Denis Zakaria lächelt und wird dann ein wenig verlegen. «Pogba? Paul Pogba! Ich muss zugeben: Es schmeichelt mir, wenn die Leute sagen, ich würde fast schon wie mein Idol spielen. Dabei weiss ich natürlich, wie weit entfernt ich davon noch bin.»

Heinz Moser schmunzelt. «Pogba? Sie meinen, Zakaria ähnle Pogba?», fragt der Coach der Schweizer U21-Nationalmannschaft zurück. «Vielleicht ist ein bisschen was dran. Aber Denis erinnert mich um einiges mehr an Patrick Vieira. Pogba spielt offensiver.»

«Sein Schritt zu YB war genau der richtige»

Aber eigentlich ist es ja ohnehin egal, ob Zakaria nun an Jungstar Pogba oder an Legende Vieira erinnert – allein der Vergleich mit diesen grossen französischen Fussballern ist schon ein Kompliment. Moser sagt: «Denis hat sich fantastisch entwickelt. Sein Schritt zu YB war genau der richtige.»

Moser und Zakaria sitzen in einem Konferenzraum im Mannschaftshotel in Regensdorf. Von hier aus brechen sie heute Samstag nach Brighton auf, wo sie übermorgen in der U21-EM-Qualifikation auf England treffen. «Wir wissen, was uns erwartet», sagt Zakaria, «unsere Gegner spielen fast alle in der Premier League. Aber wir wollen gewinnen.»

Zakarias Selbstvertrauen wirkt nicht aufgesetzt, sondern ist in einem goldenen Herbst auf natürliche Weise gewachsen. Obschon nächste Woche erst 19 Jahre alt werdend, hat er sich bei YB einen Stammplatz erkämpft und in der U21-Nati in allen Partien durchgespielt.

Hütters System gefällt

«Ich hätte nicht erwartet, dass ich mich in der Super League so schnell durchsetzen würde», sagt Zakaria, immerhin der Jüngste im Kader der Berner. «Aber es kommt mir entgegen, dass wir bei YB unter Trainer Hütter einen aggressiven Offensivfussball spielen.» Auch der 1,91-Meter-Schlaks liebt es, mit Wucht einzusteigen. Den ersten Platzverweis bei YB hat er schon hinter sich.

Noch nicht aber die Torpremiere. «Es wird langsam Zeit, dass ich mal ein Goal mache», sagt Zakaria. Bei Servette in der Challenge League hat er gleich bei seinen beiden ersten Einsätzen in der Startformation getroffen und davon profitiert, dass er im Nachwuchs während langer Zeit Erfahrungen als Stürmer gesammelt hatte.

Moser jedoch ist überzeugt davon, dass Zakaria im zentralen Mittelfeld am besten aufgehoben ist. «Er besitzt die eher seltene Gabe, blitzschnell von der Defensive in die Offensive und umgekehrt umzuschalten», sagt Moser. Tatsächlich: Wer Zakaria spielen sieht, wundert sich, weshalb er bei Servette in der vergangenen Saison nur zu sechs Einsätzen gekommen ist. Doch die Genfer kämpften lange um den Aufstieg und setzten deshalb auf erfahrenere Kräfte.

Untergebracht in einer Gastfamilie

Dass die Young Boys und ihr Sportchef Fredy Bickel mit der Verpflichtung von Zakaria für bescheidene 200'000 Franken ein goldenes Händchen bewiesen haben, kann Massimo Lombardo nur bestätigen. Der Meistertrainer der U18 von Servette und frühere Nationalspieler hat Zakaria ein Jahr lang trainiert und sagt: «Denis’ grosser Vorteil ist, dass er sowohl technisch wie auch physisch aussergewöhnlich stark ist.» Und als Mensch ein Sonnenschein. «Er hat immer ein Lachen im Gesicht», sagt Lombardo.

Diese afrikanische Fröhlichkeit hat Zakaria von seinen Eltern geerbt. Der Vater kommt aus dem Kongo, die Mutter stammt aus dem Sudan. «Mein Vater lebt wieder in Afrika, meine Mutter in Genf», sagt Zakaria. Und er selber seit dem Sommer bei einer Gastfamilie in Bern. Mit dem Vorteil, dass er viel deutsch sprechen muss und die neue Sprache schon ganz ansprechend beherrscht.

Geboren in Genf, hat er die ganze Juniorenabteilung von Servette durchlaufen. «Die Ausbildung war exzellent», sagt Zakaria. Johan Vonlanthen, vor mehr als zehn Jahren ein ebenso grosses Versprechen wie Zakaria, hat den YB-Shootingstar bei Servette kennengelernt und sagt: «Denis hat unglaublich viel Talent. Weil er bodenständig ist, wird er eine grosse Karriere machen.» Lombardo sagt, Zakaria sei ein sehr anständiger Junge. «Er ist intelligent und macht deshalb in kurzer Zeit grosse Fortschritte.»

Volle Konzentration auf YB

Philippe Senderos und Johan Djourou waren einst Genfer Jungtalente wie er, standen in Zakarias Alter aber bereits bei Arsenal unter Vertrag. «Irgendwann ist das vielleicht schon auch ein Ziel», sagt Zakaria. «Das bedeutet aber nicht, dass ich Brighton am Montag als Plattform ansehe, um mich für die Premier League zu empfehlen. Ich fokussiere mich ganz auf YB.»

Er weiss, dass er seine bisherigen Leistungen erst noch bestätigen muss. Einen Einbruch aber befürchtet er nicht. «Erstaunlicherweise fühle ich mich trotz der ungewohnten Belastung überhaupt nicht müde», sagt Zakaria. Die drei Wochen bis zur Winterpause wird er auch noch schaffen, da ist er sich ganz sicher.

Wie Xherdan Shaqiri damals

Und dann, was wird kommen im neuen Jahr? Es gibt Experten, die wollen nicht ausschliessen, dass es Zakaria sogar noch ins Kader des A-Nationalteams für die EM in Frankreich schafft. Der junge Romand wird erneut ein bisschen verlegen, wenn er solche Dinge hört. «Daran denke ich überhaupt nicht.»

Moser sagt, man habe in der Vergangenheit immer mal wieder einen Jungen mitgenommen, damit dieser Turniererfahrung machen könne. Zum Beispiel war 2010 der junge Xherdan Shaqiri mit dabei in Südafrika. «Ich muss doch zuerst einmal schauen, dass ich bei YB meinen Platz behaupten kann», sagt Zakaria.