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Die Welt von Luzerns Blessing Eleke ist geprägt von Zeichen einer höheren Macht

Wer hat in Luzern das Sagen? Blessing Eleke schnappt sich vor einem Jahr im Joggeli den Ball. Den Elfmeter wird er verwandeln.

Wer hat in Luzern das Sagen? Blessing Eleke schnappt sich vor einem Jahr im Joggeli den Ball. Den Elfmeter wird er verwandeln.

Stürmer Blessing Eleke wollte Luzern im Sommer verlassen. Doch wie so oft im Leben des Nigerianers trifft nicht er die Entscheidungen sondern seine Manager oder Gott.

«Hey Bro.» Blessing Eleke erscheint mit 45 Minuten Verspätung zum Gespräch. Das ist nicht seine Schuld, denn nach einer Oberschenkelblessur waren nach dem Training noch kurzfristig Extraschichten im Kraftraum und in der Massage nötig. Doch das Warten lohnt sich. Denn der 23-jährige Nigerianer macht seinem Ruf als Paradiesvogel, der die Dinge etwas anders sieht, alle Ehre.

Schon das Outfit gibt zu reden. Auf seinem weissen Shirt, das Eleke als Promo geschenkt bekommen hat, steht unter dem Schriftzug einer Modemarke in orangenen Lettern «Basel». Erst als er an sich herunterblickt, erkennt Eleke den Fauxpas. «Ach, das Shirt trage ich nur, weil ich es von einem Modelabel erhalten habe, deren Laden sich in Basel befindet», murmelt er dann und lacht. Dabei passt dieser Zufall gleich doppelt gut. Zum einem, weil Eleke mit dem FC Luzern am Sonntag im Joggeli gegen Basel spielt. Und zum anderen weil der Boulevard Eleke im Sommer als Ajeti-Ersatz beim FCB ins Gespräch brachte. «Gerüchte entstehen, wenn man den Leuten nicht sagt, was sie hören wollen. Das beschäftigt mich nicht», sagt Eleke nur. Vom Interesse des FCB hat er nie etwas gehört und auch FCB-Sportchef Ruedi Zbinden gab unlängst zu, dass Basel bei der Stürmersuche in der Schweiz nicht fündig wurde.

Keiner wollte den Preis für Eleke zahlen

Statt Basel gab es mit Galatasaray, Birmingham oder Brescia andere Interessenten für den mit 13 Treffern Luzerner Toptorschützen der abgelaufenen Saison. Doch Eleke wurde nicht verkauft, weil keiner den geforderten Preis von vier bis fünf Millionen Franken zahlen wollte. Wenn er selber hätte entscheiden können, wäre der Nigerianer gegangen. «Es war sicher interessant. Aber Gott wollte nicht, dass es soweit kam und das ist auch in Ordnung.»

Der streng gläubige Eleke erklärt sich so ziemlich alles mit Gott. Sein Leben war schon früh fremdbestimmt. Mit 16 nimmt ihn sein Onkel von seinem Geburtsort Aba mit in die Hauptstadt Lagos, weil sein fussballerisches Talent dort eher entdeckt werden könnte. Mit 17 fällt er bei einem Testspiel dem Manager der Fussballakademie Flying Sports auf. Diese wurde von Italienern aufgebaut, die dort die besten nigerianischen Talente nach Europa bringen wollen. Eleke wird mit 18 dreimal nach Italien geschickt. In Mailand, Parma und Sassuolo gibt es aber keinen Platz für ihn. Eines Tages sagte ihm der Akademie-Manager dann, dass man in Slowenien einen Klub für Blessing gefunden habe, der für seine Entwicklung besser sei als Italien. «Ich wusste nicht einmal, wo Slowenien ist. Aber alles geschieht aus einem Grund. Die Manager machten die Entscheidung für mich. Ich hatte keine anderen Optionen und hätte alles gemacht, um in Europa Fussball zu spielen.»

Seit fünf Jahren lebt Eleke fern der Heimat. Die Eingewöhnung war schwierig: «Das kalte Klima, die andere Mentalität.» Doch sportlich lief bisher alles nach Plan. Eleke wechselte dreimal den Verein. Erst innerhalb Sloweniens, dann nach Israel und schliesslich nach Luzern. Für den Stürmer wurde es fast schon zur Gewohnheit, im Sommer bei einem neuen Verein zu spielen. Doch jetzt wurde ihm der nächste Wechsel verwehrt. «Dieser Sommer war nicht einfach. Alle dachten, Blessing geht zu einem grösseren Klub, doch Gott sagte, es ist noch nicht an der Zeit.»

Eleke habe Zeichen empfangen. So zum Beispiel nach dem Hinspiel gegen Espanyol Barcelona in der Europa-League-Quali. Zu diesem Zeitpunkt liefen Gespräche mit anderen Klubs. Eleke spielte schlecht, Luzern verlor mit 0:3 und der Nigerianer verschwand nach Abpfiff direkt in der Umkleide, statt sich bei den Fans zu bedanken. «Das waren so viele Zeichen einer höheren Macht auf einmal. Ich musste mich zurückziehen und realisieren, dass die Zeit für einen Wechsel noch nicht gekommen ist.»

Abhängigkeit von einer Extrawurst

Die Vergangenheit hat Eleke nach eigener Aussage abgehakt: «Blessing ist immer noch Blessing. Er arbeitet hart und will täglich besser werden.» Seine Rolle in der Mannschaft ist immer noch die gleiche: «Ich muss Tore schiessen, dann sind alle happy – auch ich.» Trotzdem eckt Eleke in Luzern immer wieder an. Schlechte Körpersprache, Kopfschütteln in der Mannschaftssitzung oder ein verweigerter Handschlag mit Trainer Thomas Häberli nach einer Auswechslung im Cup sind nur drei Beispiele.

Auch seine Mitspieler werfen ihm gelegentlich vor, dass er den Ball gerne zu lange hält und nicht auf Anweisungen hört. Barcelona-Fan Eleke erklärt das in Anlehnung an sein Idol Lionel Messi so: «Im Spiel müssen meine Gedanken frei sein, dann kann ich meine beste Leistung zeigen. Offensivspieler sind kreativ und brauchen Raum um sich zu entfalten. Im Training will ich Tipps erhalten, wie ich mich und mein Spiel verbessern kann. Aber im Spiel brauche ich Freiheiten, um genau das umzusetzen.» Das habe er auch Thomas Häberli so gesagt.

Auf Elekes Charakter angesprochen sagt der Coach: «Ich bin froh, einen Spieler mit seinen Qualitäten im Team zu haben, und verzichte deswegen natürlich nicht auf Blessing.» Häberli sagt aber auch: «Kein Spieler kann sich bei uns eine Extrawurst erlauben – auch er nicht.» Doch genau diese Extrawurst nimmt sich der Nigerianer ab und zu heraus.

Ex-Trainer René Weiler liess ihn machen. «Er verstand mich», sagt Eleke. Mit Häberli hat er zwar auch ein «gutes Verhältnis», aber er sei ein «ganz anderer Trainer». Darauf angesprochen, ob Eleke seinen bis 2022 laufenden Vertrag in Luzern erfüllt, lacht er nur und sagt dann: «Nein. Aber das wäre ja auch gut für den Verein, um Geld zu verdienen.» Und wenn Luzern Sie nicht verkaufen will? «Wenn solche Dinge passieren sollten, hat Gott einen Grund dafür. Es ist aber für alle Menschen besser, nichts zu machen, was man nicht machen sollte.» Besten Dank für das Gespräch. «No problem, Bro.»

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