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Ein magischer Abend als Antwort auf die Kritik: «Wir alle wissen, was Yann Sommer für uns bedeutet!»

Der Held des Abends. Yann Sommer rettet der Schweiz das Unentschieden gegen Spanien.

Der Held des Abends. Yann Sommer rettet der Schweiz das Unentschieden gegen Spanien.

Zwei Penaltys von Sergio Ramos gehalten. Und damit die Schweiz vor dem vorzeitigen Abstieg gerettet. Es ist nach schwierigen Monaten ein Zeichen der Stärke von Nati-Torhüter von Yann Sommer.

Es hätte der grosse Abend des Sergio Ramos werden können. Das Festmahl lag auf den Tisch. Ramos hätte nur noch zupacken müssen. Die 177. Partie für Spanien bestritt Ramos in Basel, der 34-Jährige ist damit neu Europas Rekordhalter, was Länderspiele angeht. Ramos verhinderte zuerst das zweite Schweizer Tor auf der Linie, dann durfte er vom Elfmeterpunkt anlaufen. Einmal. Zweimal. Doch er scheiterte doppelt. Und plötzlich wurde aus dem Abend von Ramos jener von Yann Sommer.

Mit 177 Länderspielen neuer Rekordhalter Europas: Sergio Ramos.

Mit 177 Länderspielen neuer Rekordhalter Europas: Sergio Ramos.

Das Lächeln wollte dem Schweizer Torhüter gar nicht mehr vom Gesicht weichen. «Das ist schon geil», entfuhr es ihm, als er direkt nach dem Spiel darauf angesprochen wurde, dass Ramos in seiner gesamten Karriere erst drei Penaltys verschossen hatte. Und er erzählte davon, wie er sich bereits vor einigen Wochen mit Ramos und seinen Penalty-Gewohnheiten beschäftigte, weil Sommer mit Mönchengladbach in der Champions League auf Real Madrid traf. «Ich glaube, den zweiten wollte er chippen. Man schaut ja als Goalie die Elfmeterschützen immer auch an.»

Nationaltrainer Vladimir Petkovic sagte nach dem Spiel: «Gegen Ramos einen Penalty zu halten, ist schon fast unmöglich. Aber zwei? Das ist ein Wunder. Ich denke, das wird ­Ramos nie mehr passieren.»

«Ein Wunder,» nennt Nati-Trainer Petkovic Sommers Paraden.

«Ein Wunder,» nennt Nati-Trainer Petkovic Sommers Paraden.

In frühen Jahren seiner Karriere hatte Sommer den Ruf des Penalty-Hexers. Beim FC Basel hielt er immer wieder Elfmeter. Unvergessen, wie er den FCB 2013 im Viertelfinal der Europa League gegen Tottenham im Penaltyschiessen in den Halbfinal führte. Doch seit seinem Wechsel zu Mönchengladbach nahmen Sommers Erfolgserlebnisse gegen Elfmeterschützen drastisch ab. Auch an der EM 2016 gegen Polen gelang ihm keine Parade. Nun, nach sechs Jahren als Nati-Torhüter schaffte er es endlich, für die Schweiz einen Penalty abzuwehren. Der Zeitpunkt passt, dank dem 1:1 gegen Spanien hat die Schweiz nun gegen die Ukraine die späte Chance, den Abstieg aus der Liga A der Nations League doch noch zu verhindern. Ein 1:0 oder 2:1 reicht bereits.

Steven Zuber sagt: «Wir wissen alle, was er uns bedeutet»

Steven Zuber sagt: «Wir wissen alle, was er uns bedeutet»

Allzu grosse Feierlichkeiten gab es nach dem emotionalen Abend indes nicht. Dafür waren Spieler und Torhüter schlicht zu müde. Die Mannschaft fuhr ins Hotel in Basel, es gab ein spätes Essen und danach zogen sich die fast alle sofort aufs Zimmer zurück. «Schliesslich haben wir ja noch was vor!» So sagte das Steven Zuber am Sonntag.

Zuber liess die Gelegenheit nicht aus, Sommer ein kräftiges Lob auszusprechen. «Er hatte und hat in unserem Team jederzeit von allen die Unterstützung. Wir alle wissen, was er kann. Und vor allem, was er für uns bedeutet. Es ist toll, dass dies wieder einmal für alle sichtbar wurde. Es wird ihm gut tun.»

Kann Schweiz-Ukraine wirklich stattfinden?

Dass Zuber so über seinen Torhüter spricht, hat durchaus seinen Grund. Denn bis anhin ist es nicht die Saison von Yann Sommer. Nicht in der Nati. Und auch nicht in der Bundesliga. Gleich zweimal war er in dieser Nations-League-Kampagne an entscheidenden Gegentoren beteiligt. Beim 1:2 in der Ukraine. Und auch beim 0:1 in Spanien. Derweil sind seine Statistiken in der Bundesliga einiges schlechter geworden als in der letzten Saison, wo er von den Profis noch zum besten Torhüter Deutschlands gewählt wurde. «Brutal abgestürzt!», schrieb die «Bild». Der «Blick» übernahm den Steilpass genüsslich.

Zumindest, was die Nati betrifft, hat Sommer in entscheidenden Partien stets überzeugt. Das war in wichtigen Qualifikationsspielen so. Und das war vor allem an den Endrunden so, der EM 2016 und der WM 2018. Für Petkovic ist darum klar: «Ich habe es schon mehrfach betont: Es gibt keinen <Fall Yann!> Es gibt in einer Karriere Momente, wo man das eine oder andere unnötige Tor kassiert. Aber er hat einen wahnsinnig starken Charakter.» Es gibt auch Ende 2020 keine Indizien, dass die Schweizer in irgendeiner Art ein Goalie-Problem haben könnte. Es ist sehr gut möglich, dass Sommer noch bis und mit der WM 2022 in Katar Stammtorhüter bleibt, und danach der jüngeren Generation Platz macht.

Torschütze bedankt sich bei Assistgeber: Remo Freuler spielte sich gegen Spanien erneut in den Vordergrund.

Torschütze bedankt sich bei Assistgeber: Remo Freuler spielte sich gegen Spanien erneut in den Vordergrund.

Neben Sommer spielte sich bei diesem mitreissenden Duell mit Spanien von den Schweizern erneut Remo Freuler in den Vordergrund. Er zeigte, nicht nur wegen seines wunderbaren Treffers, dass er definitiv in der Nati angekommen ist. Es hat einige Zeit gedauert bis dahin. Doch nun versteht er sich mit Captain Granit Xhaka immer besser. Das Duo ergänzt sich toll. Und es kommt Freuler zu Gute, dass er seit der Rückkehr Shaqiris etwas mehr Platz im defensiven Mittelfeld vorfindet. Er kann sich dadurch besser entfalten, vergisst aber gleichwohl nicht, die Läufe nach vorne mitzumachen. Vor dem Tor gegen Spanien traf er bereits gegen Deutschland sehenswert.

Fällt wegen Corona aus: Silvan Widmer. Die Frage lautet nun: Gibt es in der Nati weitere Fälle?

Fällt wegen Corona aus: Silvan Widmer. Die Frage lautet nun: Gibt es in der Nati weitere Fälle?

Nach Sommers magischer Nacht folgt nun das Spiel gegen die Ukraine – voraussichtlich jedenfalls. Die nächsten Corona-Tests stehen für die Nati bereits am Montag wieder an. Und ganz auszuschliessen sind neue Fälle nicht. Schliesslich waren Silvan Widmer und Athletik-Trainer Oliver Riedwyl, die positiv getestet wurden, tagelang beim Team.

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