Eishockey

Dauern Playoff-Spiele künftig bis drei Uhr in der Nacht?

Wer kann den grossen, bösen und erfolgreichen SC Bern bremsen?Keystone

Wer kann den grossen, bösen und erfolgreichen SC Bern bremsen?Keystone

Favorit auf den Titel? Erste Trainerentlassung? Aufsteiger? Die «Schweiz am Wochenende» stellt zum Auftakt der neuen Eishockey-Saison zwölf drängende Fragen – und liefert auch gleich die Antworten.

1. Ist Meister SC Bern eine unbesiegbare Maschine?

Ja – wenn es nach der Papierform geht. Aber es ist nicht so, dass im Eishockey Zustände wie im Schweizer Fussball drohen, wo der FC Basel zuletzt achtmal in Serie Meister geworden ist. Die Chance ist ungleich grösser, dass a) der SCB durch Verletzungen zurückgeworfen wird oder b) die Konkurrenz – zum Beispiel die ZSC Lions – einen grossen Schritt nach vorne macht. Klar ist allerdings: Wenn der SCB ohne personelle Probleme durch die Saison und vor allem durch die Playoffs kommt, dann ist er fast eine unbesiegbare Maschine.

2. Finden die ZSC Lions aus ihrer Sinnkrise?

Ja. Der grösste Konkurrent des SC Bern, die ZSC Lions, muss nach zwei Viertelfinal-Outs in Serie über die Bücher. Die Zürcher mussten sich jetzt lange genug anhören, wie mental zerbrechlich sie zuletzt waren. Mit der Wut im Bauch und drei neuen Ausländern werden die Lions wieder zu einem ernsthaften Anwärter auf den Meistertitel.

Mit Feuereifer bei der Sache: der designierte ZSC-Lions-Goalgetter Fredrik Pettersson.

Mit Feuereifer bei der Sache: der designierte ZSC-Lions-Goalgetter Fredrik Pettersson.

3. Welches sind die grössten, neuen Attraktionen der Liga?

Er ist zwar «nur» ein Rückkehrer in die NLA, aber eben doch die grösste Attraktion der Liga: Fredrik Pettersson, der nach seinem Abgang in Lugano ein Jahr im russischen «Exil» verbrachte. Der schussgewaltige Flügelstürmer der ZSC Lions wird die gegnerischen Tore füllen. Spektakel verspricht der neue Goalie von Fribourg-Gottéron, Barry Brust. Ein Torhüter, der nicht nur gerne riskante Pässe spielt, sondern immer wieder mal die Fäuste (!) sprechen lässt. Eine Attraktion dürfte auch der neue Kanadier des SC Bern, Mason Raymond, werden. Ebenso der kräftige schwedische Flügelstürmer Viktor Stalberg, der in Zug seine Karriere frisch lancieren will. Interessant ist die Rückkehr zweier Schweizer Nationalspieler aus Nordamerika: Tanner Richard (24/Servette) und Joel Vermin (25/Lausanne).

Einer der neuen Hoffnungsträger beim EVZ: Viktor Stalberg.

Einer der neuen Hoffnungsträger beim EVZ: Viktor Stalberg.

4. Welcher Trainer wird zuerst entlassen?

Dort, wo die Erwartungshaltung am grössten ist: das heisst in Zürich oder in Lausanne. Bei den ZSC Lions muss das Trainerduo Wallson/Johansson möglichst schnell Resultate liefern. Und vor allem muss die Mannschaft den Beweis liefern, dass sie mit Leidenschaft am Werk ist. Ein holpriger Saisonstart wird die Kritiker blitzschnell auf den Plan rufen. In Lausanne hat Dan Ratushny in seinem ersten NLA-Trainerjahr vollauf überzeugt – aber auch die Ansprüche in die (ungesunde?) Höhe getrieben. Wie geduldig sind die Investoren, wenn der Auftakt in die Meisterschaft nicht wie gewünscht verläuft? Ebenso gefährdet: Mark French in Fribourg, Heinz Ehlers in Langnau, Mike McNamara in Biel und Craig Woodcroft in Genf.

5. Steigt der EHC Olten in die NLA auf?

Möglich. Der EHC Olten hat zusammen mit den Rapperswil-Jona Lakers den Aufstieg in die höchste Spielklasse als klares Ziel formuliert. Beide haben sich noch einmal verstärkt auf dem Transfermarkt. Sollte eines dieser beiden ambitionierten Teams NLB-Meister werden, muss sich der Verlierer der NLA-Playouts warm anziehen. Den designierten Schwanzklubs Ambri, Kloten oder Langnau droht dann der Abstieg.

6. Welche prominenten Spieler kommen auf den Transfermarkt?

Kaum hat die neue Saison begonnen, brodelt es in der Regel auch schon wieder auf dem Transfermarkt. Die Verträge mit den Top Shots werden so früh wie möglich unter Dach und Fach gebracht. Die dicksten Fische im Transferteich: Robert Nilsson, Roman Wick (beide ZSC), Philippe Furrer, Dario Bürgler (Lugano), Romain Loeffel (Servette) oder Simon Bodenmann (Bern).

Einer der dicksten Fische im Transferteich: Dario Bürgler (Lugano).

Einer der dicksten Fische im Transferteich: Dario Bürgler (Lugano).

7. Was muss ich tun, um weiterhin Live-Spiele im TV zu sehen?

Wer sich die National-League-Spiele live ansehen will, der muss den neuen Sportkanal «MySports» abonnieren. Das geht aber nur, wenn man Kunde von UPC ist. Die bisherigen Teleclub-/Swisscom-Kunden schauen punkto Meisterschaft in die Röhre, können sich aber mit dem Schweizer Cup, der Champions Hockey League oder der NHL trösten. Ab den Playoffs steigt auch «SRF» in die Live-Berichterstattung ein.

8. Dauern Playoff-Spiele bis drei Uhr morgens?

Im absoluten Extremfall ja. Durch die Abschaffung des Penaltyschiessens in den Playoffs wird so lange gespielt, bis das erste Tor fällt. In Norwegen führte das kürzlich zu einer Partie, die erst um 2.32 Uhr in der achten Verlängerung endete. Solche Marathons gehören aber zur absoluten Ausnahme. Es ist allerdings durchaus realistisch, dass das eine oder andere Playoff-Spiel erst um die Geisterstunde herum endet. Sportlich und dramaturgisch die bessere Lösung als die bisherige Penalty-Lotterie.

9. Ist die Gesundheit der Spieler besser geschützt?

Ja, ein bisschen. Als fünftes NLA-Team nach Lausanne, Lugano, Biel und Bern hat nun auch der HC Davos ein modernes, flexibles Bandensystem installiert. Diese beweglichen Abgrenzungen verhindern vor allem Gehirnerschütterungen und Verletzungen im Schulter- und Rippenbereich. Ab Saison 2018/19 sind die neuen Banden obligatorisch.

10. Wann bestreitet Nico Hischier sein erstes NHL-Spiel?

Wenn alles nach Plan läuft und sich der Schweizer Nummer-Eins-Draft einen Platz im Kader der New Jersey Devils erkämpft, dann wird der grosse Moment am 7. Oktober kommen. Dann treffen die Teufel zu Hause auf die Colorado Avalanche – sogar zu einer vorteilhaften Zeit: Anpfiff ist 20.00 Uhr MEZ.

Nico Hischier im Dress der New Jersey Devils.

Nico Hischier im Dress der New Jersey Devils.

11. Ist der Spengler Cup so attraktiv wie nie zuvor?

Dass die Schweizer Nationalmannschaft und das Team Canada (ohne NHL-Stars) ihre Olympia-Hauptproben im Rahmen des Traditionsturniers bestreiten, ist zweifellos bemerkenswert und für den Spengler Cup wertvoll. Aber das beste Turnier der Geschichte wird es trotzdem nicht werden. Diesen Status wird wohl für immer die Ausgabe 2014 behalten, als sich die NHL-Stars aufgrund des Lockouts in Davos tummelten.

12. Gewinnt die Schweizer Nati eine Olympia-Medaille?

Weil die NHL ihre Meisterschaft nicht mehr unterbricht und so die Top-Nationen ohne ihre besten Spieler auskommen müssen, darf sich die Schweiz sicher gewisse Chancen ausrechnen. Ob das gleich zum Gewinn von Edelmetall reicht, darf trotzdem angezweifelt werden.

Meistgesehen

Artboard 1