Playoff-Basketball
Der Underdog, der die Liga aufmischt: Matthew Milon und die Starwings wollen im Halbfinale die nächste Sensation

Die Starwings schafften am Sonntag die grosse Sensation. Mit 73:70 gewannen sie das dritte Spiel der Playoff-Serie gegen die Lions de Genève und stehen im Halbfinale. Matthew Milon erklärt vor dem ersten Spiel gegen Neuchâtel seinen Wurf in den letzten Sekunden und Coach Dragan Andrejevic erklärt, warum es nicht unmöglich ist, erneut weiterzukommen.

Esteban Waid
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Matthew Milon avancierte in Genf zum Helden des Abends und ist sich sicher: «Jetzt können wir jeden schlagen.»

Matthew Milon avancierte in Genf zum Helden des Abends und ist sich sicher: «Jetzt können wir jeden schlagen.»

Bild: Keystone

Am Sonntagabend in Genf schafften die Starwings das Unmögliche. Dass es überhaupt so weit kam, ist bereits eine kleine Sensation, denn am Freitag zuvor gewannen die Birsfelder Basketballer zu Hause gegen den absoluten Ligaprimus, die Lions de Genève, und konnten damit in der Best-of-3-Serie ausgleichen.

Am Sonntag scheint der grosse Wurf dann sprichwörtlich zum Greifen nah. 2,8 Sekunden verbleiben auf der Spieluhr in der Genfer Sporthalle, es steht 70:70. Die Starwings verwenden ihr letztes Time-Out und kommen noch einmal im Kreis zusammen, ehe sie noch mal den Ball bekommen.

«Wir waren in der Huddle und Nathan Krill hat gefragt, ob einer von uns einen Spielzug aus dem College hat, um diese drei Punkte zu bekommen. Etwas, das sie nicht durchschauen können. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass wir den gleichen Spielzug nehmen, mit dem wir gegen Neuchâtel gewonnen haben», erinnert sich Matthew Milon am Telefon.

Wenige Sekunden nach der Besprechung wird er zum Helden des Abends. Der Spielzug geht wie geplant auf, Deondre Burns zieht die Spieler auf sich, Cheikh Sane blockt für Milon und aus gut sieben Metern versenkt dieser den Ball im Korb, ohne den Ring zu berühren.

«Ich hatte freie Sicht und genug Zeit. Es fühlte sich an wie ein Trainingswurf»,

erzählt Milon. Nach dem Treffer brechen alle Dämme. Die verbleibenden Spieler auf der Bank und jene auf dem Feld finden sich in einer Jubeltraube wieder, die Verletzten humpeln zu ihren Kameraden. Nur Coach Dragan Andrejevic kann noch nicht ganz ausgelassen jubeln, denn er sieht, dass das Spiel noch nicht vorbei ist.

Der Korb ins Glück:

«Kurz nach meinem emotionalen Ausbruch habe ich gesehen, dass der Hauptschiedsrichter noch 0,7 Sekunden anzeigt. Dann bin ich in die Ecke gerannt, wo sie gejubelt hatten und habe ihnen gesagt: Kommt Jungs, ihr müsst wieder auf die Bank.». Am Ende können die Genfer diese Zeit nicht nutzen und die Starwings schaffen nach der kleinen auch die grosse Sensation.

Für die Mannschaft ist es aber eine Genugtuung, nach dieser so schwierigen Saison mit vielen Verletzungen und Quarantänen, auch für Milon, der im Dezember selbst noch mit einer Verletzung zu kämpfen hatte. «Es war ein stolzer Moment für mich, weil wir eine harte Saison hatten. Veteranen wie Branislav Kostic, die schon eine Ewigkeit hier sind, haben uns dann erklärt, was das für die Starwings bedeutet. Und ihn zu sehen, wie er emotional wird und weint, weil es ihm so viel bedeutet. Das macht es besonders speziell für mich», erzählt Milon.

Das letzte Mal, als die Starwings in einem Playoff-Halbfinal standen war in der Saison 2007/08, der grösste Erfolg war der Cup-Sieg 2010. Die neuste Sensation reicht sich problemlos in diese Aufzählung ein. «Ich habe innerhalb von einer halben Stunde 50 Nachrichten bekommen. Ich war leicht überfordert», erzählt Präsident Pascal Donati und lacht. Er feierte den Sieg mit der Mannschaft bei einer Pizza in der Birsfelder Sporthalle.

Es bleibt keine Zeit, um den Moment zu geniessen

Am Mittwochabend wird es für die Starwings aber wieder ernst, denn das Abenteuer ist noch nicht vorbei. «Ich habe meinen Spielern gesagt: Okay, ihr habt das verdient, ihr könnt feiern. Aber wenn ihr morgen aufwacht, müsst ihr wieder auf dem Boden sein. Sie müssen für das nächste Spiel bereit sein», sagt Trainer Dragan Andrejevic. Und wie auch schon vor dem Viertelfinale ist er zuversichtlich, dass seine Mannschaft auch im Halbfinale gegen Neuchâtel nicht chancenlos ist.

Coach Dragan Andrejevic ist begeistert vom Teamspirit seiner Mannschaft.

Coach Dragan Andrejevic ist begeistert vom Teamspirit seiner Mannschaft.

Bild: Keystone

Von den drei Spielen in der Hauptrunde konnten die Wings gar zwei gewinnen. Aber die Viertplatzierten der Hauptrunde haben einen Vorteil: «Neuchâtel hat das letzte Mal am Freitag gespielt und hatte zwei vergleichsweise einfache Spiele gegen Monthey. Sie haben also zwei Tage mehr Zeit und werden frischer sein», analysiert Andrejevic.

Wichtig sei, dass sein Team dort weitermacht, wo es aufgehört hat: «Wir müssen unsere Fehler und Turnover kontrollieren. Wir sind jetzt unter den besten vier Teams der Liga. Jeder weiss, wie man diese Turnover bestraft», sagt Andrejevic. Gegen Genf ist den Starwings genau das gelungen. Nur 13 Turnovers und das mit einem Team, das nur sieben einsatzfähige Spieler hat. Dazu präsentierte sich die Offensive der Wings sehr effizient.

Ein letzter Faktor sind schliesslich die Zuschauenden. Sie haben ihr Team in der Birsfelder Sporthalle schon am Freitag zum Sieg gepeitscht. «Ich bin dankbar für die Fans, die uns unterstützt haben und ich bin sicher, dass das wieder so wird», sagt der Trainer. Bereits jetzt sind schon alle 50 Tickets vergriffen. Eine mögliche weitere Sensation will sich in Birsfelden schliesslich niemand entgehen lassen.

Halbfinale (Best of 3): Neuchâtel - Starwings

Spiel 1: Mittwoch, 19.05. 19 Uhr, in Neuchâtel.

Spiel 2: Freitag, 21.05. 19.30 Uhr in Birsfelden.

Allfälliges Spiel 3: Sonntag, 23.05. 20.30 Uhr in Neuchâtel.

Die Highlights der unglaublichen Partie vom Sonntag:

Swiss Basketball TV (YouTube)