Comeback des Jahres

Arno Del Curto ist zurück als Trainer – das sagt er zu seinem «Freundschaftsdienst»

Trainer-Legende Arno Del Curto ist beim HC La Chaux-de-Fonds in der Swiss League zumindest als Impulsgeber wieder im Coaching-Bereich aktiv

Trainer-Legende Arno Del Curto ist beim HC La Chaux-de-Fonds in der Swiss League zumindest als Impulsgeber wieder im Coaching-Bereich aktiv

Ein «normaler» 3:2-Sieg von La Chaux-de-Fonds über Leader Kloten rückt in den Hintergrund. Trainerlegende Arno Del Curto ist zurück. Wird der 63-Jährige nun regelmässig an der Bande von La Chaux-de-Fonds zu sehen sein? Und entscheidet er nun sogar die Meisterschaft in der Swiss League? Die Konkurrenz sollte in Panik verfallen.

Sein Freund Loïc Burkhalter (39) ist in sportlicher Not – also hilft Arno Del Curto (63) dem Sportchef und Trainer des HC La Chaux-de-Fonds. Mit erstaunlichem Erfolg. Gegen Tabellenführer Kloten stand Arno Del Curto erstmals an der Bande und schon gelang ein sensationeller Sieg (3:2). In Kloten und Olten gibt es Grund zu allergrösster Sorge.

Am liebsten wäre ihm, wenn alles geheim bliebe

Ist Arno Del Curto der neue Trainer beim HC La Chaux-de-Fonds? «Nein, nein, nein» wehrt er mit aller Entschiedenheit ab. Er hätte es am liebsten, wenn seine neuste Mission einfach geheim bliebe. Wenn niemand etwas über seinen neuen Job im Hockey reden, senden oder schreiben würde. Ein Job sei es sicher nicht. Überhaupt nicht. Ganz und gar nicht. Er sagt über seine neue Tätigkeit, die ja eben nach seiner Ansicht gar keine neue Tätigkeit im Hockey ist: «Ein Freund ist in Schwierigkeiten und fragt mich um Rat. Es ist doch mein Recht, einem Freund zu helfen.»

Arno Del Curto: «Es ist doch mein Recht, einem Freund zu helfen.»

Arno Del Curto: «Es ist doch mein Recht, einem Freund zu helfen.»

Erst hat er nur bei einem einzigen Training geholfen. Und dabei sollte es eigentlich bleiben. Inzwischen sind es zwei Trainings und ein Spiel. Werden es noch mehr Trainings und noch mehr Spiele sein? «Ja, ich werde noch mal beim Training vorbeischauen und wohl auch noch vor den Playoffs bei einem Spiel dabei sein.» Und er betont: «Ich mache es wirklich, um einem Freund zu helfen.» Also kein Vertrag, keine bindende Abmachung? «Ja, so ist es.»

Arno Del Curto und seine prächtige Laune

Und, wie war es, zum ersten Mal seit dem 23. März 2019, dem letzten Spiel mit den ZSC Lions, das in Fribourg mit einer 2:5-Niederlage endete, wieder einmal an der Bande zu stehen? Arno Del Curto ist gut gelaunt, die Rückkehr ins Hockey am Vorabend hat ihm sichtlich gut getan. Aber die Fragerei mag er eben nicht. Er würde doch so gerne einfach anonym ein wenig seiner Leidenschaft nachgehen, einem Freund helfen und ansonsten seine Ruhe haben, die ihm nach mehr als 20 aufregenden Jahren im Hockey so wohl bekommt.

Einer, der schon so gefeiert wurde, wie Arno Del Curto an der Meisterfeier 2007, kann nicht anonym bleiben.

Einer, der schon so gefeiert wurde, wie Arno Del Curto an der Meisterfeier 2007, kann nicht anonym bleiben.

Aber das geht nicht. Arno Del Curto ist viel zu berühmt, um einfach heimlich, still und leise ein wenig Hockey zu geniessen und einem Freund zu helfen. Das versteht er eigentlich schon und erklärt, was seine Rolle am Dienstagabend war. Spielvorbereitung und Coaching sei ganz allein die Sache von Loïc Burkhalter gewesen. «Ich war vor und nach dem Spiel auch in der Kabine und stand an der Bande. Aber ich habe nur zugehört und zugeschaut und wenn mich Loïc etwas gefragt hat, habe ich eine Antwort gegeben. Was er aus dem, was ich sage dann macht, ist seine Sache.» Nach dem Spiel sei er dann einfach nach Hause gegangen. Und legt noch einmal Wert auf die Feststellung, dass er doch nur einem Freund ein wenig aushelfe.

Weder Bandengeneral noch Stabschef – eher: Gefechtsbeobachter

Hockeytechnisch ist Arno Del Curto als weder Trainer noch Assistent. Höchstens eine Art Berater und das eigentlich auch nur auf einer freundschaftlichen Basis. Um es etwas polemisch am Beispiel der Führungsstruktur unserer Armee zu erklären: er ist weder Bandengeneral noch Stabschef. Höchstens «Gefechtsbeobachter». Er hat also keine Funktion. Und am liebsten wäre es ihm, wenn nun nicht mehr über die ganze Sache – die doch nur ein Freundschaftsdienst und daher völlig ohne Bedeutung ist – gesprochen würde.

Aber so unbedeutend, wie er es gerne dargestellt hätte, ist sein Freundesdienst eben doch nicht. Da kann er sagen, was er will. Seine gute Laune am Tag nach seinem Comeback ist durchaus ansteckend. Es ist förmlich zu spüren, dass es ihn wieder gepackt hat, dass er sich zusammennimmt, um nicht gleich in seiner unverwechselbaren, wunderbaren Art das Spiel vom Vorabend zu analysieren. Er wirkt, als habe er ein erfrischendes, belebendes «Hockeybad» genommen. Eine solche Behauptung weist er natürlich klafterweit von sich und betont noch einmal mit allem Nachdruck, es gebe keine Abmachung, keinen Vertrag. Nichts. «Es ist nur ein Freundschaftsdienst.» Und wahrscheinlich denkt er: warum kann man das denn nicht begreifen und ihn in Ruhe lassen?

Arno Del Curto und seine erstaunliche Wirkung

Aber er allein seine Präsenz zeigte am Dienstagabend eine erstaunliche Wirkung. La Chaux-de-Fonds, Vorjahresfinalist und nominell eines der besten Teams der Liga, hatte vier der letzten fünf Partien verloren, schmählich sogar auf eigenem Eis 2:5 gegen das Schlusslicht, die Ticino Rockets und am letzten Samstag auswärts auch noch gegen Zugs Farmteam (3:4). Krise. Tiefe Krise. Und nun gelingt mit Arno Del Curto an der Bande der sensationelle 3:2-Sieg gegen Tabellenführer Kloten, der zuletzt 15mal (!) in Serie gepunktet und nur einmal nach Verlängerung verloren hatte. «Das war einfach Glück» wehrt er ab und akzeptiert dann doch den Einwand, dass man für das Glück eben auch etwas tun muss. Wir können auch sagen: Am besten, indem man Arno Del Curto zu Rate zieht. Und was, wenn der ehemalige HCD-Kulttrainer auf einmal nicht nur die passive Rolle des Beobachters spielt?

Was die Sportchefs, Trainer und Präsidenten in der Swiss League unruhig machen muss, ja eigentlich in Panik versetzen müsste: Arno Del Curto sagt, dass er noch mal in La Chaux-de-Fonds oben beim Training vorbeischauen und bei einem Spiel vor den Playoffs dabei sein werde. La Chaux-de-Fonds ist nach einer miserablen Qualifikation (deshalb hat ja Sportchef Loïc Burkhalter Trainer Mikael Kvarnström gefeuert und selbst das Traineramt übernommen) in die zweite Tabellenhälfte abgerutscht und wird vom 7. oder 8. Rang in die Playoffs starten und voraussichtlich gegen die Aufstiegsaspiranten und Titanen Kloten oder Olten antreten.

Und plötzlich Panik in Olten und Kloten?

Der Vorjahres-Qualifikationssieger und Finalist hat bei weitem das Potenzial, um jeden Gegner in der Swiss League ins Wanken zu bringen. Den Beweis dafür hat er ja am Dienstagabend mit dem Sieg gegen Leader Kloten geliefert. Was, wenn Arno Del Curto auch während der Playoffs wieder vorbeischaut und La Chaux-de-Fonds, befeuert von der Präsenz des charismatischsten Schweizer Trainers der Geschichte sein enormes Potenzial endlich abruft?

Lange Gesichter bei Silvan Wyss und dem EHC Olten?

Lange Gesichter bei Silvan Wyss und dem EHC Olten?

Ganz einfach: Hilft Arno Del Curto seinem Freund Loïc Burkhalter auch während den Playoffs – und sei es nur in einer passiven Rolle - dann kann er die Meisterschaft der Swiss League entscheidend beeinflussen. Und es gibt eigentlich keinen Grund, warum er seinem Freund nicht helfen sollte. Arno ante Portas! Es gibt wahrlich Grund zur Sorge, ja für Panik in Kloten und Olten.

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