Kolumne

Endlich wieder Fussball! - Oder ist es vielleicht doch noch zu früh?

Am 16. Mai geht die Bundesliga nach der Coronakrise wieder los. Und erst noch mit einem echten Knaller: Dem Revierderby zwischen Dortmund und Schalke.

Am 16. Mai geht die Bundesliga nach der Coronakrise wieder los. Und erst noch mit einem echten Knaller: Dem Revierderby zwischen Dortmund und Schalke.

In einer Woche nimmt die Bundesliga den Betrieb wieder auf. Endlich! Meine Freude ist riesig. Aber unzählig sind eben auch die Fragen. Ist es für den Re-Start nicht viel zu früh?

Wie ich mich freue. Endlich! Wobei, ist das eine gute Idee? So früh? Am 16. Mai? Das ist doch, gelinde gesagt, verrückt. Aber wieso überlege ich mir das überhaupt? Es kann mir ja egal sein, weil endlich, endlich, endlich wieder Fussball gespielt wird. Live. In Echtzeit. Nicht irgendwelche Retro-Spiele, deren Ausgang alle kennen. Nein, ein richtiges Fussballspiel mit unvorhersehbarem Ausgang. Entschuldigen Sie den Ausdruck, aber das ist doch einfach geil. Aber ist es auch verantwortungsvoll?

Céline Feller, Sportredaktorin.

Céline Feller, Sportredaktorin.

Diesen inneren Dialog führe ich seit Mittwoch täglich. Es sind zwei Herzen in meiner Brust. Diese Gespaltenheit wird wohl nie ganz weggehen, bis am 16. Mai wieder der Ball in der deutschen Bundesliga rollt. Dass die zwei höchsten Ligen in unserem Nachbarland dann wieder kicken dürfen, wurde am Mittwoch entschieden. Kanzlerin Angela Merkel erteilte fast schon beiläufig grünes Licht. Für den deutschen Fussball, seine Fans und vor allem den wirtschaftlichen Apparat rund um die Bundesliga ist es super. Die Mehrheit der Klubs wollte die schnellstmögliche Wiederaufnahme. Es geht um zig Millionen Euro und Abertausende Arbeitsstellen. Der Re-Start sichert trotz Geisterspielen zumindest das Fernsehgeld und damit die Existenz einiger Vereine. Und der Fussball kann ein Vorbild sein, wie mit dem Virus gelebt werden kann.

Aber welche Botschaft sendet das Zugeständnis an den Fussball, während das ganze Land unter Restriktionen lebt? Wie kommt die Lex Fussball in einer Woche an, in der Salomon Kalou auf so eindrückliche wie dumme Art und Weise demonstriert, wie wenig ernst die Corona-Massnahmen bei Herta BSC Berlin genommen werden? Wie soll ein nicht Fussball-affiner Mensch verstehen und akzeptieren können, dass dieser sonst schon privilegierte Sport einmal mehr bevorteilt wird? Und das auch noch, wenn gewisse Aushängeschilder die Regeln mit Füssen treten.

Der Entscheid ist ohnehin paradox. Im Verlauf der Woche habe ich eine Aussage eines deutschen Kollegen gelesen. Er stellte die Wiederaufnahme der Bundesliga unter den Titel: Umgrätschen ja, abklatschen nein. Das zeigt alle Widersprüche auf. Da sollen die Dortmunder bitte die Schalker umholzen – und ja, darauf freue ich mich. Schliesslich gibt es nichts Ästhetischeres im Fussball als eine perfekte Grätsche – aber bitte den Fairness-Handshake vor Anpfiff unterlassen. Da sollen die Spieler in Zweikämpfe gehen, aber doch bitte nicht zu viel Körperkontakt haben. Was passiert, wenn einer im Eifer des Gefechts und aus purer, jahrelanger Gewohnheit dem Gegner die Hand reicht, um ihm beim Aufstehen zu helfen? Oder wenn die Emotionen beim Torjubel, die nun zwei Monate lange angestaut wurden, explodieren und sich alle zu nahe kommen?

Es sind nur ein paar von unzähligen Fragen. Immerhin werden sie in wenigen Tagen beantwortet werden. Besser gesagt in einer Woche. Dann, wenn es um 15.30 Uhr endlich wieder heisst: Bundesliga-Konferenz. Allein beim schreiben dieses Satzes kriege ich Gänsehaut. Ein kleines bisschen Alltag kommt zurück. Ich hoffe nur, dass dieses Tempo bei der Wiederaufnahme kein Eigentor ist. Denn ich will mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn dadurch die nächste Saison in Gefahr gerät.

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