Playoff-Finalserie

Das Hallenstadion als letzte Hoffnung: Warum das wahre Lugano besser ist als die ZSC Lions

Verlässt Lugano am Mittwoch das Eis im Hallenstadion als Sieger? Torhüter Elvis Merzlikins marschierte als Verlierer in Spiel vier in die Garderobe.

Verlässt Lugano am Mittwoch das Eis im Hallenstadion als Sieger? Torhüter Elvis Merzlikins marschierte als Verlierer in Spiel vier in die Garderobe.

In der Playoff-Finalserie zwischen dem HC Lugano und den ZSC Lions steht es 3:2 zugunsten der Lions. Und dies, obwohl das wahre Lugano besser ist als die ZSC Lions – trotzdem können die Zürcher am Mittwoch Meister werden.

Es ist die erste Niederlage, die den ZSC Lions so richtig eingefahren ist. Unter die Haut geht. Das Selbstvertrauen erschüttert. Lugano hat soeben 4:0 gewonnen und im Finale auf 2:3 verkürzt. Lugano hat nicht einfach gewonnen. Die Tessiner sind über die Zürcher hinweggebraust wie ein Nordföhnsturm. Als sei der Leibhaftige vom Monte San Salvatore herabgefahren. Zum ersten Mal seit dem Playoff-Auftakt in Zug (1:4) sind die ZSC Lions «gerockt» worden.

Im Kabinengang sagen die Spieler die auswendig gelernten Playoff-Sprüchlein auf. Wie es Brauch geworden ist. «Wir nehmen Spiel für Spiel.» – «Wir müssen das Spiel abhaken und nach vorne schauen.» Auf der Suche nach den Ursachen des Untergangs wird von den Chronisten die besondere Form der Anreise vorgebracht. Ob es eine Rolle gespielt habe, dass man für einmal nicht mit dem Bus, sondern mit dem Zug nach Lugano gefahren sei.

Zürich verliert 0:4 gegen Lugano in Eishockey

Zürich verliert 0:4 gegen Lugano in Eishockey

Nach der 0:4-Niederlage von Zürich gegen Lugano im Eishockey gab es viele traurige Gesichter beim Public Viewing im Züricher Hallenstadion. Nun hoffen die Fans in der Limmatstadt, dass die ZSC Lions das Spiel gegen Lugano am kommenden Mittwoch gewinnen werden.

Ob man deshalb nicht bereit gewesen sei und schon nach 27 Sekunden das 0:1 kassiert habe. Aber diese goldene Brücke zur Ausrede betritt keiner. Nein, nein – die Reise mit der Bahn sei sehr angenehm gewesen. Man habe sogar mehr Platz als im Bus gehabt. Heimwärts sind die Zürcher dann wieder mit dem Bus gereist. Wenn hingegen jeder sagen dürfte, was er tief in der Hockey-Seele fühlt und sein Hockey-Herz ausschütten dürfte, dann würde es anders tönen. Dann wäre die Rede von einem «Schock». Von der «Wucht» des gegnerischen Spiels.

Vielleicht sogar von leiser Resignation: Können wir diesen Gegner wirklich noch stoppen? Auf das 1:4 damals in Zug vermochten sie zu reagieren. Aber da waren sie noch Aussenseiter gewesen. Doch jetzt ist der Titel nur noch einen Sieg entfernt.

ZSC zum ersten Mal chancenlos

Wir haben am Samstagabend zum ersten Mal in diesem Final das wahre Lugano gesehen. Und zum ersten Mal waren die ZSC Lions chancenlos. Bereits nach 27 Sekunden trifft Gregory Hofmann zum 1:0. Dabei bleibt es zwar bis zur 43. Minute. Erst dann doppelt der gleiche Stürmer zum 2:0 nach. Darauf weist ZSC-Trainer Hans Kossmann hin. «Wir haben den frühen Gegentreffer weggesteckt und das Spiel lange Zeit im Griff gehabt.»

Doch der objektive Zuschauer denkt: Obwohl das Resultat so lange Zeit knapp war, obwohl die Zürcher noch einen Schuss an die Torumrandung beklagten – eine Siegeschance hatten sie nie. Und so erleben wir nun die «Renaissance des Heimvorteils». Seit Einführung der Playoffs (1986) sind 19 von 32 Titeln auf fremdem Eis gefeiert worden. Tendenz zunehmen. Zuletzt holten 2009, 2011, 2012, 2014, 2015, 2016 und 2017 Davos, die ZSC Lions und der SC Bern ihre Meisterschaften mit Sieg im gegnerischen Stadion.

Enttäuschte ZSC-Fans hoffen auf Mittwoch

Enttäuschte ZSC-Fans hoffen auf Mittwoch

Die ZSC-Lions können sich den Meistertitel noch nicht sichern. Am Public Viewing in Zürich bleiben enttäuschte, aber auch hoffnungsvolle Fans zurück.

Das wahre Lugano haben wir bisher nur in Lugano gesehen. Am eindrücklichsten am Samstag beim 4:0. Luganos Philippe Furrer zelebriert jetzt das beste Hockey seiner Karriere (am Samstag mit einer 4:0-Bilanz). Wenn er vom Titel spricht, dann redet er nicht einfach daher. Er ist durch und durch davon überzeugt, dass es Lugano schaffen kann. «Wir haben bereits beim letzten Spiel im Hallenstadion 25 Minuten lang das wahre Lugano gesehen.» Am Ende gab es trotz einer 2:0-Führung eine 2:3-Niederlage in der Verlängerung. Nun gehe es darum, am Mittwoch in Zürich 60 Minuten lang wie das wahre Lugano aufzutreten.

Und doch können die Zürcher am Mittwoch Meister werden. Es wäre einer der erstaunlichsten Titel und für Lugano eine bittere Finalniederlage. Noch zehn Jahre lang würde sich die Tessiner ärgern und sagen: «Aber damals, 2018, hätten wir einfach Meister werden müssen. Wir hatten die bessere Mannschaft.»

Lugano auf fremdem Eis mutlos

Lugano war bisher nur auf eigenem Eis, mit Europas temperamentvollstem Hockey im Rücken das wahre Lugano. Das schnelle, dynamische, mutige, leidenschaftliche, begeisternde Lugano. Im Hallenstadion hat Lugano diese Saison noch nie gewonnen. Einerseits, weil bisher der Mut fehlte, auswärts das wahre Lugano zu sein. Und andererseits, weil die Zürcher im eigenen Stadion mutiger, schneller, bissiger sind.

Weil sie im eigenen Stadion die scheibenführenden Gegenspieler und die Scheibe jagen. Weil sie im eigenen Stadion den spielerisch besseren Gegner mit ihrem Forechecking am Entfalten seines Talentes hindern. Weil sie bisher nur in Zürich den Mut haben, die wahren ZSC Lions zu sein. Das erklärt, warum die Zürcher in diesem Final im Hallenstadion bisher in zwei Partien acht Treffer erzielt haben – und in Lugano in drei Spielen nur einen einzigen.

Die ZSC Lions müssen am Mittwoch den Titel auf eigenem Eis holen. Das Hallenstadion als letzte Hoffnung. Verlieren sie, dann werden sie im 7. Spiel am Freitag in Lugano chancenlos sein. Weil wir dann in Lugano das wahre Lugano sehen werden. Und gegen das wahre Lugano haben selbst die wahren ZSC Lions keine Chance.

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