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Die Bundesliga ist zurück: ein Millionenspiel vor leeren Rängen

Skurril: Die Dortmunder Spieler feiern den Derbysieg vor der leeren Stehplatztribüne.

Skurril: Die Dortmunder Spieler feiern den Derbysieg vor der leeren Stehplatztribüne.

Geisterspiele mit Zuschauerrekord, gewöhnungsbedürftiges Jubeln, beachtliches Niveau. Aber der Bundesliga gelingt die Rückkehr. Sie erlebt ein Wochenende ohne Skandale.

Zwei Monate pausierte die Bundesliga. An diesem Wochenende feierte sie ihr Comeback. Das Interesse war global und überstieg die Neugier am sportlichen Ausgang. Denn die Bundesliga ist eine Pionierin. Als erstes Championat von Weltklasseformat hat sie den Spielbetrieb wieder aufgenommen. Gelingt ihr der Re-Start, könnte sie den Weg ebnen für andere Ligen und Wettbewerbe. Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der wegen der Millionen, die auf dem Spiel stehen, eifrig für eine Bundesliga-Rückkehr lobbyierte, sagte dem Bezahlsender Sky, er habe Nachrichten aus aller Welt erhalten.

Kein neuerlicher Fehltritt oder Skandal

Watzke dürfte diese Nachrichten inzwischen mit vorsichtiger Zuversicht beantwortet haben. Sein BVB entschied das Revierderby mit 4:0 für sich. Es war der höchste Sieg der Borussia gegen Rivale Schalke seit 54 Jahren. Geschichte schrieben die Königsblauen ausserdem, indem sie als erste Mannschaft in der Bundesliga fünfmal wechselten. Watzke dürfte aber auch mit dem Verlauf der restlichen Partien zufrieden gewesen sein. Nicht der Resultate wegen. Vielmehr, weil sie ohne neuerlichen Skandal über die triste Bühne gingen. Noch vor wenigen Tagen hatte der Augsburger Trainer Heiko Herrlich freimütig erzählt, wie er die Quarantäne verliess, um Hautcreme und Zahnpasta zu kaufen.

Von derlei Regelverstössen blieb die Bundesliga an diesem Wochenende verschont. Sieht man von der zuverlässig rebellischen Hertha ab, die ihre Tore mit Umarmungen bejubelte. Nur: Verboten ist das nicht. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der sich wie Watzke für die Wiederaufnahme der Bundesliga engagierte, sprach sich am Sonntag im «Doppelpass» für Regeln beim Jubeln aus. Bisher gibt es nur Empfehlungen.

Eigenartige Szenen auf und neben dem Platz

An diese hielten sich die allermeisten Spieler, was zu gewöhnungsbedürftigen Szenen führte. Erling Haaland tanzte zusammen mit Achraf Hakimi, der zwei Meter entfernt stand. Und Freiburgs Robin Koch feierte seinen vermeintlichen Siegtreffer mit stürmischen Ellbogenschlägen. Abseits des Rasens trug sich ähnlich Befremdliches zu: Bei den Interviews standen Spieler und Trainer am Spielfeldrand, die Reporter währenddessen auf der Tribüne. Mit Gesichtsmaske. Dasselbe galt für die wenigen Journalistinnen und Journalisten – pro Stadion waren zehn zugelassen. Und es galt auch für die Funktionäre – je acht vom Heim- und vier vom Gastteam waren im Stadion.

Niveau der Mannschaften ist überraschend hoch

Die sportlichen Leistungen waren – trotz kurzer Vorbereitungszeit- überraschend gut. Die Partie zwischen Köln und Mainz war bisweilen mitreissend. Und Gladbach, wo die Schweizer Nationalspieler Yann Sommer, Nico Elvedi und Breel Embolo in der Startelf standen, überzeugte gegen Frankfurt. Embolo holte einen Elfmeter heraus. Einen erfolgreichen Nachmittag erlebten auch Admir Mehmedi, Kevin Mbabu und Renato Steffen. Steffen brachte Wolfsburg in Führung, Mbabu bereitete den Siegtreffer vor.

Inwiefern der ungewohnte Rahmen mit den Ergebnissen korreliert, lässt sich noch nicht sagen; in bisher acht Spielen gewann aber nur einmal die Heimmannschaft. In einem sind sich jedoch alle einig: Ist kein Publikum im Stadion, fehlt vieles. Lärm zum Beispiel. Die Ah’s und Oh’s. Fussball ist ein Spiel, das auf die Zuschauer reagiert. Und umgekehrt. Sky bot alternativ drei Tonspuren mit Fangesängen an, was den Konsum der Spiele erträglicher machte.

Die Sehnsucht war jedenfalls gross: Am Samstagnachmittag verzeichnete Sky, das die Konferenz im Free-TV zeigte und dies auch nächstes Wochenende tun wird, einen Zuschauerrekord.

Lesen Sie folgend unseren Bundesliga-Liveticker vom Wochenende.

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