Am Dienstag wird bekannt: Julen Lopetegui, der Trainer der spanischen Nationalmannschaft, wechselt nach der Weltmeisterschaft zu Real Madrid. Damit hat niemand gerechnet, auch nicht die Nationalspieler. Trotzdem, so berichten es spanische Medien übereinstimmend, stellen sich die Anführer Ramos, Pique, Iniesta und Co. hinter Lopetegui. Sie wollen das Turnier mit dem Trainer, der sie zur alten Stärke geführt hat, bestreiten.

Am Tag danach ist das Chaos komplett: Verbandschef Rubiales entlässt Lopetegui. Anscheinend haben die Funktionäre erst fünf Minuten vor Bekanntwerden vom Abgang ihres Trainers erfahren. Rubiales: „Wir als Verband müssen eine Botschaft senden, dass es gewisse Verhaltensweisen gibt, an die man sich zu halten hat.“

Ganz eindeutig: Da sind einige in der Teppichetage im Stolz verletzt. Verständlich. Aber deswegen Lopetegui feuern und das Erfolgsgebilde Trainer/Spieler auseinanderreissen? 48 Stunden vor dem ersten WM-Spiel gegen Europameister und Erzrivale Portugal? Gegen den Willen der Mannschaft? Das zeugt nicht von Weitsicht, das riecht nach Kurzschlussreaktion. Das ist zu diesem Zeitpunkt einfach nur dumm.

Mit ihrem Aktionismus haben die Funktionäre die Angelegenheit erst zum Problem gemacht. Dass der Abgang eines Trainers nach Turnier-Ende im Voraus feststeht, ist eine Allerweltkonstellation im Fussballgeschäft. Hat die Rücktrittsankündigung von Ottmar Hitzfeld der Schweizer Nati an der WM 2014 geschadet? Nein, im Gegenteil.

Es sind die Spieler auf dem Rasen, die Spanien auf Nationalmannschaftsebene wieder zur Weltmacht machen sollen. Sie hätten sich locker mit der Situation arrangiert, sie und Lopetegui wollen primär maximalen Erfolg an der WM. Was die im Stolz verletzten Funktionäre des spanischen Verbandes produziert haben, nennt sich im Fussballjargon so: Eigentor.