Doper sind kreativ. Kaum ist der Nachweis von unerlaubter EPO-Zufuhr deutlich verbessert worden, suchen sie nach einer Alternative, um die roten Blutkörperchen auf Maximalleistung zu trimmen.

Und sie werden nicht zum ersten Mal in der Vergangenheit fündig, bei einer uralten Substanz namens Kobalt. Das Schwermetall wird in einem Medikament gegen Blutarmut genutzt und ist der eigentliche Vorgänger von EPO.

Es wurde in der Medizin bis in die Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts häufig verschrieben. Und Kobalt ist eine Geheimwaffe der betrügenden Ausdauerathleten. Das haben Dopingtests in Deutschland ans Licht gebracht.

Die Substanz ist zwar gemäss Wada-Code seit 2015 im Sport verboten. Da es aber bisher keinen Grenzwert für den auch natürlich im Körper vorkommenden Stoff gibt, können abnormale Werte zwar erkannt, aber nicht geahndet werden.

Zuerst muss definiert werden, was denn bitte schön abnormal ist. Und das ist gar nicht so einfach. Es bedarf eines hohen statistischen Aufwands, weil die Schwankungen je nach Herkunft der Menschen unterschiedlich sind.

Bis etwa in einem Jahr erhofft man sich bei der Wada einen verlässlichen Wert. Derzeit läuft eine grosse Studie mit acht beteiligten Laboratorien. Auf Kobalt getestet werden Dopingproben aufgrund der fehlenden Bestrafungsmöglichkeit selten.

Die deutsche Anti-Doping-Agentur und der internationale Radsportverband sind löbliche Ausnahmen. Gesperrt wurde weltweit erst ein Athlet wegen Kobalt: 2015 der österreichische Langläufer Harald Wurm. Ganz einfach deshalb, weil man das Medikament bei einer Hausdurchsuchung gefunden und er den Konsum daraufhin zugegeben hat.

Gesund ist die Einnahme für gesunde Sportler keinesfalls. Es ist zwar hocheffektiv und wird im Gegensatz zu EPO, das gespritzt werden muss, oral eingenommen. Im Internet kann Kobalt problemlos bestellt werden. Bei den festgestellten Mengen im Körper von Athleten stellt die Verwendung ein grosses medizinisches Risiko dar.

Das Anti-Doping-Labor in Köln hat seit 2015 eine beachtliche Zahl von Proben mit mehr als verdächtig hohen Kobalt-Werten festgestellt. Diese werden auf Geheiss der Anti-Doping-Agentur tiefgefroren gelagert.

Es ist eine Art tickende Zeitbombe für Doper. Denn sobald die Wada den Grenzwert festgelegt hat, öffnet sich die Tür zum Gefrierschrank. Und so mancher Sportler muss damit rechnen, dass der Schuss seiner vermeintlichen Geheimwaffe nach hinten losgeht und er dannzumal für vier Jahre aus dem Verkehr gezogen wird.