National League

Der Topfavorit heisst EV Zug

Jan Kovar, ein Neuzugang des EV Zug, könnte zu einer Attraktion der der National League werden

Jan Kovar, ein Neuzugang des EV Zug, könnte zu einer Attraktion der der National League werden

In der neuen Saison der National League sind für einmal nicht Titelverteidiger Bern und Vorgänger ZSC Lions die Topfavoriten. Erster Meister-Anwärter ist der EV Zug.

Auch Biel und Lausanne wollen im Kampf um den Titel ein Wort mitreden.

Seit dem Titelgewinn des EVZ im Jahr 1998 sind mit Bern, den ZSC Lions, Davos (je sechsmal) und Lugano (dreimal) nur noch vier Teams Schweizer Meister geworden. Der letzte Triumph der Bianconeri liegt allerdings auch schon 13 Jahre zurück. In der am Freitag beginnenden Saison spricht einiges dafür, dass wieder einmal eine andere Mannschaft den Pokal in die Höhe stemmen wird.

In erster Linie kommt dafür der diesjährige Finalist Zug in Frage. Die Zentralschweizer machen keinen Hehl daraus, dass sie unbedingt zum zweiten Mal auf den Meisterthron wollen. Entsprechend tief griffen sie in die gut gefüllte Geldschatulle - die Eigenkapitalquote auf der Stufe der EVZ Gruppe beträgt 56,6 Prozent. Die Zuger sicherten sich die Dienste des fünffachen Meistergoalies Leonardo Genoni (Bern) und holten Grégory Hofmann (Lugano), der in der vergangenen Qualifikation der National League mit 30 Treffern der beste Torschütze war.

Auch die neuen Ausländer Jan Kovar, Oscar Lindberg und Erik Thorell versprechen einiges. Der von vielen Vereinen umworbene Kovar, der vom HC Pilsen kommt, ist ein intelligenter Spielmacher mit hoher Passqualität. Ausserdem verfügt er über grosse internationale Erfahrung; er nahm mit Tschechien an den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang sowie an sechs Weltmeisterschaften teil. Der zuletzt in der NHL bei den Ottawa Senators tätige Lindberg gewann mit Schweden 2013 und 2017 den WM-Titel. Thorell erzielte in der vergangenen Saison in 60 Partien für HIFK Helsinki 26 Tore und 29 Assists. Daher gilt für den EVZ: "Wenn nicht jetzt, wann dann?" Das ist aber auch eine gefährliche Ausgangslage.

Biel ist es ebenfalls zuzutrauen, in die Phalanx der zuletzt dominierenden Teams einzudringen. Die Seeländer scheiterten im April erst im siebenten Halbfinalspiel am späteren Meister Bern. Nun verfügen sie mit den Verpflichtungen des schussgewaltigen Verteidigers Yannick Rathgeb und des feinen Technikers Luca Cunti über noch mehr spielerische Klasse. Die Ansprüche der Bieler sind jedenfalls hoch.

Das gilt auch für den Lausanne HC, der im Frühjahr zum ersten Mal überhaupt eine Playoff-Runde in der höchsten Liga überstanden hatte, ehe er im Halbfinal deutlich dem EVZ (1:4) unterlag. Die Waadtländer verfügen dank dem amerikanischen Milliardär Ken Stickney, der den LHC zum besten Verein Europas machen möchte, über eine enorme Finanzkraft. Die prominentesten Zuzüge sind Cody Almond (Genève-Servette) und Torhüter Tobias Stephan (Zug). Einen Schub soll zudem das neue Stadion mit einer Kapazität von 10'000 Zuschauern geben.

Selbstredend ist auch mit dem SCB wieder zu rechnen. Allerdings haben die Berner mit Genoni und Gaëtan Haas (Edmonton Oilers) zwei gewichtige Abgänge zu verkraften. Insbesondere Genoni hinterlässt eine grosse Lücke, die Niklas Schlegel kaum füllen kann. Ausserdem stehen einige Leistungsträger im Herbst ihrer Karriere; elf Spieler im Team sind 30-jährig und älter. Es stellt sich deshalb die Frage, ob die Mannschaft den Zenit nicht schon überschritten hat.

Gelingt ZSC und Davos die Wiedergutmachung?

Wiedergutmachung ist bei den ZSC Lions angesagt. Die Zürcher verpassten in der vergangenen Saison trotz eines exzellent besetzten Kaders die Playoffs. In der Folge wurde der Vertrag mit Kulttrainer Arno Del Curto nicht verlängert und stattdessen der Schwede Rikard Grönborg geholt. Das ist wohl ein grosser Name, führte er doch sein Heimatland 2017 und 2018 zu WM-Gold. Der 51-Jährige hat aber noch nie ein Klubteam auf höchster Ebene betreut. Insofern muss er erst beweisen, dass er der richtige Mann für die Lions ist. Zumindest mehr Kampfkraft sollte der ZSC haben.

Auch der HC Davos hat eine Saison zum Vergessen hinter sich. Der Rekordmeister fehlte nicht nur zum ersten Mal seit 1993 in den Playoffs. Er musste gar das Playout gegen die Rapperswil-Jona Lakers (4:1) bestreiten. Dass Ende der Ära Del Curto im vergangenen November nach 22 Jahren nutzten die Bündner zu einem Strukturwechsel. Der bisherige U20-Nationaltrainer Christian Wohlwend und der vormalige Nationalmannschafts-Direktor Raeto Raffainer als Sportchef sollen den HCD zum Erfolg zurückführen. Die Davoser starten mit acht Auswärtspartien in die Saison, da die Renovation des Stadions noch nicht abgeschlossen ist.

Die vergangene Spielzeit hat gezeigt, wie schwierig es ist, Prognosen abzugeben. Wer hätte gedacht, dass Ambri-Piotta und die SCL Tigers die Qualifikation auf den Plätzen 5 und 6 beenden? Bei Ambri ist offen, wie gut die Leventiner die Mehrfachbelastung verkraften. Sie nehmen auch an der Champions Hockey League und am Spengler Cup teil. Langnau wird sicher niemand mehr unterschätzen. Fribourg-Gottéron, das als Zehnter in die Abstiegsrunde musste, steigt mit vier neuen Ausländern in die Saison, die einiges verheissen. Die in der letzten Saison schon früh abgeschlagenen Rapperswil-Jona Lakers scheinen ebenfalls stärker zu sein, derweil hinter Lugano ein Fragezeichen steht und es Genève-Servette ohne Chris McSorley hinter der Bande versucht. Es ist also viel Spannung garantiert.

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