Basketball
Die nächste Playoff-Überraschung ist wahr: Die Starwings besiegen auch Neuchâtel

Die Birsfelder Basketballer gewinnen nach der Sensation gegen Genf auch Spiel 1 des Playoff-Halbfinals in Neuchâtel mit 91:88. Und das obwohl weiterhin nur sechs Spieler einsatzfähig sind.

Georges Küng
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Starwings-Topskorer Deondre Burns steuerte gestern in Neuchâtel 29 Punkte bei.

Starwings-Topskorer Deondre Burns steuerte gestern in Neuchâtel 29 Punkte bei.

Bild: Keystone

Seit dem letzten Sonntag weiss man, dass im Schweizer Basketball alles möglich ist. Die Qualifikation der Starwings für das Halbfinale, verbunden mit dem Ausscheiden des Titelfavoriten Les Lions de Genève, ist hiefür Beweis genug.

Im nationalen Basketball sind auch andere Dinge möglich, die eigentlich unmöglich sein sollten. Weil die Anlage, samt Matchuhr und Skoretafel, defekt war, musste eine Ersatzanlage beschafft und montiert werden. So begann die Partie gestern nicht um 20 Uhr, sondern erst um 20.40 Uhr, sodass sich beide Teams über eine Stunde lang einspielen und warmlaufen konnten.

Was die Starwings dann aber zeigten, verdient Superlative. Wohl lag in den ersten 20 Minuten stets der Gastgeber in Führung, doch die vier ausländischen Profispieler und die zwei Schweizer (Sébastien Davet und Vid Milenkovic) liessen sich nie entscheidend distanzieren.

Und wer geglaubt hätte, dass «die letzten Mohikaner» irgendwann einbrechen würden, sah sich getäuscht. Nach 25 Minuten lag der Gast aus Birsfelden mehrheitlich in Führung – zeitweise mit sechs Punkten. Doch Union, das auf die Playoffs hin massiv aufgerüstet hatte, blieb dran. Vor allem, weil Xavier Ford unverschämt gut spielte. Ob Distanzwürfe oder Korbdurchbrüche – der kräftige Amerikaner, der in Frankreich bereits brilliert hatte und vor drei Monaten in die Schweiz gekommen war, war nicht zu stoppen.

Aber auch das Deutschschweizer Aushängeschild hatte seine Antworten. Matt Milon, ein begnadeter Distanzwerfer, war «on fire». Und Deondre Burns war schlichtweg phänomenal. Dieser Mann zeigte auch gestern ein Repertoire, das in der Schweiz seinesgleichen sucht. Wohl hatte Cheikh Sane diesmal unter den Brettern mehr Mühe, weil der Gastgeber – als Beispiel – als 9. Mann einen 213 Zentimeter langen Amerikaner Daniel Giddens ins Spiel bringen konnte. Sein Pendant auf «Wings»-Seite ist ein Gymnasiast, der auf die Matura lernt und deshalb nicht mit nach Neuenburg konnte.

Die Endphase war dramatisch, doch die Starwings, grandios von Cheftrainer Dragen Andrejevic geführt, blieben überlegt, liessen sich zu keinen Fouls provozieren und spürten, dass die Vollprofis der Romands am Verzweifeln waren.

Der Topskorer behält in der Schlussphase die Nerven

Starwings-Topskorer Deondre Burns behielt in der Schlussphase, als Neuchâtel sich noch einmal aufmachte, den Rückstand doch noch auszugleichen, die Ruhe. Er hielt den Ball, penetrierte und schloss ab und war auch von der Freiwurflinie stoisch sicher. Auch Milon war in dieser Phase phänomenal, sodass es nicht ins Gewicht fiel, dass Nathan Krill «nur» gut, aber nicht überragend spielte.

Noch immer ist Neuchâtel der Favorit. Aber sie werden am Freitagabend in Birsfelden gewinnen müssen. Ansonsten steht der Liga-David im Finale. Das wäre wirklich unfassbar.

Das Telegramm

Union Neuchâtel – Starwings 88:91 (42:38)

Riveraine. - 50 Zuschauer. - SR: Michaelides/Herbert/Balletta.

Neuchâtel: Colon (4), Taylor (21), Ford (23), Martin (2), Carter (16); Fofana (11), Granvorka (2), Anabir, Giddens (9), Kübler; Caputo, Chokoté.

Starwings: Milenkovic (10), Burns (29!), Milon (27!), Davet (13), Sane (9); Krill (3),

Bemerkungen: Neuchâtel komplett. - Starwings ohne Haile, Kostic, Vranic, Weibel (alle verletzt), Fasnacht, Pausa (beide Schule/Studium) sowie Fuchs (Rück­tritt). – Viertelsresultate: 26:18, 16:20 (42:38); 22:23 (64:61) und 24:30 (88:91). – Mit fünf Fouls aus­geschieden: 39. Taylor. – Fouls: Neuchatel 26, Starwings 14.