schlecht. Auch Trainer Stefano Pioli, der schon immer den Ruf hatte, einen guten Draht zu seinen Spielern zu finden, durfte bleiben.

Danach galt es nur noch, einen Wunsch von Ibrahimovic zu erfüllen: Der Schwede mag es, bestbezahlter Spieler seines Teams zu sein. Va bene! Sieben Millionen Euro kassiert er nun.

Als Milan die Vertragsverlängerung offiziell machte, sagte Ibrahimovic: «Ich bin nicht als Maskottchen hier, sondern für Resultate. Wir waren gut in den letzten sechs Monaten – aber gewonnen haben wir nichts.» Das soll sich ändern.

Natürlich, am liebsten hätte ­Zlatan sofort die Champions League gerockt. Doch dafür reichte Milans Schlussspurt nach dem Lockdown nicht mehr. Egal, in der neuen Saison geht es bisher einfach so weiter wie zuvor. Vier Spiele, vier Siege. Am nächsten Montag folgt gegen die AS Roma der nächste Test. Stoppen konnte Zlatan bisher nur ein Gegner: Corona. Zwei Liga-Spiele verpasste er. Doch wie das Derby zeigte, ist er nun bereits in alter Frische zurück. Mit sehr viel Hunger.

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