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Die Bundesliga ist zurück: So verlief die Wiederaufnahme des Spielbetriebes

Gladbachs Trainer Marco Rose mit der Corona-konformen Wertschätzung für Verteidiger Oscar Wendt.

Gladbachs Trainer Marco Rose mit der Corona-konformen Wertschätzung für Verteidiger Oscar Wendt.

Nach langer Pause hat die Bundesliga als erste Spitzenliga wieder angefangen. Das sportliche Niveau der Geisterspiele war überraschend hoch, der Rahmen aber trist. Die Zusammenfassung des Tages.

Zwei Monate dauerte die Pause in der Bundesliga. Nun feierte sie ihr Comeback. Das Interesse war global und überstieg die Neugier am sportlichen Verlauf. Die Bundesliga ist eine Pionierin. Gelingt ihr der Neustart, könnte sie den Weg ebnen für andere Ligen und Wettkämpfe. Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, einer der eifrigsten Lobbyisten, sagte dem Bezahlsender Sky vor dem Spiel, er habe Nachrichten aus aller Welt bekommen.

Kein weiterer Skandal

Er dürfte die Nachrichten nach dem Spiel mit verhaltener Zuversicht beantwortet haben. Sein BVB entschied das Revierderby mit 4:0 für sich. Es war der höchste Sieg der Borussia gegen Rivale Schalke seit 54 Jahren. Watzke dürfte aber auch mit dem Ausgang der restlichen Spiele zufrieden sein. Nicht der Resultate wegen. Vielmehr, weil sie ohne neuerlichen Skandal stattfanden. Zuletzt äusserte sich der Augsburger Trainer Heiko Herrlich freimütig über seinen Einkauf von Hautcreme und Zahnpasta. Ein Fehler, schliesslich verbot das Hygienekonzept der Deutschen Fussballliga (DFL) das Verlassen der Quarantäne. Herrlich stellte sich wenige Stunden später selbst für das Spiel gegen Wolfsburg frei.

Derlei Regelverstösse blieben der DFL an diesem Samstag verwehrt. Die Spieler liefen getrennt ein und verzichteten auf die traditionellen Handshakes vor dem Anpfiff. Die Ersatzspieler sassen derweil mit über einem Meter Abstand voneinander entfernt und trugen Gesichtsmasken. Dasselbe galt für die wenigen Journalisten und Funktionäre – je acht vom Heim- und vier vom Gastteam waren zugelassen. Beim Interview vor dem Spiel standen die Trainer am Spielfeldrand, die Journalisten währenddessen auf der Tribüne.

Auch auf dem Spielfeld kam es zu gewöhnungsbedürftigen Szenen: Erling Haaland, der das erste Tor dieser denkwürdigen Runde erzielte, tanzte nach seinem Treffer zusammen mit Achraf Hakimi, der mehrere Meter entfernt stand. Freiburgs Robin Koch bejubelte seinen vermeintlichen Siegtreffer in der Nachspielzeit mit stürmischen Ellbogenschlägen. Nur die chaotische Hertha hielt sich nicht an die Jubelempfehlungen der DFL. Die Spieler umarmten sich nach den drei Toren gegen Hoffenheim.

Sportliche Qualität überraschend hoch

Ob das von Karl-Heinz Rummenigge angekündigte Milliardenpublikum vor den Fernsehgeräten Spass hatte, ist fraglich. Die Zuschauer waren allein mit den Kommentatoren. Sky bot alternativ drei Tonspuren mit Fangesängen an. Trostlos ist ein Fussballspiel ohne Publikum gleichwohl. Es fehlt der Lärm. Die Ah’s und Oh’s. Fussball ist ein Spiel, das auf die Zuschauer reagiert. Und umgekehrt.

Die sportliche Qualität war allerdings überraschend hoch. Gladbach beispielsweise schlug Frankfurt überzeugend mit 3:1. Yann Sommer, Nico Elvedi und Breel Embolo starteten für die Borussia. Letzterer holte einen Elfmeter heraus. Der Frankfurter Djibril Sow wurde zur Pause ausgewechselt. Einen erfolgreichen Nachmittag erlebten auch Admir Mehmedi, Kevin Mbabu und Renato Steffen. Steffen brachte den VfL Wolfsburg in Führung, Mbabu legte vor. Daniel Ginczek traf in der Nachspielzeit zum entscheidenden 2:1.

Morgen trifft Mainz auf Köln und die Bayern spielen in Berlin gegen Union. Wir tickern den zweiten Bundesligatag live. Den heutigen Ticker finden Sie folgend zum Nachlesen.

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