Fussball

EM-Teilnehmer: Die Super League auf Rekordkurs

2016 werden so viele Super-League-Profis wie noch nie an einer EM spielen. Für die Klubs ist das Segen und Fluch zugleich. Zum einen vertreten die Spieler den Verein im Ausland zum anderen sind sie zum frühen Saisonstart dann erschöpft.

Ist Ihnen der Name Michael Silberbauer ein Begriff? Nein? Wir lösen auf: Der Däne wurde 2011 für viel Geld von YB verpflichtet und zum Schlüsselspieler auserkoren, konnte die Erwartungen aber nie erfüllen. Heute gilt der 34-Jährige als grösstes Missverständnis der jüngeren Klubgeschichte. Und trotzdem hat es der heutige Assistenztrainer des FC Biel in die Schweizer Fussball-Geschichtsbücher geschafft: Silberbauer war der einzige Super-League-Spieler an der Europameisterschaft 2012.

Super League Spieler an der WM 2014:

Nur ein Super-League-Profi an der EM? Tempi passati. Schon drei Jahre nach dem Tiefstwert liegt die Super League auf Rekordkurs: Stand heute werden 2016 in Frankreich so viele Super-League-Profis vertreten sein wie nie zuvor an einer EM oder WM: Breel Embolo, Luca Zuffi, Michael Lang (alle FCB), Renato Steffen und Steve von Bergen (YB) mit der Schweiz. Taulant Xhaka, Shkelzen Gashi, Naser Aliji (FCB), Berat Djimsiti, Armando Sadiku, Burim Kukeli (FCZ) und Migjen Basha (FCL) mit Albanien. Tomas Vaclik und Marek Suchy (FCB) mit Tschechien. Marc Janko (FCB) und Jakob Jantscher (FCL) mit Österreich sowie Birkir Bjarnason (FCB) mit Island. Mit Kim Källström (GC/Schweden), Vilmos Vanczak (Sion/Ungarn) und Dzengis Cavusevic (St. Gallen/Slowenien) haben drei weitere Spieler die Chance, via Playoffs noch auf den EM-Zug aufzuspringen.

Super League Spieler an der EM 2012:

Super League Spieler an der EM 2012

Super League Spieler an der EM 2012

Macht im besten Fall 20 Super-League-Profis an der EM 2016. Eine stolze Zahl. Eine, die es aber richtig zu interpretieren gilt. Einerseits ist das Niveau deutlich besser als der miese Ruf der Super League – heutzutage müssen Spieler aus vermeintlich kleinen Fussballnationen wie Island oder Albanien für ein Aufgebot mehr können als einen geraden Pass schlagen. Andererseits hat die Aufstockung des EM-Teilnehmerfeldes von 16 auf 24 Teams die Türen geöffnet für ebendiese «Fussballzwerge». So stünde im alten Qualifikationsmodus der Schweiz, Albanien und Island noch der zähe Gang durch die Playoffs bevor.

Super League Spieler an der WM 2010:

Liga plant späteren Saisonstart

Wenig überraschend ist es der FC Basel, der in Frankreich die meisten Super-League-Spieler stellen wird. Zehn Profis von Rot-Blau haben sich qualifiziert. Was Präsident Bernhard Heusler stolz macht: «Auch wenn es eine Momentaufnahme ist – wir freuen uns riesig über die Erfolge unserer Spieler.»

Super League Spieler an der EM 2008:

Da ist Heuslers Freude darüber, dass im nächsten Jahr so viele Spieler wie noch nie die Marke FCB an einer EM vertreten. Nur schon die Präsenz an einem Grossanlass steigert den Marktwert jedes Spielers – macht dieser dann noch positiv von sich reden, winken dem FCB fette Ablösesummen. Von den sechs Spielern, die der Klub für die WM 2014 abstellte, spielt heute keiner mehr für Rot-Blau.

Super League Spieler an der WM 2006:

Doch da sind auch Sorgenfalten auf der Präsidentenstirn. Wie in jedem EM- oder WM-Jahr wird der frühe Saisonbeginn auch 2016 zum grossen Ärgernis. 2014 lagen mickrige fünf (!) Tage zwischen dem Abpfiff des WM-Finals und dem Anpfiff zur neuen Super-League-Saison. Die Folge: Die Vereine müssen während der kompletten Vorbereitung auf ihre Nationalspieler verzichten. Und ob diese nach dem Turnier überhaupt in die Schweiz zurückkehren und nicht dem Lockruf aus einer grösseren Liga erliegen, ist ungewiss. Was wiederum die Kaderplanung erschwert. Von den sechs Spielern, die der FCB für die WM 2014 abstellte, ist heute keiner mehr im Verein.

Erstmals 24 Länder dabei

Das aufgestockte EM-Teilnehmerfeld verschärft diese Problematik. «Der Grossteil unserer Stammkräfte wird die Vorbereitung auf die kommende Saison wohl verpassen», sagt Heusler. Umso mehr dränge sich die Frage auf, die man sich intern schon länger stelle: Was bringt es, im Sommer ins Trainingslager zu fahren? Schliesslich, so Heusler, seien Trainingslager grosse Positionen auf der Ausgabenseite.

Super League Spieler an der EM 2004:

Immerhin: Was den Saisonstart angeht, deutet sich eine Entschärfung an. Bei der Super League wird derzeit darüber beraten, den ersten Spieltag der Saison 2016/17 nach hinten zu verschieben – und zwar auf das Wochenende des 23./24. Juli. Der EM-Final in Paris findet am 10. Juli statt. Kommt es so weit, würde der Saisonstart so spät erfolgen wie noch nie.

Super League Spieler an der WM 2002:

Auch in einer weiteren Hinsicht ist die Liga auf Rekordkurs: Pro Tag und Spieler, der an der EM teilnimmt, zahlt die Uefa gut 4000 Franken an den Besitzerklub. Angerechnet wird zudem eine zweiwöchige Vorbereitungszeit. Die Uefa wird nach der EM in Frankreich also weit über zwei Millionen Franken in die Schweiz überweisen – Rekord. Dagegen sind die 100 000 Franken, die Silberbauer 2012 einspielte, ein Klacks.

Super League Spieler an der EM 2000:

Ermin Siljak (Servette/Slowenien)

Super League Spieler an der EM 2000

Ermin Siljak (Servette/Slowenien)

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