Klose und Zuffi weg
Kein Stein bleibt beim FC Basel auf dem anderen: Nach dem Ausmisten folgt das Umbauen

Der FC Basel trennt sich gleich von sieben Spielern, zwei weitere stehen auf der Kippe. Ein Neuzugang dürfte bald präsentiert werden und bis zur neuen Saison weitere Transfers folgen.

Jakob Weber
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Timm Klose muss den FC Basel nach nur einer Saison wieder verlassen.

Timm Klose muss den FC Basel nach nur einer Saison wieder verlassen.

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Timm Klose kann einem wahrlich leidtun. 32 Jahre musste er alt werden, um für seinen Jugend- und Herzensverein zu debütieren. Doch der Kindheitstraum wird durch eine Chaos-Saison auf und neben dem Platz und vor allem auch durch das pandemiebedingte leere Joggeli zum Albtraum. «Als junger Basler Bueb hoffst du, dass du irgendwann vor der Kurve spielen und siegen darfst. Momentan ist das leider nicht möglich, aber was wir nach dem Spiel erleben durften, werde ich nie vergessen», schrieb Klose nach dem 2:0-Sieg gegen Lugano auf Facebook. Zuvor hatten hunderte Fans gemeinsam mit den Spielern nur durch das Gitter der Stadion-Zufahrt getrennt nach Abpfiff minutenlang gefeiert.

Schon damals zeichnete sich ab, dass der FCB die Kaufoption bei Klose nicht ziehen wird. Die neue Führung um David Degen wird den Kader umbauen. Emotionsentscheidungen wie bei Ricky van Wolfswinkel, der vor einem Jahr spontan einen Zweijahresvertrag bekam, wird es nicht mehr geben. Dafür Leistungsbezogenere Verträge. Und so hart diese Entscheidungen für die Betroffenen auch sind. Das Wohl des Vereins geht vor

Beim letzten Saisonspiel in Sion fehlte Klose im Aufgebot. Offiziell wegen Kopfweh. Doch nachdem Trainer Patrick Rahmen die Mannschaft am Samstag in einem letzten Meeting in die Ferien verabschiedet hatte, veröffentlichte der FCB eine Medienmitteilung voller Klartext. Nicht nur der auslaufende Vertrag von Klose wird nicht verlängert. Auch Luca Zuffi muss den Verein nach 270 Spielen mit 36 Toren und 70 Assists verlassen. Der 31-jährige war nach seinem Kreuzbandriss nie mehr so richtig auf Touren gekommen und im dicht besiedelten zentralen FCB-Mittelfeld ist für Mitläufer eigentlich kein Platz.

Males und Abrashi könnten noch zurückkehren

Dazu teilt der FCB mit, dass auch Jorge, Aldo Kalulu, Jasper van der Werff, Elis Isufi und Jozef Pukaj den Verein verlassen werden. Dazu bleiben auch die Kaufoptionen bei Darian Males und Amir Abrashi ungenutzt. Doch bei den beiden lässt sich der FCB ein Hintertürchen offen. Hier werden in den kommenden Tagen noch Gespräche mit Spielern und den Stammvereinen Freiburg und Inter geführt. Eine Rückkehr wäre möglich. Allerdings nicht zu den ursprünglichen Konditionen.

Aktuell stehen damit nur 22 Mann im Kader für die kommende Saison. Doch der Umbau hat durch die kommunizierten Abgänge auch gerade erst begonnen. «Ich weiss, dass der ein oder andere Spieler mit dem Ausland liebäugelt», sagt Rahmen am Freitag in Sion. Neben Torjäger Arthur Cabral zählen auch die beiden Schweizer Nationalverteidiger Silvan Widmer und Eray Cömert zu den Wechselkandidaten. «Ich hoffe, dass wir das Gerüst beisammen halten können. Wir haben eine Basis gelegt», sagt Rahmen. Doch er weiss auch, dass der FCB wirtschaftliche Faktoren und die Wünsche der Spieler berücksichtigen muss.

In der kommenden Woche wird sich Rahmen mit der neuen Führung um die Kader-Zusammensetzung für die neue Saison kümmern. «Das lief bisher nur im Hintergrund. Jetzt werden wir das gemeinsam diskutieren», sagt Rahmen.

St. Gallens Jordi Quintilla wird in der kommenden Saison zusammen mit Pajtim Kasami und Fabian Frei beim FC Basel spielen.

St. Gallens Jordi Quintilla wird in der kommenden Saison zusammen mit Pajtim Kasami und Fabian Frei beim FC Basel spielen.

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Ein Neuzugang steht bereits seit mehr als zwei Monaten fest. Aus St. Gallen wird Jordi Quintilla zum FCB kommen. Der 27-jährige Spanier hat in Basel einen Dreijahresvertrag unterschrieben und wird ablösefrei wechseln. Der Transfer dürfte in den nächsten Tagen auch offiziell kommuniziert werden, da nach dem Cupfinal jetzt auch die Saison der St. Galler beendet ist.

Damit ist der FCB im Mittelfeld weiterhin sehr gut besetzt. Fabian Frei, Pajtim Kasami, Quintilla, Matias Palacios, Yannick Marchand und wohl auch der wiedergenesene Taulant Xhaka kämpfen um drei Plätze. In der Verteidigung, auf den Flügeln und im Sturm besteht deutlich mehr Handlungsbedarf. Vor allem dann, wenn die angesprochenen Leistungsträger den Verein verlassen sollten.

Am 22. Juli sollte die Umbauphase im Idealfall beendet sein. Denn dann startet der FCB mit dem Hinspiel der 2. Qualifikationsrunde in die Conference League. Der Gegner wird am 16. Juni ausgelost. Wirklich harte Brocken gibt es da noch keine, da der FCB gesetzt ist. Drei Tage nach dem Europapokal-Auftakt startet dann auch die Super League in die neue Saison. Möglicherweise mit einigen Fans im Stadion, aber sicherlich ohne Timm Klose.