Analyse
Die Schweiz braucht Nachfolger von Dario Cologna und Simon Ammann als Vorbilder im Nordischen Skisport

Wie sieht die Zukunft des Nordischen Skisports nach dem letzten WM-Auftritt der beiden langjährigen Aushängeschilder aus?

Rainer Sommerhalder
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Dario Cologna (Mitte) hielt über 50 km lange mit den Allerbesten mit.

Dario Cologna (Mitte) hielt über 50 km lange mit den Allerbesten mit.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Für Dario Cologna und Simon Ammann war es ein Abschied. Die zwei dominierenden Persönlichkeiten des Nordischen Skisports in der Schweiz erlebten in Oberstdorf die letzten Weltmeisterschaften ihrer Karriere. Zwei lebende Legenden, die ihre Sportarten seit 15 und mehr Jahren prägten. Je viermal gewannen sie olympische Goldmedaillen.

Das ist nicht nur ein Schweizer Rekord für zumindest die halbe Ewigkeit. So etwas hat weltweit im Wintersport Seltenheitswert. Zum Vergleich: Die norwegische WM-Goldsammlerin Therese Johaug lief zwar in den vergangenen zehn Tagen alle in Grund und Boden. Auf einen Einzelsieg bei Olympia wartet die 32-Jährige aber noch.

Cologna und Ammann lieferten bei ihrer WM-Dernière jene Leistungen ab, die aufgrund der jüngsten Eindrücke zu erwarten waren. Cologna zeigte im abschliessenden Rennen über 50 km noch einmal, dass er auch mit 34 Jahren weiterhin zur Langlauf-Weltspitze zählt. Dass zwei zehnte Plätze keine Begeisterungsstürme entfachen, liegt an den vergangenen Erfolgen und den eigenen Erwartungen des Ausnahmekönners. Doch der letzte grosse Sieg Colognas liegt drei Jahre zurück: Olympiagold in Pyeongchang.

Cologna darf sich eine Medaille zum Ziel setzen

Der Bündner wird nichts unversucht lassen, um bei den Winterspielen im kommenden Jahr in Peking nochmals um die Medaillen mitlaufen zu können. Sein Comeback auf dem Podest beim letzten Grossanlass als Sportler wäre jedoch eine faustdicke Überraschung. Trotzdem ist eine weitere Olympiamedaille keine Illusion. Die Schweizer Staffel darf sich diese Vorgabe als realistisches Ziel setzen.

Weiter weg von einem letzten grossen Halleluja ist Simon Ammann. Zwar ist es bewundernswert, wenn ein knapp 40-Jähriger als WM-Fazit vom Weg spricht, der vor ihm liege und dass er seine Defizite im Sprung ausmerzen wolle. Aber die ewige Suche nach dem perfekten Flug wird bei Ammann höchstwahrscheinlich unvollendet bleiben.

Mit Cologna und Ammann verliert der Nordische Skisport die Galionsfiguren, die einer ganzen Generation als Vorbild dienten, die das Interesse der Öffentlichkeit, der Medien und der Sponsoren auf Langlauf und Skispringen richteten. Noch zehren die Sportarten von dieser glorreichen Vergangenheit. Und von einzelnen Exploits. In Oberstdorf war es Silber im Teamsprint durch Nadine Fähndrich und Laurien van der Graaff. Vor zwei Jahren gewann Skispringer Killian Peier die einzige Schweizer WM-Medaille.

Um in der Schweiz im Schatten des alles dominierenden alpinen Skisports nicht in Vergessenheit zu gelangen, bedarf es mehr. Es braucht Figuren, die mit ihren Leistungen und ihrem Charisma als Vorbilder taugen. Es ist die Suche nach Dario Colognas und Simon Ammanns Nachfolgern. Es gibt einzelne Athleten im Nachwuchsbereich, die das gewisse Extra mitbringen. Aber sie stehen erst am Anfang ihrer Entwicklung.

Es muss nicht die schwierige Suche nach einem Jahrhunderttalent sein. Gefragt sind Leuchttürme mit Signalwirkung. In knapp zehn Jahren will die Schweiz erstmals eine Nordische Ski-WM austragen. Diese Gelegenheit gilt es zu nutzen. Bestes Beispiel ist die Leichtathletik-EM 2014 und was dank geschickter Fördermassnahmen daraus entstanden ist.

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