Es dauerte lange, bis die Spieler von Lugano nach der bitteren 4:5-Niederlage nach dreimaliger Führung in Zug vor die Mikrofone traten. Luganos Stürmer Dario Bürgler, zweifacher Torschütze am Donnerstagabend, sah das allerdings anders: "Ich habe zwar nicht gestoppt. Es war aber eine ziemlich normale Ansprache. Es gilt nun, das Positive mitzunehmen sowie das Negative zu analysieren und besser zu machen."

Von beidem gab es bei den Tessinern einiges. Insbesondere im Mitteldrittel entwickelten sie viel Druck auf den Zuger Goalie Tobias Stephan und wurden dafür mit drei, aus kurzer Distanz erzielten Toren belohnt. Im letzten Abschnitt gaben die Luganesi dann aber eine 4:3-Führung aus der Hand. Sie kassierten zum zweiten Mal hintereinander fünf Gegentreffer, was unterstreicht, wo die Probleme liegen. Schon in der Qualifikation war die Defensive ein Schwachpunkt gewesen - nur die bereits als Playout-Teilnehmer feststehenden Davos und Rapperswil-Jona Lakers haben mehr Tore kassiert. Das hat auch damit zu tun, dass Goalie Elvis Merzlikins in der laufenden Meisterschaft nicht jener Rückhalt ist, der er aufgrund des immensen Potenzials sein kann.

"Wir müssen souveräner sein, dürfen ihnen nicht solche Konterattacken ermöglichen", sagte Bürgler. "Um diese zu unterbinden, müssen wir den Verteidigern besser helfen." Ausserdem dürften sie den Zugern nicht so viel Zonenzeit zugestehen. "Da holen sie Energie." Er lobte aber auch den Gegner: "Sie sind eine sehr gute Mannschaft, speziell zu Hause. Es wäre schön, die Null zu halten, aber das ist schwierig." Derweil forderte Trainer Greg Ireland ein besseres Zweikampfverhalten seiner Spieler.

Lugano wie 2006?

Positive Energie können die Bianconeri insbesondere aus der vergangenen Saison ziehen, als sie viel Charakter zeigten. Im Halbfinal gegen Biel lagen sie mit 0:2 Siegen und in Spiel 3 mit 0:3 zurück, ehe sie zur grossen Wende ansetzten. Im Final gegen die ZSC Lions schafften sie nach einem 1:3 noch den Ausgleich in der Serie, der Showdown ging dann allerdings 0:2 verloren. Ausserdem hat Lugano schon einmal ein 0:3 gedreht - 2006 im Viertelfinal gegen Ambri-Piotta. In der Folge wurde der HCL zum bisher letzten Mal Schweizer Meister. Und Zug hat 2008 im Viertelfinal gegen Davos schon einmal ein 3:0 preisgegeben. Die Zentralschweizer wissen also, dass sie nicht nachlassen dürfen.

"Wir zeigten heute viele gute Sachen, darauf gilt es aufzubauen", erklärte Ireland. "Die Truppe ist sehr belastbar und selbstbewusst." Er erinnerte daran, dass seine Mannschaft in der Qualifikation schon abgeschrieben worden sei. Vom 30. November bis 17. Februar lagen die Luganesi mit einer Ausnahme stets unter dem Strich. Sie verdienten sich die Playoff-Teilnahme mit sechs Siegen in den letzten acht Partien.

Bürgler hob denn auch hervor, dass "wir viel Wille und Erfahrung in der Garderobe haben. Wenn wir am Samstag mit der gleichen Energie und Überzeugung wie heute agieren, können wir das Spiel gewinnen. Die Playoff-Zeit ist kurz genug. Wenn du bei 0:3 aufgibst und keine Freude mehr an der ganzen Herausforderung hast, musst du die 50 Partien vorher gar nicht spielen. Wir sind uns bewusst, dass es sehr schwierig wird. Wir müssen nun den Fokus auf die nächste Partie und noch besser auf den nächsten Einsatz legen und so versuchen, den Berg zu erklimmen."