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Ein Traumtor und zwei gehaltene Penaltys von Sommer gegen Ramos – doch die Schweiz verspielt den Sieg gegen Spanien

Was für Emotionen! Sommer hält den Penalty von Ramos, Xhaka jubelt. Am Ende fällt der 1:1-Ausgleich doch noch.

Was für Emotionen! Sommer hält den Penalty von Ramos, Xhaka jubelt. Am Ende fällt der 1:1-Ausgleich doch noch.

Die Schweiz schnuppert lange am Sieg gegen Spanien. Kurz vor Schluss kassiert sie doch noch das 1:1. Trotzdem kann das Team von Nationaltrainer Petkovic am Dienstag gegen die Ukraine mit einem Sieg den Abstieg aus der Liga A der Nations League verhindern.

Das Fazit: Es ist möglich, den Abstieg zu verhindern

Noch einmal dröhnt Geschrei durchs Stadion. Die Schweizer Spieler und Betreuer sind ausser sich. Foul-Einwurf! Schiedsrichter! Was soll das? Noch einmal müssen die Schweizer leiden. Wenige Sekunden noch. Dann ist das Spiel zu Ende. 1:1, die Schweiz trotzt den Spaniern ein Unentschieden ab. Nach einem Abend voller Emotionen.

Eine erste Erkenntnis nach diesen aufwühlenden 95 Minuten: Die Schweiz kann den Abstieg aus der Liga A der Nations League tatsächlich noch verhindern. Dann nämlich, wenn sie die Ukraine am kommenden Dienstag besiegt. Weil die Ukrainer zeitlich zum Schweizer Spiel in Deutschland 1:3 verlieren.

Für einmal dürfte also die Freude über das Unentschieden grösser sein als der Frust über den verpassten Sieg. Und das zu Recht. Vor allem nach diesem Spielverlauf.

Der Schweizer Held heisst Yann Sommer. Gleich zweimal hält er einen Penalty von Spaniens Altstar Sergio Ramos. Etwas mehr als zehn Minuten bleiben zum Zeitpunkt des zweiten Elfmeter-Saves noch, die Schweiz führt da noch 1:0. Ist aber fortan in Unterzahl, weil Elvedi mit Gelb-Rot vom Platz fliegt.

Beinahe gelingt es, auch diese hektischen letzten Minuten noch zu überstehen. Doch dann gleicht Moreno in der 89. Minute doch noch aus. Und die Spanier wollen mehr, weil sie mit einem Sieg weiterhin Leader wären in dieser Gruppe, und ihnen damit im Kampf mit Deutschland um den Gruppensieg am Dienstag bereits ein Unentschieden reichen würde. Auch Torhüter Simon taucht darum bei den letzten Eckbällen vorne auf. Doch es bleibt beim 1:1.

Der Coronafall von Silvan Widmer

Es ist ein gerechtes Resultat. Die Schweiz spielt leidenschaftlich und aufopferungsvoll. Sie zeigt einen guten Auftritt. Auch wenn sie viel weniger den Ball hat, als sie das vielleicht möchte. «Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft», sagt Petkovic später. Und auch: «Wir haben uns das Endspiel gegen die Ukraine verdient.» Ein Sieg würde die guten Schweizer Gefühle zum Ende des Jahres verstärken. Und die Diskussionen ersticken, ob man sich nun Sorgen machen muss, weil in den bisherigen sieben Länderspielen des Jahres 2020 kein Sieg gelang.

Nach diesem ereignisreichen Spiel ist auch in den Hintergrund gerückt, dass die Schweizer an diesem Samstag erneut von einem Covid-Fall gebremst wurden. Silvan Widmer wurde positiv getestet. Darum mussten sich alle Spieler und Betreuer um 14 Uhr noch einmal testen. Dafür wurden Schnelltests verwendet. Weil alle Tests negativ ausfielen, konnte das Spiel trotzdem stattfinden.

Der verpasste Schweizer Sieg

Der Abend hätte aus Schweizer Sicht allerdings noch erfreulicher verlaufen können. Das hat viel mit Haris Seferovic und der 56. Minute zu tun. Seferovic läuft alleine auf das fast leere spanische Tor zu, weil Torhüter Simon bei seinem Ausflug am Ball vorbei segelt. Seferovic entscheidet sich dafür, nicht sofort zu schiessen. Er schlägt noch einmal einen Haken um Simon herum. Dann schiesst er. Doch Altmeister Ramos ist bereits zurück geeilt. Und rettet auf der Linie.

In letzter Sekunde: Ramos rettet auf der Linie gegen Haris Seferovic.

In letzter Sekunde: Ramos rettet auf der Linie gegen Haris Seferovic.

Ja, vielleicht wäre das 2:0 zu diesem Zeitpunkt eine Vorentscheidung gewesen. Doch es fiel nicht. Und darum muss die Schweiz am Ende mit einem Punkt glücklich sein.

Der nächste starke Auftritt von Freuler

Schon ganz zu Beginn mussten die Schweizer leiden. Mussten es irgendwie hinkriegen, dass die spanische Pass-Maschinerie nicht so sehr gedeihen konnte, dass daraus auch Chancen entstanden wären. Es war eine erste grosse Aufgabe dieses Abends. Und tatsächlich, es gelang ohne Schaden.

Danach – endlich – folgten die ersten, noch zaghaften, Schweizer Annäherungsversuche aufs spanische Tor. Shaqiri vergab einmal, weil der Winkel zu knapp geworden war nach Embolos Zuspiel. Embolo mühte sich an Ramos ab. Einmal, zweimal, immer wieder, immer wieder erfolglos, was so nervenaufreibend war, dass er sich lautstark enervierte.

Doch dann kam die 26. Minute. Und dieses Wundertor von Remo Freuler. Für einmal funktionierte das Aufbauspiel hervorragend. Für einmal gelang es, die Spanier weit auseinander zu reissen. Shaqiri, Edimilson, Embolo, Flanke auf Freuler, ein Blick, ein Schuss, direkt abgenommen per Dropkick, und der Ball senkte sich tatsächlich ins weite Eck.

Nach seinem Treffer gegen Deutschland gelingt Remo Freuler auch gegen Spanien ein sehenswertes Tor.

Nach seinem Treffer gegen Deutschland gelingt Remo Freuler auch gegen Spanien ein sehenswertes Tor.

Freuler? Genau, wieder war es der Mann von Atalanta Bergamo, der traf. Schon gegen Deutschland war ihm ein herausragender Treffer gelungen. Nun beweist er mit einem weiteren starken Auftritt, dass er auch im Nationalteam so richtig angekommen ist.

Das Tor gab den Schweizern Luft und Mut. Fast hätte Rodriguez mittels Freistoss gar auf 2:0 erhöht. Es wäre etwas zu viel des Guten gewesen. Dass die Schweizer ihre Führung dennoch in die Pause nahmen, lag daran, dass Ferran Torres unmittelbar vor Halbzeit nach einem Eckball aus fünf Metern drüber schoss. Es sollte nicht die letzte Aktion bleiben, die bei den Spaniern für Kopfschütteln sorgte.

Der Beste: Yann Sommer

Vor der Partie angezählt von deutschen Medien aufgrund seiner Leistungen bei Gladbach. Wie er die Kritik kontert? Mit zwei gehaltenen Elfern gegen Ramos! Note 6.

Die weiteren Schweizer Noten finden Sie in der Übersicht.

Die Stimmen:

Yann Sommer: «Ich finde wir haben viel richtig gemacht. In der zweiten Halbzeit haben wir aber gemerkt, dass wir gegen Spanien spielen. Es war sehr intensiv, wir haben gut gekämpft, sind kompakt gestanden, haben wenig zugelassen. Aber es ist Spanien, dass die zu Chancen kommen, ist auch klar. Aber ich bin stolz. Am Ende ist es schade, dass wir es nicht ganz durchgezogen haben, aber es war eine gute Partie. Mit Sergio Ramos habe ich mich schon ein paar Mal beschäftigt was Penaltys angeht, wir spielen ja in der Champions League ja gegen sie. Ich glaube, den zweiten wollte er chippen. Dass er zuvor erst drei in seiner Karriere verschossen hat, ist geil!»

Granit Xhaka: «Wir haben sehr viel gelitten. Wir haben schon bessere Spiele gemacht. Wir wussten, Spanien hat viel Qualität. Wir haben es aber defensiv sehr stark gemacht, trotz des späten Gegentores, wir haben gefightet. Das sind neue Qualitäten dieser Mannschaft. Yann wird diesen Tag so schnell nicht vergessen. Er hat uns den Punkt gerettet. Es ist wichtig für uns zu wissen, dass wir einen solchen Goalie haben. Jetzt gibt es am Dienstag ein Finalspiel gegen die Ukraine.»

Vladimir Petkovic: «Wir haben erneut gezeigt, dass wir auch gegen stärkere Teams unsere Identität behalten. In den bisherigen Spielen haben wir für einige Fehler zu teuer bezahlt. Heute haben wir uns darum auch ein bisschen Glück verdient. Ich freue mich sehr für Yann, einen Penalty von Ramos halten, ist schon fast unmöglich - aber zwei, das ist ein Wunder. Ich glaube, das wird Ramos nie mehr in seinem Leben passieren.»

Die neue Ausgangslage

© CH Media

Am nächsten Dienstag finden die letzten Nations-League-Spiele dieses Jahres statt. Die Schweiz muss gegen die Ukraine gewinnen, um den Abstieg aus der Liga A noch zu verhindern.

Ein 1:0 oder ein 2:1 oder jeder Sieg mit zwei oder mehr Toren Differenz reicht dafür. Gewinnt die Schweiz aber 3:2, 4:3, etc., bleibt sie wegen der weniger erzielten Auswärtstore im Vergleich mit der Ukraine auf dem letzten Platz.

Der Live-Ticker zum Nachlesen:

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