Das Zürcher Tiefdruckgebiet manifestiert sich beispielsweise in den Lücken, die sich am Dienstag im Heimspiel gegen Langnau in den Zuschauerreihen im Hallenstadion auftaten – trotz den offiziell vermeldeten, über 7000 Besuchern. Und auch in den Pfiffen, die nach dem ersten Drittel angesichts des 0:2-Rückstands aus dem Publikum ertönten.

Nach zwei Viertelfinal-Outs in Serie ist die Beziehung zwischen den Lions und ihrem anspruchsvollen und erfolgsverwöhnten Publikum kompliziert geworden. Der Geduldsfaden ist dünn. Die Erwartungshaltung unvermindert gross.

Und das wirkt sich dann aus in diesen undankbaren Qualifikationsspielen im Herbst, gegen Underdogs wie Langnau oder Kloten. Es sind Spiele, in denen die Zürcher eigentlich nur verlieren können.

Die Zuschauer erwarten, dass man solche, auf dem Papier klar schwächere Gegner, vom Eis fegt. Man will Spektakel sehen im Hallenstadion. Und zwar nicht nur vor dem Spiel, wenn die atemberaubende Lasershow die Eisfläche in eine farbenprächtige Bühne verwandelt.

Die Mannschaft ist jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch weit davon entfernt, ihr Leistungslimit zu erreichen. Die Kluft zwischen Anspruch und Realität ist umso grösser. Für die Spieler ist das bisweilen etwa so, wie wenn sie Luft holen müssten in einem Vakuum.

Ecken und Kanten dank Baltisberger

Dass da mitunter dürftige Leistungen die Konsequenz sind, ist wenig überraschend. Aber das darf für die Zürcher letztlich keine Entschuldigung sein. Denn gerade solche Spiele wie gegen Langnau dienen auch als perfekter Charaktertest dafür, wie die Mannschaft mit schwierigen Situationen umzugehen vermag.

«Positiv ist, dass wir immer reagieren können. Trotzdem müssen wir diese Fehlstarts so schnell wie möglich verhindern. Diese Aufholjagden kosten unglaublich viel Energie», sagt etwa Chris Baltisberger.

Der kräftige ZSC-Stürmer war mit seinen zwei Treffern massgeblich daran beteiligt, dass die Lions das Spiel gegen die Tigers trotz 0:2- und 1:3-Rückständen noch zu wenden vermochten. Baltisberger gehört zu der raren Sorte Spieler, die dem talentierten Lions-Ensemble mit seiner Kampfkraft ein wenig mehr Ecken und Kanten verleiht.

Trotzdem stellt sich die Frage, weshalb es den Zürchern kaum gelingt, überzeugend in eine Partie zu starten. Ist es Verkrampfung oder eben doch eine Frage der Einstellung?

«Wir dürfen nicht das Gefühl haben, dass wir schon in den ersten zehn Minuten ein Spiel gewinnen müssen. Wir müssen geduldig bleiben. Wir sind ein sehr spielstarkes Team. Aber es geht halt trotz allem nur über den Kampf. Und das ist reine Kopfsache», sagt Baltisberger und fügt an: «Wir haben in dieser Mannschaft alle Werkzeuge, um zu gewinnen. Jetzt müssen wir sie nur noch richtig und schlau einsetzen.»

Trainer-Duo bereits unter Druck

Dass das mit dem Einsatz der Werkzeuge gelingt, ist die Hauptaufgabe der Trainer. Das schwedische Duo Hans Wallson/Lars Johansson steht in Zürich bereits unter erhöhter Beobachtung. Auch die beiden Eishockey-Lehrer müssen die Quadratur des Kreises beherrschen.

Das heisst: im Herbst, wenn es sportlich erst um bescheidene Meriten geht, die Mannschaft derart auf Vordermann trimmen, dass das Publikum auch nach einem Nullachtfünfzehn-Spiel gegen die SCL Tigers beglückt nach Hause geht.

Auf der anderen Seite müssen die Schweden aber auch das grosse Bild im Auge behalten und ihr Team so weiterentwickeln, dass es im Frühling, wenn es um alles oder nichts geht, die verflixte Komfortzone rechtzeitig zu verlassen vermag.

Gelingt ihnen diese Entwicklung nicht nach dem Gusto ihrer Vorgesetzten, dann könnte die Luft für das Trainerduo bei den ZSC Lions eher früher als später ganz dünn werden. Das Vakuum lässt grüssen.