NLA-Eishockey

Armes Biel und ein grosser SC Bern

Berns Chuck Kobasew (links) und Christoph Bertschy feiern den ungefährdeten Sieg gegen den Kantonsrivalen Biel.

Berns Chuck Kobasew (links) und Christoph Bertschy feiern den ungefährdeten Sieg gegen den Kantonsrivalen Biel.

War das nach bald neun Monaten unter NHL-General Guy Boucher die Geburt eines neuen SC Bern? Jedenfalls spielte der SCB gestern beim 4:1 in Biel so überzeugend wie noch nie unter dem neuen Trainer.

Aus dem Nebel der Nervosität ist zum ersten Mal in der Ära von Guy Boucher ein richtiger SCB emporgestiegen. Die Berner traten gestern erstmals in dieser Saison wie ein Spitzenteam auf. Ein grosser SCB besiegte einen tapferen, aber spielerisch armen EHC Biel 4:1. Die leichten Siege in Fribourg (4:1) und am Vorabend zu Hause gegen Ambri (3:0) haben die seit der Amtsübernahme von Guy Boucher so typische Verkrampfung, den Hang zum «Überbeissen» gelöst. Fast neun Monate nach dem Amtsantritt ihres kanadischen NHL-Generals Boucher Ende Januar haben die Stadtberner gestern in Biel endlich Eishockey gespielt und nicht bloss gearbeitet.

SCB und Bührer lassen sich nicht unterkriegen

Die Kombination aus Tempo, Kraft, Disziplin und Präzision zermürbte den Gegner von der ersten Minute an, und auch der vorübergehende 0:1-Rückstand brachte die SCB-Maschine nicht zum Stottern. So hat sich bestätigt, was aufgrund des investierten Geldes, des Selbstverständnisses und der Namen auf den Leibchen klar ist: Dieser SCB ist, wenn gut trainiert und gecoacht, ein Spitzenteam.

Wenn die Vorderleute so «zwäg» sind, spielt es keine Rolle mehr, dass Torhüter Marc Bührer kein charismatischer Spitzengoalie ist. Zumal Bührer eine Qualität in den letzten Partien zugestanden werden muss: Er lässt sich nicht unterkriegen. Bührer hielt seinen Kasten gestern nach dem ersten Gegentreffer auch in der hektischen Schlussphase dicht.

Am 28. Februar wies eine 1:2-Niederlage in Biel dem SCB den Weg in die Abstiegsrunde. Die grösste Schmach seit dem Wiederaufstieg von 1986. Den Schwefelgeruch dieses Misserfolges hat Guy Boucher seither nie mehr ganz aus den Kleidern gebracht.

Allfälliger Beginn einer besseren SCB-Zeit

Vielleicht wird sich dereinst im Rückblick zeigen, dass das gestrige 4:1 in Biel den Beginn einer besseren SCB-Zeit markiert. Das Ende einer nun bald neunmonatigen Zeit der Unsicherheit, des Zweifels und der Polemik. Siege in Biel sind für den SCB nie leicht. Auch wenn Biel gestern nur mit drei ausländischen Spielern antreten konnte (Olausson fehlte wegen einer Handverletzung), und sich beim bescheidenen Kader der Ausfall eines Ausländers auf das Leistungsvermögen auswirkt – ein leichter Gegner waren die Bieler nicht.

Die Qualitäten, die ihnen helfen, weit über ihren spielerischen Möglichkeiten zu surfen, zeigten sie auch gestern. Mut, Leidenschaft, Disziplin und eine gute Spielorganisation. Aber diesmal reichte es nicht. Und wenn schon die Frage ist, ob dieses Spiel womöglich einen Wendepunkt der Saisongeschichte für den SCB bedeutet, dann stellt sich diese Frage auch für den EHC Biel. Gerd Zenhäusern wird neuer Cheftrainer bei Gottéron. Biels Trainer Kevin Schläpfer verliert seinen engsten und wichtigsten Mitarbeiter. Den Wunschersatzmann Dino Stecher bekommt er nicht. Stecher hat in Olten einen neuen Dreijahresvertrag unterschrieben.

Leben am Trennstrich

Biels Existenz in der NLA ist seit dem Wiederaufstieg von 2008 eine permanente Gratwanderung. Das ganze Unternehmen steht sportlich und wirtschaftlich auf dünnem Eis und auch scheinbar nebensächliche Vorkommnisse, die bei der Konkurrenz kaum zur Kenntnis genommen werden, können grosse Auswirkungen haben. Für Biel beginnt nun das Leben unter dem Trennstrich zwischen Playoff und Abstiegsrunde. Beim SCB wird sich zeigen, ob die auf diese Saison massiv verstärkte Mannschaft endlich, endlich, endlich den zu recht hohen Ansprüchen gerecht werden kann. Wenigstens dürfte sich vorerst die Panik der letzten Wochen in der SCB-Chefetage etwas legen.

Biel - Bern 1:4 (1:0, 0:2, 0:2)

5342 Zuschauer (Saisonrekord). - SR Michael Küng/Vinnerborg, Ambrosetti/Peter Küng. - Tore: 3. Ehrensperger (Untersander, Kamber) 1:0. 28. Bertschy (Gragnani, Kobasew) 1:1. 38. Alain Berger 1:2. 49. Bertschy (Kobasew, Krueger) 1:3. 59. Ruefenacht (Holloway, Gerber) 1:4 (ins leere Tor). - Strafen: je 2mal 2 Minuten. - PostFinance-Topskorer: Arlbrandt; Ritchie.

Biel: Rytz; Rouiller, Gossweiler; Cadonau, Fey; Steiner, Wellinger; Untersander, Jelovac; Umicevic, Haas, Mosimann; Arlbrandt, Peter, Spylo; Rossi, Wetzel, Ulmer; Ehrensperger, Kamber, Herburger.

Bern: Bührer; Gerber, Blum; Gragnani, Jobin; Krueger, Furrer; Kreis, Randegger; Kobasew, Plüss, Bertschy; Alain Berger, Reichert, Pascal Berger; Holloway, Ritchie, Scherwey; Ruefenacht, Gardner, Ruefenacht.

Bemerkungen: Biel ohne Berthon, Olausson (beide verletzt), Tschantré und Joggi (beide krank), Bern ohne Moser (verletzt). Timeouts: Biel (58); Bern (45.). Biel von 58:25 bis 58:54 ohne Goalie.

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