Super League
Endlich wieder vereint: Der FC Basel gewinnt gegen Lugano dank Stocker und den Fans

Auch die Mannschaft freut sich, dass der Machtkampf entschieden wurde. Und mit der Unterstützung singender Fans hinter dem Gästesektor gewinnt ein solidarischer FC Basel 2:0 gegen Lugano.

Jakob Weber
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Pajtim Kasami und Valentin Stocker sind die Torschützen beim 2:0 gegen Lugano.

Pajtim Kasami und Valentin Stocker sind die Torschützen beim 2:0 gegen Lugano.

Urs Lindt / freshfocus

Es knallt. Ersatzspieler Afimico Pululu hält sich auf der Tribüne erst vor Schreck und dann vorsorglich beide Ohren zu, so laut hallen die Feuerwerk-Raketen im Stadion. 14 Mal knallt es in der zweiten Spielminute und damit haben auch die Fans den Startschuss in die neue Ära gegeben. Rund 350 FCB-Anhänger sind trotz strömendem Regen vors Joggeli gekommen, um das Ende von Bernhard Burgener zu feiern und die Mannschaft im wichtigen Spiel gegen Lugano anzufeuern.

Durch die Zufahrt neben dem Gästesektor sind ihre Gesänge gut zu hören. Manch einer von ihnen erhascht über das abgesperrte Tor auch einen Blick aufs Spielfeld. Dort braucht der FCB ein paar Minuten, um ins Spiel zu kommen. Ganz einfach war es sicher nicht, die Konzentration auf das Sportliche zu richten. David Degen und Bernhard Burgener hatten der Mannschaft im Vorfeld der Pressekonferenz einen Besuch im Mannschaftshotel abgestattet. Dort wurde das Team kurz vor der Öffentlichkeit über den Besitzerwechsel informiert. Degen forderte in seiner kurzen Rede an die Mannschaft auch Platz 2. Im Anschluss gab es Applaus. «Es ist gut, dass jetzt Klarheit herrscht», sagt FCB-Trainer Patrick Rahmen.

Er versichert bereits vor dem Anspiel, dass die Matchvorbereitung durch diese wegweisenden Neuigkeiten nicht beeinträchtigt wurde. Und seine Spieler zeigen nach einer kurzen Findungsphase, dass sie tatsächlich topfokussiert sind. In der 21. Minute taucht Stocker ein erstes Mal gefährlich im gegnerischen Fünfer auf. Erst verhaspelt er den Ball, doch weil ihm der Abpraller erneut vor die Füsse fällt, kann er in die Mitte flanken, wo Pajtim Kasami per Kopf gegen die Laufrichtung von Lugano-Goalie Noam Baumann einnetzen kann.

Kasamis Jubelweg führt genau vor den Gästesektor, wo heute hinter den verwaisten blauen Sitzschalen die singenden Heimfans stehen. Die Blicke in der jubelnden Spielertraube gehen nach draussen und irgendwie jubeln Fankurve und Profis zum ersten Mal seit über einem Jahr zumindest ansatzweise wieder zusammen.

Degen und Burgener schauen im Stadion zu

Drei Minuten später gibt es erneut Anlass zur Freude. Stocker stellt erst mit einem platzierten Linksschuss aus 18 Metern auf 2:0. Dann greift sich der Fanliebling beim Jubeln an die Captainbinde, auf der heute neben dem FCB-Logo auch das Logo der Muttenzerkurve zu sehen ist. Als wolle er mit dieser symbolischen Geste sagen, dass er in schwierigen Zeiten gerne Verantwortung übernimmt und so Mannschaft und Fans vereint. Während Degen im Oberrang das Grinsen sogar durch die Maske anzusehen ist, jubeln die Fans draussen mittlerweile in rotem Rauch. Für sie scheint es nach der Erlösung vom Nachmittag am Abend ein sportlich schmackhaftes Dessert zu geben.

Noch drei Punkte fürs internationale Geschäft

Und tatsächlich spielt der FCB den im ersten Durchgang verdienten Sieg nach dem Seitenwechsel ins Trockene. Zwar kommt Lugano nach Standards zu ein paar Abschlüssen, doch so richtig gefährlich wird es nur einmal, als der Pfosten rettet. Und so macht sich die komplette Mannschaft nach Schlusspfiff auf den Weg zur Zufahrt, wo sie zusammen mit den FCB-Fans minutenlang feiert und eine Einigkeit demonstriert, die so lange nicht mehr zu sehen war.

Durch den Sieg baut der FCB seinen Vorsprung auf Servette und Luzern zumindest bis heute Abend aus und bleibt nach dem drittletzten Spieltag höchstwahrscheinlich Zweiter. Gegen Zürich und Sion will der FCB diesen Rang in den noch verbleibenden zwei Spielen definitiv sichern. Dann würde Degen auch einen Klub übernehmen, der in der kommenden Saison auch international ein Feuerwerk ablassen könnte.

Das Telegramm:

Basel - Lugano 2:0 (2:0)

St. Jakob-Park. – 100 Zuschauende. – SR Lionel Tschudi. – Tore: 19. Kasami (Stocker). 24. Stocker (Frei).
Basel: Lindner; Widmer, Cömert, Klose, Petretta; Kasami, Frei; van Wolfswinkel (89. Males), Palacios(63. Abrashi), Stocker (75. Pululu); Cabral.
Lugano: Baumann; Oss, Daprela, Ziegler; Lavanchy, Custodio (76. Covilo), Lovric, Sabbatini, Guerrero; Lungoyi (76. Gerndt), Macek (66. Bottani).
Bemerkungen: FCB ohne Jorge, Padula, Xhaka, Sene, Chiapetta, Durrer (alle verletzt), Zhegrova (krank), Cardoso, Zuffi und van der Werff (kein Aufgebot). Lugano ohne: Kecskes, Maric und Abubakar (alle verletzt) – Verwarnungen: 36. Cömert, 70. Abrashi, 73. Klose - 83. Pfostenschuss von Gerndt.

Die Bilder vom Spiel: