Velorennen
Ein Hauch von Olympia am GP Oberbaselbiet in Zunzgen

Bei der 16. Ausgabe des GP Oberbaselbiet findet sich eine Olympionikin im Starterfeld. Marlene Reusser lässt ihren Gegnerinnen keine Chance und gewinnt überlegen.

Esteban Waid
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Marlene Reusser rauscht in Zunzgen um eine Kurve und ist allein auf weiter Flur.

Marlene Reusser rauscht in Zunzgen um eine Kurve und ist allein auf weiter Flur.

Wer am Sonntag durch Zunzgen fuhr, konnte das stattfindende Sport-Event eigentlich kaum verpassen. Die lauten «Hopp-Hopp»-Rufe der Zuschauenden, die Velofahrerinnen und Velofahrer, die durch die engen Strassen jagten, oder die unzähligen Streckenposten am Strassenrand: Sie alle lieferten einen Hinweis darauf, dass in Zunzgen zum 16. Mal der GP Oberbaselbiet stattfand.

Olympisches Flair nach der Pause

Bei der Rückkehr nach einem Jahr Pause wegen der Pandemie sorgten die Veranstalter sogar für ein echtes Highlight, das man nicht nur sehen, sondern auch hören konnte. Mehr als einmal schallte der Name Marlen Reusser durch die Lautsprecher an der Start- und Zielgeraden. Sie war der unumstrittene Star des Tages, das war schon vor dem Rennen klar.

Noch vor eineinhalb Wochen startete Reusser nämlich in Tokio an den Olympischen Spielen. Und dort war sie erfolgreich. Beim Einzelzeitfahren holte die 29-jährige Bernerin die Silbermedaille für die Schweiz und sorgte dadurch international für Aufsehen.

Von der Weltbühne Olympia ging es dann aber schnell wieder zurück in die Schweiz, ins beschauliche Zunzgen.

«Ich bin in letzter Zeit nur die grossen internationalen Rennen gefahren. Ich hatte am Mittwoch ein kleines regionales Rennen und jetzt hier national. Es macht Spass, mal unter sich zu sein und nicht in einem derart internationalen Umfeld»

, sagte Reusser kurz nach dem Rennen. Das persönliche Umfeld führte letztendlich auch dazu, dass Reusser überhaupt in Zunzgen an den Start ging.

Die Teilnahme Reussers war lange geplant

OK-Präsident Andreas Wild und seine Frau Graziella kennen die Fahrerin schon seit einigen Jahren und stehen in Kontakt mit ihr. «Ich habe sie schon bei einem Rennen im Juni in Thun angesprochen.

Auch wenn es nicht mehr Olympia ist, Marlene Reusser ist voll konzentriert.

Auch wenn es nicht mehr Olympia ist, Marlene Reusser ist voll konzentriert.

Juri Junkov / bz Zeitung für die Region

Dort hat sie schon durchblicken lassen, dass sie sehr gerne kommen möchte», erklärt Andreas Wild. Am Ende spielte auch ihr Team mit, sodass Reusser zum ersten Mal ins Oberbaselbiet kommen konnte. Zugesagt hatte sie aber schon einmal. Bereits 2019 wollte Reusser an gleicher Stelle starten, wurde aber von einer Verletzung ausgebremst. Als Olympia-Medaillenträgerin hat es dann endlich funktioniert.

Die Fahrerinnen erwartete eine neue Strecke

Neu war auch die Strecke in diesem Jahr, die wegen der Unwetter der letzten Wochen umgelegt werden musste. So ging es statt über die Hauptstrasse durch das Industriequartier von Zunzgen. Marlene Reusser schien die Ersatzstrecke allerdings zu gefallen.

«Es ist eine sehr technische Strecke. Es geht auf und ab und links und rechts. Für mich war das sehr spannend, weil ich nicht die beste Technikerin bin. Es war also mit viel Adrenalin und Interesse Verbunden. Ich hatte Spass daran»,

sagte Marlene Reusser.

Ein Duell hinter der einsamen Spitze

Dass sie aber nicht nur Spass hatte, sondern auch die beste Fahrerin im Feld war, machte sich schnell bemerkbar. Nach der ersten Runde fuhr Reusser noch zusammen mit ihren Verfolgerinnen, liess ihnen sogar teilweise den Vortritt, allen voran der deutschen Kathrin Hammes, die schon vor zwei Jahren den zweiten Platz in Zunzgen holen konnte.

Aber schon nach zwei Runden sorgte die Bernerin für klare Verhältnisse. Erst setzte sie sich noch mit 17 Sekunden ab, nach vier Runden waren es schon 1:33 Minuten.

Noch sind alle Fahrerinnen nah bei Marlene Reusser. Bei der Zieleinfahrt ist si dann aber alleine.

Noch sind alle Fahrerinnen nah bei Marlene Reusser. Bei der Zieleinfahrt ist si dann aber alleine.

Juri Junkov / bz Zeitung für die Region

Während die Olympiateilnehmerin einsam ihre Kreise drehte, lieferten sich immerhin Kathrin Hammes und Frances Janse van Rensburg ein spannendes Duell über die gesamten neun Runden. Der Vorsprung von Marlen Reusser wuchs aber stetig an. Am Ende leuchtete die Zeit von 1:50:20 auf der Zeittafel. Ihre Verfolgerinnen kamen drei Minuten und 51 Sekunden später ins Ziel, Hammes schaffte es im letzten Sprint auf Platz Zwei.

«Meine Leistung war sicher nicht schlecht, aber es ist schwierig eine Aussage zu treffen, weil es kein spitzenmässig besetztes Feld war. Es war zu erwarten, dass ich sicher zu den besten Fahrerinnen gehöre», erklärte eine zufriedene Reusser nach der Siegerehrung.

Auch die Zukunft soll Titel bringen

Ihr nächstes Ziel ist aber jetzt schon klar. Im September findet die Weltmeisterschaft in Flandern statt. Auf der grossen internationalen Bühne peilt sie selbstbewusst den Titel an, wie sie den anwesenden Zuschauerinnen und Zuschauern im Siegerinterview verkündete.

Auch eine erneute Teilnahme in Zunzgen im nächsten Jahr schliesst Reusser nicht aus. «Wenn es von meinem Terminkalender passt, dann komme ich auf jeden Fall», sagt sie mit einem Lächeln. Vielleicht hat sie bis dahin auch einen weiteren Titel im Gepäck. Die Haupt­attraktion wäre sie bestimmt.

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