Gestatten Sie uns eine frivole und politisch nicht ganz korrekte Einstiegsfrage zu einem Zuger Hockey-Thema: Möchten Sie mit Michelle Hunziker verheiratet sein? Spontan werden Sie sagen: Klar! Und dann, bei längerem Nachdenken wohl doch ein wenig kopfscheu werden. Denn dann wäre es mit dem beschaulichen Leben vorbei. Sie müssten fortan immer auf Trab sein und höchsten Anforderungen gerecht werden.

Was hat das alles mit Leonardo Genoni (30) zu tun? Nun, ein Hockeyklub, der Genoni verpflichtet, muss fortan auf Trab sein und höchsten Anforderungen gerecht werden. Mit dem beschaulichen Leben ist es dann vorbei. Natürlich, auch die Wechsel von Tobias Stephan (2014) und Raphael Diaz (2016) zum EV Zug hatten Signalwirkung.

Meister mit Davos und Bern

Aber letztlich waren es Transfers, die auf Zugs Unternehmenskultur keinen grossen Einfluss hatten: Stephan hat noch nie irgendetwas gewonnen und niemand forderte seinetwegen den Gewinn der Meisterschaft. Und bei Diaz war es die emotionale Heimkehr des «verlorenen Sohnes.» Dass es auch mit Stephan und Diaz nicht zum Meister gereicht hat – na und?

Aber nun kommt im nächsten Sommer Genoni. Meister mit Davos und Bern. Ab der Saison 2019/20 ist es in Zug vorbei mit dem beschaulichen Leben und freundlichen Scheitern in den Playoffs. Seine Ankunft in Zug wird sein wie der Beginn einer Beziehung mit Michelle Hunziker. Mit Genoni müssen die Zuger höchsten Anforderungen gerecht werden. Das ist gut so. Vielleicht braucht das Unternehmen EVZ den «Kick» eines solchen aufregenden Transfers, um endlich sein enormes sportliches Potenzial auszuschöpfen. Um vom schlafenden zu einem meisterlichen Titanen zu werden.

Der Zeitpunkt passt zu Genoni

Für Genoni gilt: leise in der Art und stark in der Tat. Er ist einer der kompromisslosesten Siegertypen in der Geschichte unseres Hockeys. Er wird Zugs Leistungskultur durch sein Wesen und Wirken stärker verändern als jeder andere Transfer seit dem Titel von 1998.

Dazu passt durchaus, dass er seine Zukunft jetzt schon, lange vor der Zeit geregelt hat. Damit er sich ab sofort wieder hundertprozentig auf sein Torhüterhandwerk konzentrieren kann. Er wird beim SC Bern in seinem letzten Vertragsjahr bis zur letzten Sekunde maximale Leistung abliefern.

Grosser Goalie fordert grossen Trainer

Das Timing des Transfers ist perfekt: Der neue EVZ-Trainer Dan Tangnes hat nun eine Saison lang Zeit, um zu beweisen, dass er ein grosser Trainer ist. Denn auch das ist klar: Wer einen grossen Torhüter holt, muss auch dafür sorgen, dass ein grosser Trainer an der Bande steht. Wir stehen vor den aufregendsten Jahren der Zuger Hockeygeschichte.

Und der SCB? Bloss ein bisschen verletzter Stolz, dass erstmals ein grosser Goalie geht. René Kiener, Jürg Jäggi, Renato Tosio und Marco Bührer haben ihre Karriere beim SCB beendet. Aber die Berner haben ihren spektakulärsten Titel 2016 mit dem tschechischen Nationaltorhüter Jakub Stepanek geholt. Nun werden sie halt einen erstklassigen ausländischen Ersatz brauchen. Ob all der Aufregung manchmal vergessen, wie einfach die Lösung sein kann.