Leichtathletik-WM

Die Schweizer Leichtathletik war noch nie so stark: Fünf Erkenntnisse nach der Weltmeisterschaft in Doha

Sie überstrahlt alles: Mujinga Kambundji und ihre Bronzemedaille gehören zu den grossen Highlights der vergangenen WM in Doha.

Nie enden wollende Diskussionen um Menschenrechte, zwei Weltrekorde, Wirbel um Alberto Salazar, erfreuliche Leistungen der Schweizer und Athleten, die noch einmal über die Bücher müssen. Fünf Erkenntnisse einer Weltmeisterschaft in Katar, die wie keine Titelkämpfe zuvor für Turbulenzen sorgte.

#1 WM in Katar – eine eher ethische als technische Frage

Die herausragenden Leistungen der Athleten im Stadion zeigen, dass es in Katar möglich ist, Sportwettkämpfe auf technisch höchstem Niveau durchzuführen. Die vorhergehenden Weltmeisterschaften etwa im Kunstturnen, Radsport oder Schwimmen bestätigen dies. Die Sportverbände müssen sich im Zusammenhang mit den wiederkehrenden Titelkämpfen in Doha vielmehr ethischen Fragen stellen: Kann man Menschenrechte für einen Sportanlass einfach so ausblenden? Entsprechen gekühlte Stadien dem ökologischen Zeitgeist? Will man durch die geballte Ladung von Sport die politische Agenda eines Landes derart massiv unterstützen?

Das Khalifa Stadion in Doha begeistert mit seiner Architektur - doch zu welchem Preis und auf wessen Kosten wurde es erbaut?

Das Khalifa Stadion in Doha begeistert mit seiner Architektur - doch zu welchem Preis und auf wessen Kosten wurde es erbaut?

#2 Die Leichtathletik bleibt das Aushängeschild bei Olympia

Die Show der Weltbesten war formidabel. Und das zu einem Zeitpunkt im Jahr, wo die Athleten normalerweise Ferien machen. Zwei Weltrekorde, an die 20 Weltjahresbestleistungen sowie sieben WM-Rekorde machen Doha zu einem der qualitativ besten Titelkämpfe der Geschichte. Besonders faszinierend die vielen ebenso knappen wie hochstehenden Duelle Mann gegen Mann oder Frau gegen Frau sowie die Vielfalt der Leichtathletik auf Weltniveau. 43 Nationen gewannen mindestens eine Medaille. Die Sportart darf im Hinblick auf Tokio 2020 zu Recht für sich in Anspruch nehmen, Höhepunkt der Olympischen Sommerspiele zu sein.

Hürdenläuferin Dalilah Muhammad hat allen Grund zum Strahlen: Die US-Amerikanerin stellte einen neuen Weltrekord auf.

Hürdenläuferin Dalilah Muhammad hat allen Grund zum Strahlen: Die US-Amerikanerin stellte einen neuen Weltrekord auf.

#3 Der Dopingverdacht begleitet herausragende Leistungen

Der internationale Leichtathletikverband hat ein für den gesamten Sport vorbildliches System der Dopingbekämpfung entwickelt. Seit zwei Jahren kümmert sich ein unabhängiges Gremium um Doping und ethische Fragen rund um den Verband. 113 Eliteathleten wurden seither überführt. Dass ausgerechnet während der WM mit eine Trainerikone der Laufszene verurteilt wurde, gibt dem ewigen Verdacht gegen herausragende Leistungen aber neue Nahrung. Erst recht, weil es auch Salazars Schützlinge waren, die mit ihren Darbietungen in Doha für Stirnrunzeln sorgten. Derzeit besonders im Fokus: die Mittel- und Langstrecken.

Auch Alberto Salazar und sein Dopingskandal waren in aller Munde.

Auch Alberto Salazar und sein Dopingskandal waren in aller Munde.

#4 Schweiz trotz Fehlstart so breit aufgestellt wie noch nie

Mit der Medaille von Mujinga Kambundji, sechs Plätzen in den Top 10 und drei Schweizer Rekorden hat das Team von Swiss Athletics mehr als erfüllt. Umso erstaunlicher ist diese beeindruckende Breite, weil der WM-Auftakt gehörig in die Hosen ging. Am ersten Tag fielen von den sieben eingesetzten Athleten deren sechs teilweise sang- und klanglos durch. Danach sorgten Nebenschauplätze wie dreckige Hotelzimmer oder schlechtes Essen für Unruhe. Das Schweizer Team bewies jedoch, dass es inzwischen derart gut aufgestellt ist, um solche Negativereignisse wegstecken zu können. Erfreulich vor allem auch die Leistungen der U23-Generation.

Alex Wilson konnte in Doha nicht wie erhofft auftrumpfen. Für das mit seiner Breite beeindruckende Team von Swiss Athletics war das kein Problem.

Alex Wilson konnte in Doha nicht wie erhofft auftrumpfen. Für das mit seiner Breite beeindruckende Team von Swiss Athletics war das kein Problem.

#5 Einige Aushängeschilder müssen über die Bücher

Sie verbindet, dass sie allesamt bereits Medaillen an Grossanlässen gewonnen haben. Doch das Trio Kariem Hussein, Selina Büchel und Alex Wilson kam nach jeweils schwierigen Saisons beim Höhepunkt nicht wie gewünscht auf Touren. Ihre Leistungen waren schlicht enttäuschend. Dasselbe gilt für den jungen Langstreckenläufer Julien Wanders. Er hingegen hat heuer durchaus Grossartiges geleistet, Schweizer, Europa- und Weltrekord aufgestellt. Um noch einen «Nuller» bei Grossanlässen zu verhindern, muss das Quartett im Hinblick auf Tokio 2020 über die Bücher.

Kariem Hussein konnte an der WM nicht glänzen. Er muss - wie so viele andere - nach Doha über die Bücher.

Kariem Hussein konnte an der WM nicht glänzen. Er muss - wie so viele andere - nach Doha über die Bücher.

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