EM Kolumne
Wo bleibt der EM-Song? Was Österreich und Co können, kann die Schweiz doch auch?

Die Schweiz steht zwar im Achtelfinale, doch einen offiziellen EM-Song hat sie bisher noch nicht. Eine Schande, denn die Songs der Konkurrenz sind - zumindest teilweise - ganz grosse Klasse.

Jakob Weber
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Bei der Hymne singen die Schweizer um Yann Sommer wenn dann nur leise. Neben dem Platz leider gar nicht.

Bei der Hymne singen die Schweizer um Yann Sommer wenn dann nur leise. Neben dem Platz leider gar nicht.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Wo bleibt der Schweizer EM-Song? Der meist mit einer grossen Portion Fremdscham im Gepäck ausgestattete Ohrwurm bleibt in diesem Jahr bisher leider aus. Baschi bringt ihn nicht mehr heim, DJ Antoine ist das «Ole, Ole» vergangen und dass Alex Frei als Trainer nicht mehr die Hymne rappt, ist auch klar.

Aber was ist mit den anderen? Will 2021 wirklich keiner einen Schweizer EM-Song produzieren? Hat die Musikszene hier zu Lande mittlerweile so viel Qualität, dass sich keiner an das Trash-TV der Musikbranche heranwagt? Nicht mal Ex-Nati-Spieler und Neo-Hobby-Rapper Josip Drmic? Schade!

Österreich hat in Person von Gladbach-Stürmer Valentino Lazaro gezeigt, was möglich ist. Zusammen mit Rapper Meydo hat er das EM-Lied unserer Nachbarn produziert. Mit allen, was wir eigentlich nicht sehen und hören wollen, aber doch genau deswegen umso mehr hinhören und hinsehen. Da wäre ein unfassbar einfacher Refrain, den sich sogar Fussballer merken können: «Es geht immer wieder: Vor. Vor. Vor und direkt zum Tor.» Dazu ein paar krasse Reime: Sieger/Liga performen/Sorgen oder verdammt/Land.

Und dann natürlich noch das Video mit emotionalen Spielszenen Österreichs unterlegen, für Schnittbilder ein paar süsse Kinder auf einem Bolzplatz um die Ecke filmen und den Profi – in diesem Fall Lazaro – im Studio hinters Mikrofon packen, damit das so richtig professionell aussieht. Und schon ist der EM-Song erster Güte fertig.

Natürlich ist Lazaro nicht alleine. Die EM-Debütanten Finnland und Nordmazedonien liessen sich nicht lumpen und verpflichteten gleich die ganze Mannschaft zur Teilnahme am Dreh. Auch Dänemark gibt Vollgas inklusive Christian Eriksen an der Luftgitarre. Und im tschechischen Musikvideo spielt sogar eine Schildkröte Namens Nedved mit.

Diese Nationen stellen mit ihren Liedern die Songs aus Frankreich, Deutschland, Italien und England in den Schatten. Die grossen Nationen gehen bei ihren EM-Songs fast schon zu professionell vor. Doch auch das ist immer noch besser als die komplett stumme Schweiz.

Hier eine Auswahl der aktuellen EM-Songs: