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Ein Remis reicht: Der FC Basel sichert sich mit dem 1:1 gegen Nikosia das europäische Überwintern

Mit einem erkämpften 1:1 bei Omonia Nikosia sichert sich der FC Basel am 4. Spieltag das europäische Überwintern.

Céline Feller aus Nikosia
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Vor dem Spiel ahnt noch keiner, welches Spektakel in den kommenden 90 Minuten der FCZ und der FCB abliefern würden.
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Die FCB-Fans zünden bereits vor Anpfiff. Es wird nicht das letzte Mal sein.
Augen zu und durch: Der Klassiker startet intensiv und ohne Abtasten.
Der FC Basel ist oftmals einen Schritt schneller, hier beispielsweise Arthur Cabral.
Auch Dan Ndoye enteilt seinem Gegenspieler. Doch der FC Zürich hält dagegen.
Blerim Dzemaili bittet Arthur Cabral zum Tanz. Der FCB schwingt in der ersten Halbzeit obenauf.
Denn der FCB hat die besseren Chancen. Liam Millar scheitert an Yanick Brecher.
Der FCZ kommt auch zu Chancen, doch sie sind bei Weitem nicht so gefährlich.
Und dann kommt der grosse Auftritt von Arthur Cabral. Er legt sich den Ball zurecht...
... schiesst aus grosser Distanz...
... und jubelt über seinen Prachtstreffer zum 1:0.
Mit ihm jubeln die Basler über die verdiente Führung gegen den FC Zürich.
Nach der Pause ist es nicht nur umkämpft, sondern auch spektakulär.
Nikola Boranijasevic geht im Strafraum vergessen und erzielt den Ausgleich kurz nach der Pause.
Zusammen mit Dzemaili feiert er.
Doch im direkten Gegenangriff ist es Dan Ndoye, der schon wieder die Basler Führung erzielt.
Arme raus, Brust raus, jubeln.
Doch wieder nur ein paar Minuten später sitzt Fabian Frei enttäuscht am Boden.
Der Routinier ist voller Entschlossenheit. Und erzielt dennoch ein Eigentor.
Frei ist enttäuscht, Heinz Lindner holt den Ball aus den Maschen.
Doch nach 63 Minuten jubelt erneut der FCB, weil Liam Millar die Führung zum 3:2 erzielt.
Der Gästesektor steht Kopf...
... und FCZ-Trainer Andre Breitenreiter gibt ein kurzes Stossgebet ab.
Doch das Spiel ist noch nicht vorbei. Das Geschehen wird immer hitziger.
Der FCB jubelt zum 4:2, doch es wird aberkannt. Im Gegenzug köpft Ceesay zum 3:3 ein.
Es ist der Schlusspunkt in diesem wahnsinnigen Spiel.
Patrick Rahmen holt mit seinem Team zwar einen Punkt. Und ist dennoch ein gefühlter Verlierer.
Auch nach Spielschluss gibt es noch Rudelbildungen. Das Spiel wird noch lange zu reden geben.

Vor dem Spiel ahnt noch keiner, welches Spektakel in den kommenden 90 Minuten der FCZ und der FCB abliefern würden.

Andy Mueller / freshfocus

Es sind keine druckbaren Worte, die in der 57. Minute von den Tribünen des GSP Stadiums auf das Feld geschrien werden. In Richtung des Unparteiischen, der in den Augen des Anhangs von Omonia Nikosia eben gerade nicht neutral geurteilt hat. Es sind Szenen, in denen das Spiel zwischen Nikosia und dem gastierenden FC Basel kurz eskaliert. In dieser 57. Minute schiesst Liam Millar das 1:1 mittels schönem Schuss ins lange Eck und nach starker Vorarbeit von Darian Males.

Weil wenige Augenblicke zuvor aber Andronikos Kakoulli nach einem Zweikampf mit Tomas Tavares zu Boden geht, rasten die zypriotischen Fans aus. Sie fordern Penalty. Aber auch der FCB fordert noch ein paar Sekunden früher einen Elfmeter, nachdem Joelson Fernandes nach einem Zweikampf fällt. Beide Szenen werden nicht gepfiffen. Bei Tavares wohl zu Unrecht, bei Joelson zu Recht.

Aber der 1:1-Ausgleich des FC Basel in dieser 57. Minute, welcher gleichbedeutend mit dem Endstand ist, geht in Ordnung. Zumindest, wenn man die Leistung über die komplette Spieldauer anschaut. Nach Durchgang 1 jedoch sind die Basler im Rückstand. Weil sie die ersten zwanzig Minuten schlicht komplett verschlafen. Es ist haarsträubend, wie die FCB-Abwehr in den Startminuten agiert. Bereits nach zwei Minuten wird es brenzlig, weil Michael Lang nonchalant den Ball verliert. Die Unachtsamkeit bleibt ohne Konsequenzen.

Cömert zu einfach abgeschüttelt

In der 16. Minute ist das mangelhafte Abwehrverhalten Eray Cömerts dann aber folgenschwer. Nachdem seine Vordermänner den Gegner im Zentrum viel zu viel Raum gewähren, spielt Jordi Gomez einen genialen Pass in die Tiefe auf Andronikos Kakoulli. Dieser vernascht Cömert, indem er einen Haken schlägt und den Basler Innenverteidiger in die falsche Richtung schickt.

In den Minuten danach scheint der FCB regelrecht geschockt. Er verteidigt verunsichert, streut viel zu viele Fehlpässe und leistet sich zu häufige Ballverluste. Mit der Führung in der Hand zieht sich Omonia dann jedoch so weit zurück, dass der FCB vor der Pause ein Powerplay aufziehen kann. Nur: Gegen die kompakten Abwehrketten des Gegners finden die Basler keine Lösungen. Sie wirken ideenarm, noch immer etwas träge. Oder wie Patrick Rahmen es hart aber ehrlich formuliert:

«Im Ballbesitz war das im ersten Durchgang ein blutleerer Auftritt.»

Das Unentschieden ist über die ganze Dauer gerecht

Auf diese Blutleere reagiert Rahmen dann konsequent. Er wechselt in der Pause doppelt, nimmt Pajtim Kasami und Wouter Burger vom Platz. Und gleich zehn Minuten nach Wiederanpfiff greift der Coach noch einmal ein und ersetzt Dan Ndoye. Die Wechsel erzielen die erhoffte Wirkung. Der FCB kommt besser ins Spiel und erspielt sich mehr Torgefahr. Erstmals in der Szene, in der Joelson zu Fall geht. Und dann in der Aktion, in der Millar trifft. Letzterer müsste drei Minuten nach seinem Tor gar noch nachlegen. Aber er verpasst, ebenso wie Joelson in der 82. und Arthur Cabral, der ebenfalls in der 82. die Latte trifft.

Summa summarum ist das aber okay. Ein Sieg wäre etwas gar viel gewesen an diesem Abend. Rahmen sagt selbst:

«Das hätten wir auch nicht verdient gehabt, weil wir über 90 Minuten nicht umsetzen konnten, was wir uns vorgenommen hatten.»

Dieses Remis aber, es reicht, um das Minimalziel «europäisch Überwintern» zu erfüllen. Denn weil Qarabag gewinnt, können sowohl Kairat Almaty als auch Nikosia den FCB nicht mehr überholen. Für die Basler geht es in den verbleibenden zwei Gruppenspielen nun noch um das Erreichen des ersten Platzes. Dieser würde die direkte Qualifikation für die Achtelfinals bedeuten. Mit Platz 2 müssten die Basler in die Playoffs. Aber das ist Zukunftsmusik. Erst müssen die Basler heute nach Hause reisen – und am Sonntag wartet bereits wieder St. Gallen in der Liga.

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