DFB-Pokal
Der Traum des Flying Fin: Bartels will mit seinem Heimatklub Holstein Kiel das grosse Dortmund rauskegeln

Der Zweitligist Holstein Kiel fordert im DFB-Cuphalbfinal Borussia Dortmund. Star von Kiel: Routinier Fin Bartels.

Raphael Gutzwiller
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Der Star von Holstein Kiel: Fin Bartels.

Der Star von Holstein Kiel: Fin Bartels.

Bild: Friedemann Vogel / EPA

Für Fin Bartels ist es eine Herzensangelegenheit. «Noch mal in Kiel zu spielen, ist für mich etwas Romantisches», sagt der 34-Jährige, der im hohen Norden Deutschlands geboren wurde und seit vergangenem Sommer wieder bei seinem Heimatverein spielt. Viermal ist er aus der Bundesliga abgestiegen, einen Titel hat er noch nie gewonnen.

Ein solcher Erfolg winkt ihm nun ausgerechnet mit Holstein Kiel. Noch zwei Siege ist Bartels vom überraschenden Cuptriumph entfernt. Im Halbfinal treffen die Kieler heute Samstag auf Dortmund. Sie wollen wieder zum Favoritenschreck werden. Wie in der 2. Runde des Wettbewerbs, als sie Bayern München nach Elfmeterschiessen bezwangen.

Bartels ist der bekannteste Kieler. Er spielt eine richtig gute Saison. In der 2. Bundesliga und im Pokal kommt der Flügelspieler auf je sieben Tore und sieben Torvorlagen. Gebeutelt von schweren Verletzungen hat Bartels trotz grossem Talent nicht die ganz grosse Bundesligakarriere hinter sich. Er ist sehr heimatverbunden, blieb stets im Norden Deutschlands. Seine beste Zeit hatte er bei Werder Bremen. Dort wird er zum Liebling der Fans, in Kiel ist er das sowieso. Bei einer Fanumfrage wird er als Lieblingsspieler gewählt, vor wenigen Tagen erhält er die Auszeichnung als Fussballer des Jahres in Schleswig-Holstein. Sein Spitzname: Flying Fin.

Wenn der Star zwei Jahre älter als der Trainer ist

Bartels ist 34 Jahre alt, sein Trainer Ole Werner zwei Jahre jünger. Auch Werner ist ein Ur-Kieler, der schon mit 20 seine Karriere wegen Hüftproblemen beenden musste. Vom Jugendtrainer bei Kiel arbeitete er sich ab 2013 bis zum Chef-Trainer hoch. Im September 2019 übernahm er die erste Mannschaft Kiels, mit grossem Erfolg. Er hat aus der Truppe einen ernst zu nehmenden Aufstiegskandidaten geformt.

Talentierter Trainer: Der 32-jährige Ole Werner.

Talentierter Trainer: Der 32-jährige Ole Werner.

Bild: Friedemann Vogel/ EPA

Für Bartels ist es überhaupt kein Problem, dass er älter als sein Trainer ist. «Es gibt so viele junge, hungrige Trainer, die taktisch unheimlich viel draufhaben. Die strahlen allein schon durch ihre Kompetenz eine natürliche Autorität aus. Das ist bei Ole Werner genauso.» Gerüchten zu Folge soll Werner schon auf der Liste bei grösseren Klubs sein, Kiel möchte aber mit seinem Trainer den Vertrag gerne verlängern.

Beeindruckend ist insbesondere auch, wie die Kieler mit ihrer speziellen Situation umgegangen sind. Gleich zweimal musste das gesamte Team in Quarantäne. Aus den beiden Spielen nach der Quarantäne gegen Osnabrück und Nürnberg meldeten sich die Störche gleich mit vier Punkten zurück. Damit lebt der Aufstiegstraum weiter. «Die zweite Quarantäne hat uns noch enger zusammenwachsen lassen», sagt Bartels. «Wir haben Bock auf Fussball. Durch Teamspirit und den absoluten Willen können wir fehlende Kräfte wegmachen.»

«Was gibt es Schöneres, als alle drei Tage zu spielen?»

Nun haben die Kieler ein Mammutprogramm. Während andere Teams über eine solche Ausgangslage jammerten, ist dies bei den Kielern überhaupt nicht so. «Was gibt es Schöneres, als alle drei Tage zu spielen?», fragt Fin Bartels.

Gefährliches Offensivduo von Holstein Kiel: Fin Bartels (links) mit Jae-sung Lee.

Gefährliches Offensivduo von Holstein Kiel: Fin Bartels (links) mit Jae-sung Lee.

Bild: Christian Charisius/DPA

Während der grosse Traum vom Pokalfinale lebt, geht auch der Traum vom Bundesligaaufstieg weiter. Während der Kieler Quarantäne hat die Konkurrenz – allen voran der Hamburger SV – gepatzt, die Chancen der Kieler stehen gut.

Im Interview mit «11 Freunde» wird Fin Bartels gefragt, was er lieber hätte: den Aufstieg oder den Pokalsieg. Seine Antwort: «Der Pokalsieg wäre natürlich einmalig. Aber ich würde auch den Aufstieg nehmen. Und wenn es am Ende eines von beiden würde, ist es immer noch eine extrem erfolgreiche Saison für uns.» Dortmund dürfte gewarnt sein.